Donnerstag, 5. Oktober 2017

[Rezensionsexemplar] Virginia Baily - Im ersten Licht des Morgens

Bevor an einem Morgen im Jahr 1943 die Sonne aufgeht, tritt Chiara im besetzten Rom auf die Straße. Noch ahnt sie nicht, dass sie an diesem Tag einem kleinen Jungen das Leben retten wird. Doch als sie Daniele begegnet, verbinden sich ihre Schicksale unwiderruflich miteinander. Chiara nimmt ihn allen Widrigkeiten zum Trotz an wie einen Sohn. Aus Liebe tut sie fortan alles, um ihn zu schützen – und aus Liebe begeht sie nach Kriegsende einen folgenschweren Verrat …

Meine Liebe zu düsteren Familiengeheimissen hat mal wieder zugeschlagen, als ich mir dieses Rezensionsexemplar beim Bloggerportal ausgesucht habe. Allerdings muss ich gestehen, dass ich mich dann doch ein bisschen durch dieses Buch habe quälen müssen, statt es in einem Ruck lesen zu wollen. Das liegt vor allem an zwei großen Kritikpunkten.

Nummer eins ist, dass die Geschichte einfach nicht wirklich neu oder spannend ist, sondern so wahnsinnig belanglos runtererzählt wird. Keine der Figuren ist wirklich ausgearbeitet, Maria ist einfach nur ein klischeebehafteter Teenager (mti riesigen Brüsten, aha), die mir ehrlich gesagt meistens auf den Geist gegangen ist. Chiara war in ihrem Verhalten so uneindeutig, dass ich sie nicht lieb gewinnen konnte. Und die anderen Figuren waren alle so wenig relevant, dass sie mir wirklich egal waren.

Zweitens, und das hat mir das Lesen wirklich schwergemacht, werden viele Sachen einfach gar nicht erzählt. Das Buch plätschert unspektakulär dahin und wirklich spannende Stellen passieren in zwei Zeilen, die man fast schon überliest. Baily ist einfach keine Erzählerin, die mich als Autor bei der Stange halten kann, und die Lesezeit hat sich wirklich gezogen wie Kaugummi. Dabei wäre das ein solider Roman gewesen ...

Montag, 2. Oktober 2017

[Rezensionsexemplar] Peter Wensierski - Die unheimliche Leichtigkeit der Revolution

Sie sind jung, sie sind frech, sie verweigern sich dem System und fordern den Staat heraus. Sie wollen sich nicht mehr anpassen. Sie wohnen gemeinsam in Abrisshäusern, planen in langen Nächten am See ihre nächsten Aktionen, drucken heimlich Flugblätter, feiern in ihrer illegalen Nachtbar, bis der Morgen anbricht, und demonstrieren am Tag in der ersten Reihe. Sie werden verfolgt, aber mit jeder neuen Aktion verlieren sie ein Stückchen mehr Angst und die Diktatur an Kraft. Deutschland erlebt von Leipzig aus zum ersten Mal in der Geschichte eine gelungene Revolution. Die wahre Geschichte einer ungewöhnlichen Gruppe junger Leute, die einen Kampf führen, den andere für aussichtslos halten. Und die spannend zu lesende Nahaufnahme eines wichtigen Augenblicks der deutschen Geschichte ...

Ich hatte so Lust auf ein Sachbuch, dass ich beim Bewerben für dieses Rezensionsexemplar lauthals "Ja!" gerufen habe. Das Ende der DDR und die Revolution in Leipzig sind so völlig unterrepräsentiert im Geschichtsbewusstsein, dass ich daran auch bei mir was ändern wollte. Und tatsächlich habe ich ein verdammt gutes Buch bekommen, bei dem ich aber zunächst spürbar irritiert war.

Wensierski wählt für sein Buch nämlich einen ungewöhnlichen Stil. Statt ein reines Sachbuch zu schreiben und mit Fußnoten angereichert über die DDR zu berichten, erzählt er wie in einem Roman. Als Leser werden mir eine Vielzahl von Personen vorgeführt, bei denen ich gelegentlich den Überblick verliere. Da htte ich es wirklich hilfreich gefunden, wenn die Bildtafel, die sich beim Ebook im Anschluss an die Erzählung befindet, vielleicht aufgeteilt und beim ersten Auftreten er Personen auftauchen würde. Auch die anderen Bilder fand ich persönlich eher schlecht angebracht, warum nicht dann, wenn die Handlung stattfindet, statt gesammelt im Anschluss? Ich leide mit ihnen, freue mich mit ihnen, bewege mich zwischen diesen ganzen Leuten, da wäre ich gerne während des Lesens zumindest optisch mit ihnen und ihren Aktionen verbunden.

So nah ist mir im Buch die Revolution, dass ich mich immer wieder frage, ob das, was ich da lese, wirklich so passiert ist - es klingt so unglaublich easy, mal eben einen Staat zu Fall zu bringen. Andererseits, wir reden von einem Staat, dessen abgeschottete Grenze 1989 durch einen überforderten Mann bei einer Pressekonferenz in einem Nebensatz unbeabsichtigt geöffnet wurde, da ist es fast schon logisch, dass bereits im Vorfeld alles drunter und drüber gegangen sein kann. Durch die gewählte Erzählperspektive bleibt Wensierki es aber ein wenig schuldig, für mich interessante Hintergrundinformationen zu liefern, zum Beispiel, was die Rolle der Kirche in der DDR angeht. Das ist aber der einzige Kritikpunkt, denn insgesamt bin ich wirklich schwer begeistert von diesem Buch, das einen Blick bietet hinein in ein Land, das mir immer noch völlgi femd ist.

[Rezensionsexemplar] Alex Beer - Der zweite Reiter

Wien, kurz nach dem Ende des Ersten Weltkriegs: Der Glanz der ehemaligen Weltmetropole ist Vergangenheit, die Stadt versinkt in Hunger und Elend. Polizeiagent August Emmerich, den ein Granatsplitter zum Invaliden gemacht hat, entdeckt die Leiche eines angeblichen Selbstmörders. Als erfahrener Ermittler traut er der Sache nicht über den Weg. Da er keine Beweise vorlegen kann und sein Vorgesetzter nicht an einen Mord glaubt, stellen er und sein junger Assistent selbst Nachforschungen an. Eine packende Jagd durch ein düsteres, von Nachkriegswehen geplagtes Wien beginnt, und bald schwebt Emmerich selbst in tödlicher Gefahr...

 Ich finde es ja toll, in meinen Büchern immer mal neuen Input zu bekommen. Und Österreich nach dem ersten Weltkrieg ist in meiner Literaturliste bislang eher selten vorgekommen, deshalb war ich froh und glücklich, dieses Rezensionsexemplar vom bloggerportal zu bekommen. Und tatsächlich bin ich mit einem ziemlich rasanten Kriminalstück belohnt worden, das mich ein wenig zu sehr durch Wien gehetzt hat. Leider, muss ich sagen, denn dadurch bleibt immer ein bisschen was auf der Strecke. In diesem Fall ist es die Konzentration auf die Krimihandlung, die einfach nicht ausgefeilt genug ist. Immer wieder werde ich als Leser von einem Ort zum nächsten gebeamt, werde mit Fakten überrascht, die nicht ermittelt, sondern eher "in den Weg geschmissen" werden, alles bloß, damit mir zum drölfzigsten Mal erklärt wird, dass Emmerichs Bein schmerzt. Und dann wird mir am Ende ein Mörer präsentiert, den ich nicht erwischen konnte, weil die Info, wer er ist, nur von Emmerich gelesen, vom Autor aber verschwiegen wird. Ich als Leser finde sowas immer ein wenig unfair und hab mich wirklich geärgert, vor allem, weil auch das Motiv schon so nebenbei erläutert wurde. Was mir auf jeden Fall zugesagt hat, waren August Emmerich, ein sehr kantiger Charakter, und dessen Interaktion mit seiner Umwelt. Insbesondere die Beziehung zu seinem Assistenten wandelt sich im Lauf des Buchs und man bekommt ein wenig mehr Variation als das, was man anfangs vermutet.

Auch der historische Hintergrund wird so abgehandelt, das ist so ein bisschen Highlight-Aneinanderreihung, die man ja sowieso kennt, aber so wirklich Atmosphäre tanken konnte ich nicht. Da finde ich die Bücher von Volker Kutscher gelungener, der sich aber eben auch hundert Seiten mehr Zeit nimmt. Und die hätten diesem Buch hier sehr gut getan. Es ist kein schlechter Krimi, absolut nicht, aber für mich fehlen hier die schriftstellerische Feinarbeit. Okay, aber kein wirkliches Highlight.

Montag, 11. September 2017

[Rezensionsexemplar] Carla Berling - Mordkapelle

Ein malerischer Sommerabend auf dem Land. Als die Lokalreporterin Ira Wittekind zur brennenden Friedhofskapelle in Rehme gerufen wird, findet sie ein schauriges Szenario vor: In der Ruine steht ein Rollstuhl vor dem Altar, der Mann darin ist tot. Es handelt sich um den angesehenen Apotheker Ludwig Hahnwald, allen bekannt als der schöne Ludwig. Ira Wittekind beginnt zu recherchieren. Dabei stößt sie auf ein dichtes Geflecht aus Lügen, Intrigen und verratener Liebe. Und auf ein grauenhaftes Unrecht, das vor vielen Jahren begangen und nie gerächt wurde ...

Es tut mir richtig Leid, die folgende Rezension zu schreiben, weil ich so furchtbar undankbar wirken muss. Da kriege ich schon gratis vom Bloggerportal ein Buch, und dann schlittert es haarscharf an einem Cody vorbei - der einzige Grund, warum ich das dch nicht gemacht habe, war, dass ich mich über das Buch nicht genug geärgert habe.

Zuerst einmal sollte man festhalten, dass das Buch eigentlich Band 4 einer Serie ist, aber die ersten drei Bände von der Autorin noch im Selbstverlag herausgebracht wurden, bevor sie von Heyne unter Vertrag genommen wurde. Und ehrlich gesagt, habe ich mich gefragt, wie sie das geschafft hat - hat sich da Heyne einfach nur von den Verkauszahlen blenden lassen? Der gesamte Schreibstil wirkte auf mich sehr unbeholfen und konstruiert, gerade bei den Zeitungsberichten, die klangen, als würde da ein Sechstklässler um jeden Preis Wortwiederholungen vermeiden wollen. Aber auch sonst war der Stil sehr simpel und las sich ein wenig wie ein Schüleraufsatz. Ein guter Aufsatz, natürlich, aber halt nicht wie ein richtig gutes Buch.Der gesamte Plot wirkt überkonsturiert und hat mich sehr an einen Krimi erinnert, den ich mit 15 geschrieben habe - nicht inhaltlich, sondern vom Aufbau her. Möglihst viel, möglichst spekatkulär, und dann ist am Ende der böse Schurke, der aus dem Hut gezaubert wird und sein Motiv beschaulich erklärt.

Als ich anfing zu lesen und feststellt, dass Pia eine knapp 50 Jahre alte Frau ist, war ich erst ein wenig irritert, dann dachte ich, dass das mal was anderes ist. Allerdings hat mich Pia als Figur einfach nicht überzeugt. Sie verhält sich eher wie das Mitglied einer Schülerzeitung als wie eine altgediente Reporterin, dieser Kleinkrieg mit einem gemeinem Online-Boulevardjournalisten leist sich schon ser klischeebehaftet, um Pia als den Engel der Gerechtigkeit aufzubauen. Mein Gott, diese Fragen, die sie stellt und die so offensichtlich ihr Ziel verraten, aber bei jedem direkt eine Laberstunde auslösen ... Ihr Privatleben hat mich ziemlich kalt gelassen und ehrlich gesagt, nehme ich diese Entwicklung am Schluss nicht wirklich ab, weil das so diametral zu dem ist, was sie bslang gepredigt hat. Auch die anderen Figuren überzeugen mich wirklich kein Stück. Sei es die Tatsache, dass alle Männer ihr Haar "eine Spur zu lang" zu tragen scheinen (ehrlch, die Beschreibung ist bei mir so hängen geblieben!) oder die beiden Tantchen im Nebenhaus, die den ganzen Tag über Schnaps zu saufen scheinen. Insbesondere der hier versuchte Dialekt wirkte sowas von extrem nervig beim Lesen, dass ich das gerne überblättert hätte, aber die Autorin hat die Angewohnheit, genau hier irgendwelche Informationen einzustreuen, die man benötigt, um in der Geschichte voranzukommen.

Nein, ehrlich, Carla Berling kann ich nicht empfehlen :-(

[Rezensionsexemplar] Kristina Ohlsson - Bruderlüge

Martin Benner befindet sich in der Hand von Unterweltboss Lucifer, der ihm den Auftrag erteilt, Mio zu finden – den Sohn der Serienmörderin Sara Texas. Wohl fühlt sich Benner damit nicht, schließlich arbeitet er nun für denjenigen, der Sara solche Angst einjagte, dass sie von einer Brücke gesprungen ist. Doch damit nicht genug: Jemand ist dabei, Benner zwei Morde anzuhängen, und er hat keine Ahnung, wer das ist. Als Benner von seiner eigenen Vergangenheit eingeholt wird, begreift er, dass er nicht durch Zufall in die ganze Geschichte geraten ist, sondern dabei eine wichtige Rolle spielt ...

Ich war ja einerseits nicht ganz begeistert von "Schwesterherz", dem ersten Band dieses Doppelthrillers, wollte aber um jeden Preis wissen, wie es weitergeht. Also habe ich das Buch dann doch als Rezensionsexemplar erhalten, und mich erneut erst einmal sehr an Martin Brenner gewöhnen müssen. Der Typ geht mir einfach so gepflegt auf den Senkel, wie ich es selten bei einer Figur erlebt habe. Auch Lucy, seine Freundin, habe ich nicht mehr wirklich glaubhaft gefunden - entweder ist sie völlig hohl oder sowas von Verlassensängsten geplagt, dass sie ihm alles durchgehen lässt. Nee, nicht mein Fall, wirklich nicht.

Rasant führt Ohlsson ihre Leser durch eine Geschichte, die klar spannend ist, aber eben auch in diesem Band spürbar mehr holpert und immer unglaubwürdiger wird bis zu einer, meiner Meinung nach, wirklich völlig verhunzten Auflösung, bei der ein Täter mit einem Motiv präsentiert wird, das diesen gesamten Aufwand vorher völlig unlogisch erscheinen lässt. Klar, mit ihm werden wirklich alle Fäden, die bis dahin gespannt wurden, miteinander verknotet und alle Fragen beantwortet, aber mich lässt das alles mit einem großen Fragezeichen zurück, das den Satz "Dafür das alles" abschließt.

Alles in allem, ist das Buch natürlich wieder temporeich, aber ich würde es jetzt nicht sofort empfehlen, wenn jemand sagt, er hätte gerne einen spannenden Thriller.

[Rezensionsexemplar] Jeremy Massey - DIe letzten vier Tage des Paddy Buckley

Seit dem Tod seiner Frau vor zwei Jahren arbeitet Paddy Buckley in seinem Beruf noch mehr als früher schon. Er ist mit Leib und Seele Bestatter und versucht, den Hinterbliebenen zur Seite zu stehen. Doch an einem Montag beginnen die Probleme. Erst stirbt eine Witwe, die Paddy zwecks Gestaltung der Trauerfeier ihres Gatten besucht, mitten in einem ungeplanten Sexakt, und dann überfährt er auch noch versehentlich den Bruder von Dublins Gangsterboss. Der schwört dem anonymen Fahrerflüchtigen Rache und holt ausgerechnet Paddy als Bestatter zu sich - und damit beginnen die vier letzten Tage des Paddy Buckley ...

Das Buch klang im Klappentext extrem vielversprechend, muss ich sagen, und deshalb habe ich beim Bloggerportal zugeschlagen. Tatsächlich hat mir das Buch anfangs dieabendliche Stillrunde sehr versüßt, denn Massey schreibt sehr frisch drauf los und hat eine Hand für absurde Komik und das richtige Gespür für das Tempo in Komödien. Alleine schon die Schilderung von Paddys Besuch bei der Witwe nebst aller Ereignisse war wirklich großartig und hat sehr viel Spaß gemacht. Dementprechend machte ich mich gefasst auf eine schwarz angehauchte Komödie, alleine schon durch das Bestatterumfeld. Allerdings wechselte das dann im Laufe der nächsten Seiten sehr drastisch, denn sobald Paddy Fahrerflucht begeht, besteht das Buch effektiv nur noch aus Flucht und einer Anerinanderreihung von sehr klischeehaften Gangsterfiguren. Diesen Dreht von der schwarzen Komödie zu einem vergnüglichen Thriller habe ich Massey einfach nicht abgenommen, und je mehr Zeit verging, desto mehr hat mich eigentlich alles genervt, was das Buch vorher wirklich gut gemacht hat. Die Figuren wurden und agierten immer unglaubwürdiger, das Ende vor allem war sehr an den Haaren herbeigezogen und für meinen Geschmack zu friedfertig. Insgesamt hat mich das Buch also ... nein, nicht direkt enttäuscht, aber es hat es nicht geschafft, die anfangs gesetzten Erwartungen wirklich zu erfüllen. Schade eigentlich :-(

Donnerstag, 24. August 2017

[Rezensionsexemplar] Roope Lipasti - Sauna mit Nachbar

Er lebt auf einem alten Bauernhof im ländlichen Finnland und hat nichts zu tun – für einen alleinstehenden Geschichtslehrer um die fünfzig können die Sommerferien sehr lang sein. Da bietet der chaotische Nachbar ein dankbares Forschungsobjekt. Er ist begeisterter Heimwerker, bringt jedoch keines seiner ambitionierten Projekte zu Ende. Gerade hat er ein neues angefangen, eine Sauna. Der Geschichtslehrer bemerkt, dass seine schöne Nachbarin das Projekt ihres Mannes nicht unterstützt, und beginnt, es ebenfalls zu sabotieren. Als sich der Nachbar versehentlich mit einer Nagelpistole in den Bauch schießt und ins Krankenhaus muss, sieht der Geschichtslehrer seine Chance gekommen, das Herz der Nachbarin zu erobern ...

Wow, selten sind meine eigene Einschätzung und die aller anderen Leser bei einem Buch so weit voneinander entfernt. Ich hatte mir diesen Roman auch aufgrund der sehr begeisterten anderen Rezensenten als Rezensionexemplar ausgesucht. Darüber hinaus habe ich noch nie bewusst einen finnischen Autor gelesen, und dann gleich einen finnischen Satiriker, das klang doch gut. Allerdings musste ich schon nach ungefähr zehn Seiten erkennen, dass finnischer Humor und ich nicht kompaktibel zu sein scheinen.

Ehrlich, ich fand das Buch überhaupt nicht erheiternd oder lustig oder was auch immer. Die Hauptfigur, der Ich-Erzähler, ist unsympathisch und ich finde ihn als Satire auch nicht sonderlich überzeugend, dazu ist er nämlich nicht überzeucnet genug. Er ist ein arrigantes Arschloch und selbst die Tatsache, dass er Witwer ist, löst bei mir keine Sympathie aus. Der übereifrige Nachbar wirkt genauso wenig glaubwürdig oder übertrieben, sondern stolpert halt so vor sich hin, die Kinder und die Frau sind blasse Stichwortgeber. Je länger ich gelesen habe, desto  mehr habe ich mich gefragt, wer für dieses Buch wohl die Zielgruppe ist, und ich glaube, das sind Leute, deren Lachen immer eher so ein "hö hö hö" ist, die Witze gerne "köstlich" finden und die sich, auch wenn sie es nie zugeben würden, gerne für ein wenig klüger als ihre Umgebung halten. Also genau solche Leute wie die Hauptfigur.

[Rezensionsexemplar] Vegetarisch mit Liebe

Seit ich Rezensonsexemplare annehme und mir die Mühe mache, sie zu lesen und zu bewerten, liegt mir meine Mutter in den Ohren, dass ich doch eindlich mal ein Kochbuch nehmen soll. Wahrscheinlich ist es die Hoffnung, dass ich doch noch Leidenschaft fürs Kochen entwickele, und da ich im Moment mit meinem Freund eine vegetarische Episode durchlebe, habe ich beim südwest-Verlag spontan ja gesagt.

Ein Kochbuch also. Was kann man darüber sagen? Ich mag die Aufmachung. Statt die Rezepte zu sortieren nach "Suppe", "Beilage", "Nudeln", und Co. wird hier streng alphabetisch nach der Hauptzutat vorgegangen. Ich finde das gut, denn wenn ich koche, dann eher nach dem Motto "kreative Resteverwertung" und mit diesem Prizip kann ich schauen, was ich im Kühlschrank habe und mich für eine Sache entscheiden, der ich folgen will. Die Anleitungen sind logisch, keine komplizierten oder von Fremdwörtern getränkten Bschreibungen, und die Rezepte an sich sind sehr unkompliziert, machen aber trotzdem etwas her. Es sind nicht die immer wieder gleichen Sachen, die man aus vielen andere Büchern kennt, sondern es ist so viel Variation drin, dass man das Gefühl hat, wirklich mal was Neues zu kochen. Besonders toll sind auch die am Ende des Rezepts immer gegebenen Varianten. Ich bauche etwas ohne gluten oder vegan? Dann weiß ich, was ich ändern kann und muss, kann mich drauf verlassen, dass es ebenso lecker schmeckt.

Neben vielen verschiedenen Rezepten gibt es auch noch etliche Basic-Anleitungen für Saucen und Dips, die in vielen Variationen geboten werden. Auch hier sind die Bilder schön dazu präsentiert und man bekommt wirklich Lust es auszuprobieren.

Insgesamt: doch, das ist ein echt schönes Kochbuch. Es macht mir immer noch keinen großen Spaß, Zutaten zu schnippeln und zu würzen, aber zumindest gibt es Abwechslung auf dem Teller :-)

[Rezensionsexemplar] Erika Fatland - Ort der Engel. Die Tragödie von Beslan und ihre Folgen

Ort der Engel nennen die Bewohner des ossetischen Beslan ihren neuen Friedhof, der an eines der blutigsten Attentate der letzten Jahrzehnte erinnert: 2004 besetzte ein Terrorkommando die Schule von Beslan und nahm über 1100 Schüler und Lehrer als Geiseln. Nach drei Tagen wurde das Gebäude gestürmt – ein langer Kampf und 333 Tote waren die Folge. Erika Fatland ist nach Beslan gereist und hat mit Überlebenden wie Hinterbliebenen gesprochen. Sie erzählt von den dramatischen drei Tagen, ihren undurchsichtigen politischen Hintergründen, vom Kaukasus als »Pulverfass Europas« und davon, wie der Terror unser Leben verändert – auch lange nachdem die letzten Kamerateams abgezogen sind

Es gibt Konflikte in dieser Welt, die kommen dir so weit weg vor, dabei sind sie rein kilometertechnisch näher an dir als die, die du sofort kennst. Der Tschetschenienkonflikt ist für viele Europäer eine dieser gefühlten Entfernungen. Irgendwas ist da irgendwie mit Unabhängigkeit von Russland, aber so richtig beschäftigt hat man sich damit eigentlich nie. Warum eigentlich? Vielleicht, weil Russland irgendwie nicht attraktiv genug ist, selbst dreißig Jahre nach dem Ende des Kalten Kriegs irgendwie so vollständig fremd und abstrakt wirkt für viele Westeuropäer. Eben aus diesem Grund habe ich mir dieses Buch als Rezensionsexemplar schicken lassen. Erika Fatland wählt darin einer eher ungewöhnlichen Blickwinkel. Sie ist weder Historikerin noch Politikwissenschaftlerin, sondern Sozialanthropologin, deren Masterarbeit sich mit der Frage beschäftigt, wie Menschen nach Terroranschlägen leben.

Durch ihre eigene eher unverstellte Sichtweise nimmt sie den uninformierten Leser an der Hand. Sie liefert vor allem über die Hinergründe des Konflikts die Informationen, die man als Einsteiger braucht, um zumindest einen Überblick zu gewinnen. Auch die zunöchst einmal wichtigsten Stichpunkte über die Abläufe in der Schule sind kurz und prägnant formuliert, hier geht es nicht darum, irgendwelche Fragen aufzuwerfen oder Zweifel zu sähen. Erst im letzten Kapitel wird sie noch einmal darlegen, welche Probleme es zwischen den Aussagen der Geisel und der offiziellen Darstellung gibt, aber auch hier ergreift sie wenig Partei, sondern belegt ihre Aussagen und überlässt dem Leser, sich zu positionieren. Das fand ich für das gesamte Buch wirklich gelungen, dass hier kein "Gut" und "Böse" gezeichnet wird, sondern die furchtbaren Geschehnisse von 2004 ansatzweise aufgearbeitet werden.

Gleichzeitig sind die Interviewauszüge sehr intensiv und eindrücklich, da sie vor allem natürlich die anthropologische Sichtweise interessiert. Es kommen viele Menschen zu Wort, die sich heute zu Teil nicht mehr grün sind, auh hier werden beide Seiten einfach nur dargestellt. Wem glaube ich als Leser mehr? Darauf gibt es keine zufriedentellende Antwort, jeder muss selbst entscheiden. Für mich sehr grausam zu lesen waren immer wieder die Beschreibungen von Müttern, die vor die Wahl gestellt waren, ihre Kinder in der Turnhalle zurückzulassen, um ihr Baby zu retten - dabei muss man wirklich schlucken und durch die immer und immer wieder gleichen Szenen, die Fatland schildert, wird dies Auswegslosigkeit von drei Tagen Geiselhaft sehr deutlich.

Das Buch nimmt nicht in Anspruch eine vollständige Aufarbeitung von Beslan zu sein. Es ist eine Momentaufnahme von Trauer und dem Umgang mit ihr, und hier liegen seine absoluten Stärken. Wer tiefer in die Geschichte des Tschetenienkonflikts eintreten will, sollte sich noch andere Bücher suchen, aber zumindest erhält man ein wenig Hintergrundinformation, die einem dann helfen, tiefer zu graben.

Mittwoch, 2. August 2017

[Thoughts on books] Christina Henry - Lost Boy

There is one version of my story that everyone knows. And then there is the truth. Once I loved a boy called Peter Pan. Peter brought me to his island because there were no rules and no grownups to make us mind. He brought boys from the Other Place to join in the fun, but Peter's idea of fun is sharper than a pirate's sword. He wants always to be that shining sun that we all revolve around. He'll do anything to be that sun. Peter promised we would all be young and happy forever. Peter will say I'm a villain, that I wronged him, that I never was his friend. Peter Lies ...

As a child I never really was affeted by Peter Pan. I knew the Disney movie thanks to a "book to the film", I watched and loved very much Steven Spielberg's "Hook" and Iwas familiar with the key points of the story. When I was older I learned about the story behind "Peter Pan" and was interested in that psychological Peter Pan phenomen, but I was about 26 when I read the real "Peter Pan" by J.M.Barrie for the first time. Or rather, I read a "children version" shortening out a few things from the original volume. And I have to confess: I did not really like it. I didn't get that Peter, he was no hero for me but a very annoying and rather stupid boy of whom I often silently thought: "Oh come on, grow up!" Ummm, yes, point taken ...A few years ago I bought in a bargain store "The Child Thief" because it looked interesting and I was fascinated when I read in the foreword that it was a variation of "Peter Pan" based on the few sentences that would be most often cut of the children volumes. The sentences dealing ith the fact that Peter, the cutie, would find ways to get rid of Lost Boys now and then. Since then I became more and more fascinated by that fact and I have to say, if there is a fantasy genre I really enjoy it is what I call "dark Peter stories". And so it was not a big surprise that I bought this book when I found it at the local bookstore :-)

The story is told from the view of Jamie, one of Peters oldest and best friends in Neverland. It is a very easy read, Jamie is not a friend of huge words or long sentences but a rather straight forward character. I was a bit irritated in the beginning by the flashbacks coming up now and then because here the narrator's voice all of a sudden and unexpectadly changes. But more than the general story I really loved how he and Peter - actually the only really developed characters in the novel - are presented.

Jamie had been so long on the island that he hardly remembers how much time has passed and he just sees it in the number of boys being replaced now and then, and the amount of pirates he has killed over the years. But all of a sudden this idyllic life changes when Jamie develops a feeling of responsibility towards the Lost Boys, especialle five year old Charlie who was among the last boys jining Peter on his life of adventures. And Peter doesn't like that at all, you can say. The more Jamie finds himself in the role of a parent, the more Peter becomes cruel. A very subtle cruelity in the beginning, and believe me, as a mother it was very hard reading the first chapters while your own baby sleeps right next to you. It is obvious that there is more behind Peter than he shows the Lost Boys, and Jamie who starts also grow up physically and not just emotionally seems to be the only one who is able to see that. But, and here I am quite happy, Christina Henry doesn't portray Peter just as the cruel child thief as Brom in his really great novel does. This Peter here is actually suffering from the fact that he never can do what Jamie is doing: growing up. Peter tries everything to make things stay as they are, he is desperate about not losing his best friend who bit by bit grows out of this whole "eternal adventure and fun" thing. This cruelity is based on the desperation of a five year old, and even when my baby is still too young I am already aware of the time he will also show from time to time this behaviour when he finds out that there are things in life he can't change or he has to accept. That growing age gap between Peter and Jamie is the base in the book and the main reason why I woudl recommend it. Besides, it is really, really good ;-)