Mittwoch, 2. August 2017

[Thoughts on books] Christina Henry - Lost Boy

There is one version of my story that everyone knows. And then there is the truth. Once I loved a boy called Peter Pan. Peter brought me to his island because there were no rules and no grownups to make us mind. He brought boys from the Other Place to join in the fun, but Peter's idea of fun is sharper than a pirate's sword. He wants always to be that shining sun that we all revolve around. He'll do anything to be that sun. Peter promised we would all be young and happy forever. Peter will say I'm a villain, that I wronged him, that I never was his friend. Peter Lies ...

As a child I never really was affeted by Peter Pan. I knew the Disney movie thanks to a "book to the film", I watched and loved very much Steven Spielberg's "Hook" and Iwas familiar with the key points of the story. When I was older I learned about the story behind "Peter Pan" and was interested in that psychological Peter Pan phenomen, but I was about 26 when I read the real "Peter Pan" by J.M.Barrie for the first time. Or rather, I read a "children version" shortening out a few things from the original volume. And I have to confess: I did not really like it. I didn't get that Peter, he was no hero for me but a very annoying and rather stupid boy of whom I often silently thought: "Oh come on, grow up!" Ummm, yes, point taken ...A few years ago I bought in a bargain store "The Child Thief" because it looked interesting and I was fascinated when I read in the foreword that it was a variation of "Peter Pan" based on the few sentences that would be most often cut of the children volumes. The sentences dealing ith the fact that Peter, the cutie, would find ways to get rid of Lost Boys now and then. Since then I became more and more fascinated by that fact and I have to say, if there is a fantasy genre I really enjoy it is what I call "dark Peter stories". And so it was not a big surprise that I bought this book when I found it at the local bookstore :-)

The story is told from the view of Jamie, one of Peters oldest and best friends in Neverland. It is a very easy read, Jamie is not a friend of huge words or long sentences but a rather straight forward character. I was a bit irritated in the beginning by the flashbacks coming up now and then because here the narrator's voice all of a sudden and unexpectadly changes. But more than the general story I really loved how he and Peter - actually the only really developed characters in the novel - are presented.

Jamie had been so long on the island that he hardly remembers how much time has passed and he just sees it in the number of boys being replaced now and then, and the amount of pirates he has killed over the years. But all of a sudden this idyllic life changes when Jamie develops a feeling of responsibility towards the Lost Boys, especialle five year old Charlie who was among the last boys jining Peter on his life of adventures. And Peter doesn't like that at all, you can say. The more Jamie finds himself in the role of a parent, the more Peter becomes cruel. A very subtle cruelity in the beginning, and believe me, as a mother it was very hard reading the first chapters while your own baby sleeps right next to you. It is obvious that there is more behind Peter than he shows the Lost Boys, and Jamie who starts also grow up physically and not just emotionally seems to be the only one who is able to see that. But, and here I am quite happy, Christina Henry doesn't portray Peter just as the cruel child thief as Brom in his really great novel does. This Peter here is actually suffering from the fact that he never can do what Jamie is doing: growing up. Peter tries everything to make things stay as they are, he is desperate about not losing his best friend who bit by bit grows out of this whole "eternal adventure and fun" thing. This cruelity is based on the desperation of a five year old, and even when my baby is still too young I am already aware of the time he will also show from time to time this behaviour when he finds out that there are things in life he can't change or he has to accept. That growing age gap between Peter and Jamie is the base in the book and the main reason why I woudl recommend it. Besides, it is really, really good ;-)

[Rezensionsexemplar] Ingar Johnsrud - Der Hirte

Die Tochter der einflussreichen Politikerin Kari Lise Wetre wird vermisst – ein Routinefall für Hauptkommissar Fredrik Beier. Doch kurz darauf wird Beier nach Solro beordert, einem alten Hof vor den Toren Oslos. Fünf Männer wurden auf dem Sitz der christlichen Sekte »Gottes Licht« grausam abgeschlachtet. Das Gelände des Hofs ist ausgestattet wie ein Hochsicherheitstrakt, und im Keller des Gebäudes stoßen die Ermittler auf ein Labor, das auf monströse Experimente hinweist. Von den restlichen Mitgliedern der Sekte fehlt jede Spur, unter ihnen die vermisste Annette Wetre ...

Hach, das klang doh mal nach einem ganz spannenden Fall, den ich mir das als Rezensionsexemplar geholt habe. Und ich gestehe, ich werde mir die zwei geplanten Folgebände auch noch holen. Allerdings nur aus dem Grund, dass ich wissen will, wer tatsächlich hinter diesem ganzen Chaos steckt, denn so wirklich gepackt hat mich dieses Buch nicht. Dass dem so war, liegt an einer ganzen Reihe von Gründen.

Zuerst einmal ist auch Johnsrud einzureihen in die Reihe der skandinavischen Autoren, die alles daran setzen, einen Kurt Wallander wie den farbenfrohen Einhornkönig der Glückseligkeit wirken zu lassen. So hinkt Fredrik Beier heldenhaft durch sein trostloses Leben, in dem er gelegentlich die Exfrau vögelt, und die Karriere auf einem Abstellgleis festhängt. Darüber hinaus ist Beier ein echter Übermensch, der effektiv alles überlebt. Schüsse, Explosionen, erneute Schüsse - Beier ist quasi ein Dauerinvalider, der  sich allein in diesem Buch zweimal im Krankenhaus wiederfindet, um seine Verletzungen auszukurieren, und dort aber natürlich auch nur ermittelt. Und bereits ohne sämtliche Verstrickungen zu kennen, kann man schließen, dass die norwegische Politik vermutlich noch korrupter und verlogener ist, als es ein Stig Larsson hätte zeigen können. Keine der Figuren ist mir wirklich sympathisch, sie sind viel zu sehr Schablonen, mit denen die Schlechtigkeit Norwegens dargestellt wir, und das ging mir beim Lesen manchmal schon sehr auf den Senkel, weil ich sehr genau hätte sagen können, was die Person gleich tun wird oder nicht tun wird.

Der zweite große Kritikpunkt ist, dass Johnsrud in dieses Buch einfach alles an Problemen und Konfliktstoff bastelt, was der Thrillermarkt nur hergibt. Eigentlich würden die Sektenmitglieder doch schon reichen, aber damit man drei Bände füllen kann, braucht man anscheinend a) eine düstere Vergangenheitsgeschichte, in dem Fall nationalsozialistische Experimente zur Rasseforschung, und b) eine Verbindung dieser Vergangenheit mit der Politik der Gegenwart, was in ständigen düsteren Andeutung gipfelt, die für mich als Leser allerdings glasklar sind, weil ich durch die Rückblenden bereits mehr weiß als der Kommissar.

Ebenfalls in wenig angenervt war ich von der Komposition des Buches, dessen Kapitellängen so extrem wechseln. Eine Seite, dann wieder fünf, dann zehn, dann knapp eine, dazu wird immer so abrupt gewechselt zwischen den Szenerien und nur ganz am Ende gelang es mal, eine Art Überblendung herzustellen, die mich als Leser in der Geschichte mitträgt.

Insgesamt kann ich also sagen: hmmmm. Es ist temporeich und man will wissen, wer jetzt die dreckigsten Finger hat im Spiel, aber die Machart hat mich nicht wirklich bei der Stange gehalten und ich habe es abends immer nur zur Hand genommen, wenn ich gestillt habe und Ablenkung brauchte, bis das Baby eingeschlafen war. Wenn das für einen Bestseller reicht, dann okay, aber ich würde jetzt nicht jedem sofort das Buch in die Hand drücken.

Sonntag, 16. Juli 2017

[Rezensionsexemplar] Jens Andersen - Astrid Lindgren. Ihr Leben

Vor siebzig Jahren begann Astrid Lindgrens außerordentliche Karriere als Schriftstellerin. Auf Pippi Langstrumpf folgten Bücher, die die Kinderliteratur revolutionierten – und ihre Autorin schon zu Lebzeiten zu einer Legende werden ließen. 2002 verstarb Lindgren 94-jährig; man kannte sie als engagierte Frau, die für Frieden, Gerechtigkeit und die Rechte von Kindern eintrat. Jens Andersen erzählt in seiner preisgekrönten Biografie „ihr Werk und Leben erschreckend neu“ (SZ) ...

Wenn ich einen Autor nennen müsste, der mich als Leser geprägt hat, dann würde ich unweigerlich bei Astrid Lindgren landen. Meine ersten Leseerinnerungen sind von ihren Büchern geprägt, bis heute weiß ich noch, wie ich mich mit sechs Jahren gefühlt habe, als wir im Urlaub tatsächlich Bullerbü besucht haben, und ich versuche gerade, mir die komplette Astrid-Lindgren-Edition zusammenzukaufen, weil ich sie gerne an meine Kinder weitergeben will. Und klar, irgendwie hatte ich im Hinterkopf, dass Astrid Lindgren nicht nur als Autorin ziemlich wichtig war, aber ich habe mich nie wirklich mit ihrem Leben beschäftigt.Das sollte dank des bloggerportals anders werden, als ich mir diese Biographie als Rezensionsexemplar habe schicken lassne.

Zuerst einmal war ich ein wenig enttäuscht, denn wer erwartet, hier einen chronologischen Text beginnend bei der Geburt und endend beim Tod vorzufinden, wird immer wieder ein wenig enttäuscht. Klar, im groben hangelt sich Andersen an Astrid Lindgrens Lebensweg entlang, aber er lässt auch immer wieder sehr viele Jahre aus, springt gelegentlich nach vorne und hinten, aber je länger ich gelesen habe, desto weniger wichtig wurde das für mich. Das liegt daran, dass Astrid Lindgren an sich schon ein sehr spannendes Leben hat, es Andersen aber gelingt, den Leser mit sehr vielen Quellen in dieses Leben zu werfen und auch unbekannte Seiten der Autorin zu zeigen.

Die erste, für mich eher unbekannte Seite, ist die des Arbeitstiers. Astrid Lindgren hat mich hier sehr stark an Enid Blyton erinnert, die Königin des disziplinierten Serienschreibens, aber bei Lindgren ist es eher die unendliche Vielfalt an verschiedenen Berufen, die sie gleichzeitig managt. Vormittags am Roman arbeiten, dann in den Verlag, wo sie bis zu ihrer Pensionierung als Lektorin arbeitet, zwischendrin noch Briefe beantworten und Auftragsarbeiten für Zeitschriften oder Rundfunk erledigen - diese Frau war bewundernswert diszipliniert, glaube ich. Dass sie nach ihrer Pensionierung nicht ruhen konnte, sondern sich mehr und mehr politisch engagierte und sehr engagiert für Kinderrechte und Tierschutz eintrat, überrascht da eigentlich nicht.
Sehr viel mehr Raum nimmt im Buch aber die Schilderung einer Seite von Astrid Lindgren ein, die man so gar nicht kennt: die der einsamen Astrid Lindgren. Wobei "einsam" nicht "allein und verlassen" bedeutet, sondern eher ein selbstgewähltes Refugium, einen Rückzugsort, den sie braucht, um für sich selbst mit vielen Dingen abschließen zu können. Zeit ihres Lebens ist sie, die so vehement für Kinder spricht, von dm schlechten Gewissen geplagt, die ersten fünf Lebensjahre ihres Sohns Lasse nicht erlebt zu haben, ihn fünf Jahre gefühlt im Stich gelassen zu haben. Denn als Lasse zur Welt kommt, ist Astrid 19, unverheiratet und der Vater deutlich älter und immer noch mit seiner zweiten Frau verheiratet. Deshalb lebt Lasse fünf Jahre lang erst bei Pflegeeltern in Dänemark, dann schließlich bei Astrid Eltern auf Näs, dem Hof von Astrids Kindheit. Wenn man diese Kapitel liest und dabei grade den eigenen kleinen Wurm stillt, wird einem wirklich anders, und ich kann sie nur bewundern für die Stärke, die sie hatte, diese Zeit durchgehalten zu haben. Ich hätte es ganz gut gefunden, wenn man auch ein wenig Lasses Sicht auf diesen Lebensbeginn erfahren hätte, aber der hat sich zeit seines Lebens sehr zurückgehalten und ist leider auch relativ jung verstorben. Astrid Lindgren hält ihr Leben lang an einigen wenigen wichtigen Freunden fest, mit denen sie rege Briefwechsel führt, und ihre Tagebücher geben immer wieder auch Hinweis darauf, dass sich in ihr ein sehr melancholischer Mensch versteckt, für den Einsamkeit und Alleine-Sein keine Strafe ist, sondern das Ziel, das es zu erreichen gilt. Dieser sehr andere Blick auf eine Frau, die immer in der Öffentlichkeit stand, war wahnsinnig faszinierend.

Das Buch ist angereichert mit vielen sehr genau eingeordneten Bildern, am Ende dann noch einmal eine detaillierte Liste von Astrid Lindgrens deutschen Veröffentlichungen. Für mich eine sehr gelunge Biographie, die Spaß macht zu lesen. Eine absolute Empfehlung und ich muss nochmal danke sagen, dass ich das Buch bekommen habe ;-)

Montag, 10. Juli 2017

[Thoughts on books] Fiona Barton - The Child

When journalist Kate Waters finds the paragraph in an evening newspaper that the long buried body of a baby was discovered at a construction side it seems to be the story to get her career back on track. Quickly she finds some people who lived in those houses and also a hint who the baby could have been. Forty years ago, newborn Alice was kidnapped from the hospital and since then her mother Angela desperately wants to find her. But the story will uncover much more than it seems on the first look ...

I must admit that I am not a huge fan of the book, though I really enjoyed reading it. It is a nice psychological study rather than a thriller, and Fiona Barton has a very enjoyable style of writing. The words flow like a long, quiet river and I liked the three perspectives from which the story is being told. Kate is not a hard-boiled investigative reporter but nevertheless has her ways to find out things and clearly knows how to handle a situation to get what she wants. She is likeable and still sometimes you have to frown about her actions. Unfortunately the other two woman are not described with half as much detail. For Angela I would have wanted to read much more about her reactions on the discoveries. I also would have liked to look back on the happenings around Alice's kidnapping instead of being told about it from today's perspective. The same is true for Emma who I find not well characterized. Until the very end I had problems to imagine how old she actually was, somehow I couldn't follow up the timeline which is just shown in short mentions in an interview.

This was, in general, the weakest point of the book. Instead of really showing me incidents Barton just let people talk about them. To me as a reader it didn't help to find a real connection to the people, as I said especially Emma was even in the end a faint and distant character and I couldn't develop any image of her. This "keeping the reader in one time" is also the reason why I figured out the end-twist quite early. The book offers a few very nice plot twists, but since it is told in a rather straight forward manner it was easy to come up with the only possible solution, which I just couldn't believe to be true because, as I said, I had some problems to imagine the age of some of the people.

All in all, I would not tell you to leave the book on the shelf. You can read it an enjoy a few nice hours. But probably just wait for the paperback edition or until you find it in your local library. :-)

[In eigener Sache] Ein paar Neuerungen tun immer gut

Hach ja, da ist man mal ein paar Monate zwangsweise nicht wirklich in der Lage, zu lesen, und dann macht man sich eben seine Gedanken. Man ist ja in dem Alter, in dem ein Mädchen das macht. In dem man sich fragt, ob so ein Blog überhaupt noch eine Daseinsberechtigung hat, einen Sinn erfüllt oder ganz allgemein ob man selbst noch will und wenn ja, wie man das macht. Nach langem Überlegen war klar, dass ich den Blog sicher nicht aufgeben will, irgendwann wrd schon wieder die Zeit der dreistelligen Bücherzahl auf der jährliche Leseliste kommen. Aber ich würde einfach gern ein paar Sachen ändern, in gewisser Weise professioneller angehen oder auch ein wenig schöner betreiben. Und da sind mir dann doch zwei, drei Sachen eingefallen.

Schaut mal in mein Seitenverzeichnis ... nein, nicht da ... mehr links ... na, gefunden? Ich habe einen neuen Reiter, der eine Sache ankündigt, über die ich schon seit längerem nachdenke. Es dürfte inzwischen angekommen sein, dass ich im Ausland heimisch geworden bin. Und dadurch hat sich mein Leseverhalte auch ein wenig geändert, ich lande mehr und mehr bei Büchern, deren Originalsprache Englisch ist und die ich dann auch im Original lese. Nicht, weil ich mich so wahnsinnig toll dabei fühle, sondern weil die Bibliotheken hier mit deutschsprachiger Literatur eher mickrig bestückt sind. Allerdings dachte ich, ich kann das ja auch mal nutzen, um meinen Blog ein wenig internationaler zu machen. Also jetzt nicht so wahnsinnig international, aber zumindest werde ich ab jetzt die Bücher, die ich auf Englisch gelesen habe, auch auf Englisch zu rezensieren.Die erste geht dann auch gleich online, ich bin gespannt, ob es Anklang findet. Und vor allem, wie ich selbst mich dabei schlage :-D

Die nächste Ankündigung ist eher eine Reaktivierung. Jawohl, Ponines Bücher-ABC lebt wieder. Allerdings nicht jede Woche und nicht alphabetisch. Das Bücher-ABC ist eher meine kleine Spielwiese, in der ich schreiben kann, wenn ich will und worüber ich will, solange es buchrelevant ist. Ich stöbere wirklich gerne in anderen Blogs und finde es fantastisch, wie sich deren Autoren die Zeit nehmen, wirkliche Artikel zu verfassen. Und daran will ich mich mehr und mehr versuchen. Nicht, dass meine Reichweite dafür ausreichen würde, wirklich weltbewegend zu werden, aber hey, Versuch macht klug und so.

Und drittens und letzten werde ich im Laufe der nächsten Wochen dann doch mal versuchen, einen echten Instagram-Account für den Blog zu erschaffen, sodass ich ein wenig mehr Werbung für meine Beiträge machen kann. Oder für anderes. Keine Ahnung. Aber da mein dereitiger Account in erster Linie ein privater ist, der auch privat gestellt ist, ist es vielleicht doch ganz gut, noch ein kleines Standbein zu haben. Und vielleicht auch fremdsprachige Leser gelegentlich hierher zu bringen. Wer weiß das schon ;-) Das Ganze möchte ich auch koppeln an mehr Arbei mit anderen Bloggern und Lesern, also deutlich mehr Kommentare zurückschreiben, versuchen, das ein oder andere Stöckchen anzunehmen und am ein oder anderern Blogroll teilzunehmen, um auch mri selber wieder das Gefühl zu geben, dass das hier nicht nur ein mäßig spannendes Tagebuch meiner Lesefortschritte wird ;-)

Also, um es kurz zu machen: alles bleibt beim Alten und auch irgendwie nicht. Ich freu mich drauf!

Mittwoch, 5. Juli 2017

[Rezensionsexemplar] Monica Sweeney - Kannst du gähnen wie Hyänen

Es ist Abend geworden und die kleinen Tierkinder überall auf der Welt werden langsam müde. Die Augen werden schwer, die Mäuler öffnen sich und es wird tief und herzhaft gegähnt. Kannst du das auch?

Mit diesem Rezensionsexemplar habe ich in die Zukunft invesitert. Im Moment ist das Baby an Büchern nur dahingehend interessiert, wenn sie kaubar sind. Ein paar Monate noch, und unser abendliches Einschlafritual soll aber nicht nur Fühlbücher beinhalten, sondern richtige Bücher zum Vorlesen. Und da ist dieses hier ein echter Schatz.

Das Buch ist entwickelt worden zusammen mit Lauren Yelvinton, einer Schlafberaterin. Wer hier jetzt ein Werk des Ferberschen Schlaftrainings vermutet, kann aber beruhigt sein, damit hat es nichts zu tun. Stattdessen nutzt es Erkenntnisse darüber, wie Kinder sanft in den Schlaf begleitet werden können und stellt am Anfang eine kleine Anleitung zur Verfügung, wie abendliches Vorlesen als Einschlafritual genutzt werden kann.
Als ich das Buch für diese Rezension für mich selbst gelesen habe, habe ich bereits gemerkt, wie es wirkt. Tatsächlich ist das ritualisierte "Kannst du gähnen wie ..." am Ende jeder Doppelseite sehr verleitend und man merkt gradezu, wie man müde wird. Für ungeübte Vorleser ist es vielleicht auch hilfreich, dass die Kernwörter "gähnen" und "gähnt" immer fett gedruckt sind, sodass man sie bewusst betonen kann. Jedes Tierkind hat ein ihm eigenes Gähnen und das Kind wird am Ende der Seite eingeladen, es zu wiederholen und sich zu strecken und zu räkeln. Zur Wohlfühatmosphäre tragen auch die Illustratonen von Laura Watkins bei, die zwar detailliert sind, aber nicht zu aufgeregt. Sie laden zum Träumen und Schauen ein und so wie ich das Baby kenne, wird ihm das später am besten gefallen.

Also ja, ich bin wieder einmal begeistert vom Kösel-Verlag und freue mich richtig drauf, dieses Buch später vorlesen zu dürfen.

[Rezensionsexemplar] Jean-Christophe Rufin - Pilgern für Skeptiker

„Als ich nach Santiago de Compostela aufbrach, habe ich nichts gesucht – und ich habe es gefunden.“ – Eigentlich wollte der Arzt und Goncourt-Preisträger Jean-Christophe Rufin „nur“ wandern auf diesem seit Jahrhunderten bedeutenden Weg und sieht ihn anfangs eher als sportliche Herausforderung. Doch unterwegs auf den 900 Kilometern des Camino del Norte kann sich auch der Skeptiker der Alchemie des „ewigen Weges“ nicht entziehen ...

Ich hatte ja wirklich Lust auf dieses Buch, nachdem mein Vater ähnlich wie Rufin letztes Jahr "einfach mal so" den Jakobsweg gelaufen ist. Gerade die Aussicht, es beim Autor nicht mit einem Pilger oder einem Selbsterfahrungs-Verfechter zu tun zu haben, versprach mir einen guten Blickwinkel und ich bin sicher, den könnte dieses Buch auch einem Leser vermitteln, wenn da nicht dieserfurchtbare Stil wäre. Ist es die Übersetzung? Ist es Rufins ihm eigner Erzählstil (über den ich bislang nichts weiß und über den ich nach dieser Lektüre auch erst einmal nicht geneigt bin, etwas herauszufinden)? Wora auch immer es lag, aber ich hatte bei dem Buch das Gefühl, die Qual eines jeden Schrittes dadurch nachvollziehen zu müssen, dass der Autor gewollt kluge Bonmots der Philosophie aneinander reiht. Die Lektüre ist so ein bisschen, wie sich mit Intellektuelle zu unterhalten, die bei einem Witz die Augen schließen und sagen "wie köstlich" dieser doch gewesen sei. Es kommt kein wirkliches Feeling auf, keine Herzlichkeit, kein Mitnehmen des Lesers. Man merkt ein wenig, dass Rufin während des Weges keine Notizen gemacht hat, sodass statt anekdotischer Betrachtungen einzig und allein die philosophische Auseinandersetzung mit de Weg an und in sich stattfindet. Dafür muss man als Leser geschaffen sein und ich bin ehrlich, ich bin es nicht. Was mich bei der Stange gehalten hat, war einzig, dass es relativ kurz war und ich es so auf mehreren Zugfahrten lesen konnte, aber wirklich gefallen hat es mir nicht.

[Rezensionsexemplar] Meike Dannenberg - Blumenkinder

In Lüneburg wird die Leiche eines 12-jährigen Mädchens gefunden: wie aufgebahrt liegt sie da, scheinbar friedlich, mit Blumen umkränzt. BKA-Sonderermittlerin Nora Klerner und Profiler Johan Helms unterstützen die Kripo vor Ort bei den Ermittlungen, denn es gibt Parallelen zu einem Mordfall in Tschechien. Auch die Aktivitäten einer obskuren Hippie-Gruppe haben Nora und Johan im Visier. Nora ist sich sicher, dass der Täter aus dem Umfeld des dubiosen Kollektivs stammt. Als ein weiteres Mädchen verschwindet, wird Nora wegen eigenmächtiger Aktionen vom Fall abgezogen. Doch sie ermittelt auf eigene Faust weiter. Denn sie weiß, wenn sie nicht schnell handelt, wird wieder ein »Blumenkind« sterben ...

Dass ich dieses Rezensionsexemplar bekommen habe, fand ich wirklich toll, weil mir der Klappentext sehr gefallen hat. Als ich dann noch herausgefunden habe, dass es zur Abwechslung mal wirklich der erste Band einer Serie ist, den ich als erstes lesen werde, war ich natürlich noch gespannter. Und gleich vorneweg: die absolut große Stärke dieses Buchs liegt darin, dass die Figuren sich nicht wie in einem Erstling verhalten. Ich habe ein paarmal nachgeschaut, ob das wirklich Band 1 ist, weil sie sich so eingespielt verhalten und man nicht jedes sie bewegende Detail auf dem Silbertablett serviert bekommt. Stattdessen gibt es Gedanken und Andeutungen zur Vergangenheit, die neugierig machen, eine frühere Zusmmenarbeit wird erwähnt, aber nicht weiter aufgegriffen - der Leser wird also reingeschmssen in einen neuen Kosmo, statt vorsichtig an der Hand genommen zu werden. Das gefällt mir total, endlich mal eine Neuerung zu den üblichen Schritten.

Überhaupt ist die Figurenzeichnung sehr gelungen. Auch wenn sie in gewisser Weise wieder die üblichen Klischees - der einsame Wolf, der nerdige Psychoheini - bedienen, wirken Nora und Johan glaubwürdig. Das sind Charaktere, vor allem Johan mag ich wirklich sehr und habe mit seiner Entschiedungsunfreudigkeit mitgelitten. Noras dunkles Geheimnis möchte ich unbedingt weiter erforschen, Band 2 hat also mit Sicherheit einen Leser allein dafür gewonnen. Auch die Dynamik zwischen den Hauptfiguren und den Polizisten vor Ort fand ich gut, das waren - mit einer Ausnahme, nmlich dem Chef der örtlichen Polizei - wirklich gut aufgebaute Spannungen und Enwicklungen, die sehr realitätsnah waren. Überhaupt war das Buch mehrheitlich sehr dicht am Polizeialltag dran und kein überkandidelter Thriller. Im Fokus steht viel, viel Ermittlngsarbeit mit Besuchen bei Leuten, denen man zuhören muss, und der Leser liest natürlich besonders aufmerksam, in der Hoffnung, einen Hinweis zusehen, der ihn bereits auf die Spur des Täters führt, sodass er am Ende sagen kann "Hab ich es doch gewusst!"

Ja, das Ende. Das ist es dann, was meine Begeisterung eher abbremst. Da wird urplötzlich ein Täter und ein Motiv aus dem Hut gezaubert und ähnlich wie bei Agatha Christie hatte ich als Leser keine einzige Chance, auf diese Idee zu kommen, weil mir die Informationen dazu schlicht vorenthalten werden. Dass dann natürlich noch der obligatorische Alleingang im obligatorischen Show-down enden muss, war mir leider zu durchschnittlich für das, was die Autorin in ihrem Erstling versprochen hat. Es war ein bisschen, als hätte ihr der Mut gefehlt, weiter in der Schiene zu bleiben, mal über den üblichen Krimitellerrand hinaus zu schauen, stattdessen muss dann etwas Spektakuläres kommen. Diese Auflösung hat mich wirklich ein wenig geärgert, aber nicht so sehr, dass ich nicht sagen könnte, dass hier ein wirklich guter Erstling vorliegt, der Lust auf mehr macht.

Freitag, 23. Juni 2017

[Blogparade] #Geheimtipps


Schon vor einiger Zeit bin ich bei Weltenwanderer auf die Aufforderung zu dieser Blogparade gestoßen und endlich, endlich komme ich dazu, einen Beitrag zu verfassen. Wer sich auf ihrem Blog noch nciht umgeschaut hat, sollte das auf jeden Fall tun, denn ihre Liste mit Geheimtipps hat meine Leseliste schon um einiger verlängert. Und jetzt liegt es an mir, euch ein paar Bücher ans Herz zu legen. Bücher, die irgendwie untergehen, weil es viel zu viele in den Buchhandlungen gibt. Bücher, die man manches Mal sogar kauft und dann völlig vergisst, weil sie eben nicht "Hallo, ich bin ein Bestseller, lies mich, los, mach schon" schreien.

Also bin ich in mich gegangen, habe meine Leselisten durchsucht, meine Erinnerungen vom Staub befreit, und bin bei einigen Highlights gelandet, die ich zum Teil noch nicht einmal rezensiert habe bisher. Um die Liste nicht vllig ausufern zu lassen, beschränke ich mich mal auf jeweils ein Highlight aus verschiedenen Genres.

1. "Baba Dunjas letzte Liebe" von Alina Bronsky (Gegenwartsliteratur)

Baba Dunja ist eine Tschernobyl-Heimkehrerin. Wo der Rest der Welt nach dem Reaktorunglück die strahlenden Waldfrüchte fürchtet, baut sie sich mit Gleichgesinnten ein neues Leben auf. Mitten im Niemandsland, wo die Vögel so laut rufen wie nirgends sonst und manchmal ein Toter auf einen Plausch vorbeikommt. Während der sterbenskranke Petrov in der Hängematte Liebesgedichte liest und die Melkerin Marja mit dem fast hundertjährigen Sidorow anbandelt, schreibt Baba Dunja Briefe nach Deutschland, an ihre Tochter. Doch dann kommen Fremde ins Dorf – und die Gemeinschaft steht erneut vor der Auflösung..

Warum ich es jedem ans Herz lege? Weil es eine wunderbare kleine Geschichte ist, die so alltägliche Menschen schildert, auch wenn ihre Lebensumstände gar nicht alltäglich sind. Es geht um die Suche nach Liebe, umd die Hoffnung auf ein bessres Leben, und den Umgang mit Enttäuschungen auf dieser Lebensspur. Und immer wieder einfach nur um Heimat, was auch immer das für den einzelen bedeutet. Ich habe mich beim Lesen letztes Jahr sofort verloren in dieser Geschichte und Bronsky ist eine gute Erzählerin, deren Figuren immer glaubhaft bleiben.


2. "Potilla" von Cornelia Funke (Kinder- und Jugendbuch)

 Arthur traut seinen Augen nicht! In dem schmutzigen Bündel, das er im Wald gefunden hat, steckt eine kleine Feenkönigin! Sie heißt Potilla und ist in großen Schwierigkeiten: Ein grausiges Wesen hat das Feenvolk überfallen und die wichtigen Feenmützen geraubt, nun ist Potillas Rückkehr in ihr Reich gefährdet. Arthur und seine Freundin Esther wollen helfen, doch die fiesen Zwillinge "B&B" durchkreuzen ihre Pläne. Eine fantastische Reise in die "Anderswelt" zu einem magischen Turm beginnt. Die Kinder begegnen sprechenden Tieren, einem zappeligen Finsterling, sehen in den Schlund der Ewigkeit und treffen den unheimlichen Mützendieb ...

Funke kennt man ja nun wirklich. Aber irgendwie geht "Potilla" in ihrem Gesamtwerk immer unter, was wahnsinnig schade ist. Dieses Buch at nicht nur eine spannende Geschichte und tolle Illustrationen, sondern ist einfach nur irrsinnig witzig. Was vor allem daran liegt, dass Potilla alles andere als eine liebenswerte Märchenfee ist. Sie ist besserwisserisch, hochnäsig und irgendwie wird man das Gefühl nicht los, dass diese Socke, in die sie gesteckt wurde, ein klein wenig verdient ist. Der arme Arthur hat unter ihr ganz schön zu leiden anfangs, und auch das fnde ich gut: endlich mal ein männlicher Protagonist im Kinderbuch, der nicht der Held ist, sondern auf die Hilfe seiner Feundin angewiesen ist. Aber für mich als Kind war vor allem wichtig, dass ich bei diesem Buch immer wieder herzhaft lachen konnte.

 3. "Aya" von Marguerite Abouet und Clément Ouberie (Comic und Graphic Novel)

Ende der 1970er-Jahre: In der ivorischen Metropole Abidjan leben Aya und ihre zwei Freundinnen Adjoua und Bintou. Aya ist 19 Jahre alt, das Alter, in dem alles erreichbar scheint – vielleicht sogar ein Medizinstudium gegen den Willen des Vaters, der seine Tochter lieber heute als morgen verheiratet sähe. Während Aya von einer Zukunft als Ärztin träumt, schlagen sich Adjoua und Bintou die Nächte in den örtlichen Tanzbars um die Ohren und rauben ihrer Freundin mit ihren chaotischen Liebschaften den letzten Nerv…

Ich bin nur zufällig über dieses Buch gestolpert letztes Jahr und war wirklich begeistert. as Buch ist weit entfernt von Afrika-Klischees, sondern zeichnet ein sehr realistisches Bild der Elfenbeinküste. Es werden einige heiße Eisen angepackt, andererseits aber auch mit Humor die Unterschiede zwischen Elfenbeinküste und Frankreich aufgezeigt. Immer wieder gibt es großflächige Panels, in denen wie bei Wimmelbildern so viel zu entdecken ist, dass man die Bilder nach dem Lesen noch einmal aufsucht. Und was mir gefallen hat, ist die Detailgenauigkeit, die zum Teil in den Bildern herrscht!

4) "Witwe im Wahn" von Oliver Hilmes (Biographie)

Die Reihe ihrer Liebhaber liest sich wie ein „Who is who“ der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts. Wer war die Frau, die mit Gustav Mahler, mit Walter Gropius und Franz Werfel verheiratet war, die eine wilde Liebesaffäre mit Oskar Kokoschka hatte und der Gerhart Hauptmann zu Füßen lag? Oliver Hilmes zeichnet in seiner umfassenden Biografie, die sich auf bisher noch nicht ausgewertete Briefe und Tagebücher stützt, das facettenreiche Bild einer Frau, die hysterisch, antisemitisch, herrschsüchtig war – aber auch inspirierend, klug und leidenschaftlich ...

Oliver Hilmes schreibt großartige Bioraphien. Das hier war die erste, die er veröffentlicht hat, und sie beinhaltet alles, was man als Leser will: Liebe, Lust und Leidenschaft. Alma MahlerWerfel war eine völlig verrückte Frau, die sich zur Aufgabe gemacht hat, die Muse ihrer Männer zu sein, ob sie wollen oder nicht. Ich bin immer noch völlig gefesselt von den vielen Facetten dieser Frau und emfehle diese Biographie immer uneingeschränkt jedem Leser :-)

Soweit also von mir. Ich geh dann am Wochenende mal stöbern, was ich bei den anderen Teilnehmern dieser Blogparade so finde. Falls ihr hier Lust auf eins der Bücher bekommen habt, freue ich mich riesig :-)





[Rezensionsexemplar] Kristina Ohlsson - Schwesterherz

Staatsanwalt Martin Benner will Bobby Tell eigentlich schnellstmöglich wieder loswerden: Dieser ungepflegte, nach Zigaretten stinkende Kerl wirkt erst mal wenig vertrauenswürdig. Sein Anliegen ist nicht weniger prekär: Tells Schwester Sara – eine geständige fünffache Mörderin, die sich noch vor der Verfahrenseröffnung das Leben nahm – soll unschuldig gewesen sein, und Benner soll nun posthum einen Freispruch erwirken. Vor Gericht hätte die Beweislage damals nicht mal ausgereicht, um Sara zu verurteilen, doch unbegreiflicherweise legte sie ein umfassendes Geständnis ab und konnte sogar die Verstecke der Tatwaffen präzise benennen. Benners Neugier ist geweckt, und er nimmt das Mandat an …

Mal wieder habe ich geräubert beim bloggerportal und bin fündig geworden bei Kristina Ohlsson. Ich wollte einen schwedischen Krimi, der aber nicht so fürchterlich dramatisierend ist, also dachte ich, ich schau mal in ihre neue Serie rein (also um genau zu sein, es sind nur zwei Teile ;-) ) und lasse mich unterhalten. Und ich muss sagen: Ich habe schon lange kein Buch mehr gelesen, das mich tatsächlich so zwiespältige Gefühle beim Lesen hat erleben lassen.

Erst einmal zur Story. Die Handlung ist gut, reißt mich mit und es gibt schöne falsche Fährten. Von Anfang an will man wissen, was es mit dieser seltsamen Geschichte auf sich hat. Das liegt mit Sicehrheit auch an der eher unkonventionellen Weise, mit der Ohlsson zum Teil erzählt. Das Buch beginnt erst einmal mit einem Dialog wie im Drehbuch, bevor es in Martins Ich-Perspektive wechselt. Spannend, weil man auf diese Weise direkt reingeworfen wird in eine Handlung, die man nicht vorhersehen kann. Allerdings muss ich auch sagen, dass die Handlung an sich schon extrem an den Haaren herbeigezogen ist, das ganze hat eher was von USA als Schweden, wenn ihr wisst, was ich meine. Aber dennoch unterhält die Idee und macht Spaß beim Lesen, man sollte nur nicht unebdingt alles hinterfragen. Klassische "Kopf aus, Unterhaltung an"-Lektüre eben.

Ebenso unkonventionell finde ich Ohlssons Entscheidung für den Protagonisten. Und der hat es mir im Laufe des Buchs echt nicht leicht gemacht.

Martin Brenner ist ein arroganter, selbstverliebter Oberarsch. Anders kann man es nicht sagen. Der Kerl steht in so einem Widerspruch zu allem, was man eigentlich erwartet von der Hauptfigur eines "finde den wahren Täter und stochere im Trüben"-Krimis. Und gleichzeitig ein liebevoller Vater. Einerseits will man ihm ständig eine runterhauen für seine Oberflächlichkeit, andererseits schafft man es aber nicht, von ihm loszukommen. Er hat was, und ich muss gestehen ich finde ihn als Figur deutlich interessanter als die Charaktere in Ohlssons anderer Serie um Friederike Bermann. Brenner ist ein echter Typ, jemand, den ich zwar nicht mag, dem ich aber trotzdem Begleiter sein will. Das muss man als Autor wirklich erst einmal schaffen.

Kann ich das Buch empfehlen? Mit Abstrichen ja. Es ist keine High-Class-Literatur und auch nicht der hochspannendste Krimi aller Zeiten. Aber er ist unkonventionell und macht dadurch sehr viel Vergnügen im Einheitsbrei aus Schweden. Ich will auf jeden Fall den zweiten Teil lesen, weil sie leider mit einem Cliffhanger endet, den man zu Ende gebracht wissen will :-D