Mittwoch, 2. August 2017

[Thoughts on books] Christina Henry - Lost Boy

There is one version of my story that everyone knows. And then there is the truth. Once I loved a boy called Peter Pan. Peter brought me to his island because there were no rules and no grownups to make us mind. He brought boys from the Other Place to join in the fun, but Peter's idea of fun is sharper than a pirate's sword. He wants always to be that shining sun that we all revolve around. He'll do anything to be that sun. Peter promised we would all be young and happy forever. Peter will say I'm a villain, that I wronged him, that I never was his friend. Peter Lies ...

As a child I never really was affeted by Peter Pan. I knew the Disney movie thanks to a "book to the film", I watched and loved very much Steven Spielberg's "Hook" and Iwas familiar with the key points of the story. When I was older I learned about the story behind "Peter Pan" and was interested in that psychological Peter Pan phenomen, but I was about 26 when I read the real "Peter Pan" by J.M.Barrie for the first time. Or rather, I read a "children version" shortening out a few things from the original volume. And I have to confess: I did not really like it. I didn't get that Peter, he was no hero for me but a very annoying and rather stupid boy of whom I often silently thought: "Oh come on, grow up!" Ummm, yes, point taken ...A few years ago I bought in a bargain store "The Child Thief" because it looked interesting and I was fascinated when I read in the foreword that it was a variation of "Peter Pan" based on the few sentences that would be most often cut of the children volumes. The sentences dealing ith the fact that Peter, the cutie, would find ways to get rid of Lost Boys now and then. Since then I became more and more fascinated by that fact and I have to say, if there is a fantasy genre I really enjoy it is what I call "dark Peter stories". And so it was not a big surprise that I bought this book when I found it at the local bookstore :-)

The story is told from the view of Jamie, one of Peters oldest and best friends in Neverland. It is a very easy read, Jamie is not a friend of huge words or long sentences but a rather straight forward character. I was a bit irritated in the beginning by the flashbacks coming up now and then because here the narrator's voice all of a sudden and unexpectadly changes. But more than the general story I really loved how he and Peter - actually the only really developed characters in the novel - are presented.

Jamie had been so long on the island that he hardly remembers how much time has passed and he just sees it in the number of boys being replaced now and then, and the amount of pirates he has killed over the years. But all of a sudden this idyllic life changes when Jamie develops a feeling of responsibility towards the Lost Boys, especialle five year old Charlie who was among the last boys jining Peter on his life of adventures. And Peter doesn't like that at all, you can say. The more Jamie finds himself in the role of a parent, the more Peter becomes cruel. A very subtle cruelity in the beginning, and believe me, as a mother it was very hard reading the first chapters while your own baby sleeps right next to you. It is obvious that there is more behind Peter than he shows the Lost Boys, and Jamie who starts also grow up physically and not just emotionally seems to be the only one who is able to see that. But, and here I am quite happy, Christina Henry doesn't portray Peter just as the cruel child thief as Brom in his really great novel does. This Peter here is actually suffering from the fact that he never can do what Jamie is doing: growing up. Peter tries everything to make things stay as they are, he is desperate about not losing his best friend who bit by bit grows out of this whole "eternal adventure and fun" thing. This cruelity is based on the desperation of a five year old, and even when my baby is still too young I am already aware of the time he will also show from time to time this behaviour when he finds out that there are things in life he can't change or he has to accept. That growing age gap between Peter and Jamie is the base in the book and the main reason why I woudl recommend it. Besides, it is really, really good ;-)

[Rezensionsexemplar] Ingar Johnsrud - Der Hirte

Die Tochter der einflussreichen Politikerin Kari Lise Wetre wird vermisst – ein Routinefall für Hauptkommissar Fredrik Beier. Doch kurz darauf wird Beier nach Solro beordert, einem alten Hof vor den Toren Oslos. Fünf Männer wurden auf dem Sitz der christlichen Sekte »Gottes Licht« grausam abgeschlachtet. Das Gelände des Hofs ist ausgestattet wie ein Hochsicherheitstrakt, und im Keller des Gebäudes stoßen die Ermittler auf ein Labor, das auf monströse Experimente hinweist. Von den restlichen Mitgliedern der Sekte fehlt jede Spur, unter ihnen die vermisste Annette Wetre ...

Hach, das klang doh mal nach einem ganz spannenden Fall, den ich mir das als Rezensionsexemplar geholt habe. Und ich gestehe, ich werde mir die zwei geplanten Folgebände auch noch holen. Allerdings nur aus dem Grund, dass ich wissen will, wer tatsächlich hinter diesem ganzen Chaos steckt, denn so wirklich gepackt hat mich dieses Buch nicht. Dass dem so war, liegt an einer ganzen Reihe von Gründen.

Zuerst einmal ist auch Johnsrud einzureihen in die Reihe der skandinavischen Autoren, die alles daran setzen, einen Kurt Wallander wie den farbenfrohen Einhornkönig der Glückseligkeit wirken zu lassen. So hinkt Fredrik Beier heldenhaft durch sein trostloses Leben, in dem er gelegentlich die Exfrau vögelt, und die Karriere auf einem Abstellgleis festhängt. Darüber hinaus ist Beier ein echter Übermensch, der effektiv alles überlebt. Schüsse, Explosionen, erneute Schüsse - Beier ist quasi ein Dauerinvalider, der  sich allein in diesem Buch zweimal im Krankenhaus wiederfindet, um seine Verletzungen auszukurieren, und dort aber natürlich auch nur ermittelt. Und bereits ohne sämtliche Verstrickungen zu kennen, kann man schließen, dass die norwegische Politik vermutlich noch korrupter und verlogener ist, als es ein Stig Larsson hätte zeigen können. Keine der Figuren ist mir wirklich sympathisch, sie sind viel zu sehr Schablonen, mit denen die Schlechtigkeit Norwegens dargestellt wir, und das ging mir beim Lesen manchmal schon sehr auf den Senkel, weil ich sehr genau hätte sagen können, was die Person gleich tun wird oder nicht tun wird.

Der zweite große Kritikpunkt ist, dass Johnsrud in dieses Buch einfach alles an Problemen und Konfliktstoff bastelt, was der Thrillermarkt nur hergibt. Eigentlich würden die Sektenmitglieder doch schon reichen, aber damit man drei Bände füllen kann, braucht man anscheinend a) eine düstere Vergangenheitsgeschichte, in dem Fall nationalsozialistische Experimente zur Rasseforschung, und b) eine Verbindung dieser Vergangenheit mit der Politik der Gegenwart, was in ständigen düsteren Andeutung gipfelt, die für mich als Leser allerdings glasklar sind, weil ich durch die Rückblenden bereits mehr weiß als der Kommissar.

Ebenfalls in wenig angenervt war ich von der Komposition des Buches, dessen Kapitellängen so extrem wechseln. Eine Seite, dann wieder fünf, dann zehn, dann knapp eine, dazu wird immer so abrupt gewechselt zwischen den Szenerien und nur ganz am Ende gelang es mal, eine Art Überblendung herzustellen, die mich als Leser in der Geschichte mitträgt.

Insgesamt kann ich also sagen: hmmmm. Es ist temporeich und man will wissen, wer jetzt die dreckigsten Finger hat im Spiel, aber die Machart hat mich nicht wirklich bei der Stange gehalten und ich habe es abends immer nur zur Hand genommen, wenn ich gestillt habe und Ablenkung brauchte, bis das Baby eingeschlafen war. Wenn das für einen Bestseller reicht, dann okay, aber ich würde jetzt nicht jedem sofort das Buch in die Hand drücken.

Sonntag, 16. Juli 2017

[Rezensionsexemplar] Jens Andersen - Astrid Lindgren. Ihr Leben

Vor siebzig Jahren begann Astrid Lindgrens außerordentliche Karriere als Schriftstellerin. Auf Pippi Langstrumpf folgten Bücher, die die Kinderliteratur revolutionierten – und ihre Autorin schon zu Lebzeiten zu einer Legende werden ließen. 2002 verstarb Lindgren 94-jährig; man kannte sie als engagierte Frau, die für Frieden, Gerechtigkeit und die Rechte von Kindern eintrat. Jens Andersen erzählt in seiner preisgekrönten Biografie „ihr Werk und Leben erschreckend neu“ (SZ) ...

Wenn ich einen Autor nennen müsste, der mich als Leser geprägt hat, dann würde ich unweigerlich bei Astrid Lindgren landen. Meine ersten Leseerinnerungen sind von ihren Büchern geprägt, bis heute weiß ich noch, wie ich mich mit sechs Jahren gefühlt habe, als wir im Urlaub tatsächlich Bullerbü besucht haben, und ich versuche gerade, mir die komplette Astrid-Lindgren-Edition zusammenzukaufen, weil ich sie gerne an meine Kinder weitergeben will. Und klar, irgendwie hatte ich im Hinterkopf, dass Astrid Lindgren nicht nur als Autorin ziemlich wichtig war, aber ich habe mich nie wirklich mit ihrem Leben beschäftigt.Das sollte dank des bloggerportals anders werden, als ich mir diese Biographie als Rezensionsexemplar habe schicken lassne.

Zuerst einmal war ich ein wenig enttäuscht, denn wer erwartet, hier einen chronologischen Text beginnend bei der Geburt und endend beim Tod vorzufinden, wird immer wieder ein wenig enttäuscht. Klar, im groben hangelt sich Andersen an Astrid Lindgrens Lebensweg entlang, aber er lässt auch immer wieder sehr viele Jahre aus, springt gelegentlich nach vorne und hinten, aber je länger ich gelesen habe, desto weniger wichtig wurde das für mich. Das liegt daran, dass Astrid Lindgren an sich schon ein sehr spannendes Leben hat, es Andersen aber gelingt, den Leser mit sehr vielen Quellen in dieses Leben zu werfen und auch unbekannte Seiten der Autorin zu zeigen.

Die erste, für mich eher unbekannte Seite, ist die des Arbeitstiers. Astrid Lindgren hat mich hier sehr stark an Enid Blyton erinnert, die Königin des disziplinierten Serienschreibens, aber bei Lindgren ist es eher die unendliche Vielfalt an verschiedenen Berufen, die sie gleichzeitig managt. Vormittags am Roman arbeiten, dann in den Verlag, wo sie bis zu ihrer Pensionierung als Lektorin arbeitet, zwischendrin noch Briefe beantworten und Auftragsarbeiten für Zeitschriften oder Rundfunk erledigen - diese Frau war bewundernswert diszipliniert, glaube ich. Dass sie nach ihrer Pensionierung nicht ruhen konnte, sondern sich mehr und mehr politisch engagierte und sehr engagiert für Kinderrechte und Tierschutz eintrat, überrascht da eigentlich nicht.
Sehr viel mehr Raum nimmt im Buch aber die Schilderung einer Seite von Astrid Lindgren ein, die man so gar nicht kennt: die der einsamen Astrid Lindgren. Wobei "einsam" nicht "allein und verlassen" bedeutet, sondern eher ein selbstgewähltes Refugium, einen Rückzugsort, den sie braucht, um für sich selbst mit vielen Dingen abschließen zu können. Zeit ihres Lebens ist sie, die so vehement für Kinder spricht, von dm schlechten Gewissen geplagt, die ersten fünf Lebensjahre ihres Sohns Lasse nicht erlebt zu haben, ihn fünf Jahre gefühlt im Stich gelassen zu haben. Denn als Lasse zur Welt kommt, ist Astrid 19, unverheiratet und der Vater deutlich älter und immer noch mit seiner zweiten Frau verheiratet. Deshalb lebt Lasse fünf Jahre lang erst bei Pflegeeltern in Dänemark, dann schließlich bei Astrid Eltern auf Näs, dem Hof von Astrids Kindheit. Wenn man diese Kapitel liest und dabei grade den eigenen kleinen Wurm stillt, wird einem wirklich anders, und ich kann sie nur bewundern für die Stärke, die sie hatte, diese Zeit durchgehalten zu haben. Ich hätte es ganz gut gefunden, wenn man auch ein wenig Lasses Sicht auf diesen Lebensbeginn erfahren hätte, aber der hat sich zeit seines Lebens sehr zurückgehalten und ist leider auch relativ jung verstorben. Astrid Lindgren hält ihr Leben lang an einigen wenigen wichtigen Freunden fest, mit denen sie rege Briefwechsel führt, und ihre Tagebücher geben immer wieder auch Hinweis darauf, dass sich in ihr ein sehr melancholischer Mensch versteckt, für den Einsamkeit und Alleine-Sein keine Strafe ist, sondern das Ziel, das es zu erreichen gilt. Dieser sehr andere Blick auf eine Frau, die immer in der Öffentlichkeit stand, war wahnsinnig faszinierend.

Das Buch ist angereichert mit vielen sehr genau eingeordneten Bildern, am Ende dann noch einmal eine detaillierte Liste von Astrid Lindgrens deutschen Veröffentlichungen. Für mich eine sehr gelunge Biographie, die Spaß macht zu lesen. Eine absolute Empfehlung und ich muss nochmal danke sagen, dass ich das Buch bekommen habe ;-)

Montag, 10. Juli 2017

[Thoughts on books] Fiona Barton - The Child

When journalist Kate Waters finds the paragraph in an evening newspaper that the long buried body of a baby was discovered at a construction side it seems to be the story to get her career back on track. Quickly she finds some people who lived in those houses and also a hint who the baby could have been. Forty years ago, newborn Alice was kidnapped from the hospital and since then her mother Angela desperately wants to find her. But the story will uncover much more than it seems on the first look ...

I must admit that I am not a huge fan of the book, though I really enjoyed reading it. It is a nice psychological study rather than a thriller, and Fiona Barton has a very enjoyable style of writing. The words flow like a long, quiet river and I liked the three perspectives from which the story is being told. Kate is not a hard-boiled investigative reporter but nevertheless has her ways to find out things and clearly knows how to handle a situation to get what she wants. She is likeable and still sometimes you have to frown about her actions. Unfortunately the other two woman are not described with half as much detail. For Angela I would have wanted to read much more about her reactions on the discoveries. I also would have liked to look back on the happenings around Alice's kidnapping instead of being told about it from today's perspective. The same is true for Emma who I find not well characterized. Until the very end I had problems to imagine how old she actually was, somehow I couldn't follow up the timeline which is just shown in short mentions in an interview.

This was, in general, the weakest point of the book. Instead of really showing me incidents Barton just let people talk about them. To me as a reader it didn't help to find a real connection to the people, as I said especially Emma was even in the end a faint and distant character and I couldn't develop any image of her. This "keeping the reader in one time" is also the reason why I figured out the end-twist quite early. The book offers a few very nice plot twists, but since it is told in a rather straight forward manner it was easy to come up with the only possible solution, which I just couldn't believe to be true because, as I said, I had some problems to imagine the age of some of the people.

All in all, I would not tell you to leave the book on the shelf. You can read it an enjoy a few nice hours. But probably just wait for the paperback edition or until you find it in your local library. :-)

[In eigener Sache] Ein paar Neuerungen tun immer gut

Hach ja, da ist man mal ein paar Monate zwangsweise nicht wirklich in der Lage, zu lesen, und dann macht man sich eben seine Gedanken. Man ist ja in dem Alter, in dem ein Mädchen das macht. In dem man sich fragt, ob so ein Blog überhaupt noch eine Daseinsberechtigung hat, einen Sinn erfüllt oder ganz allgemein ob man selbst noch will und wenn ja, wie man das macht. Nach langem Überlegen war klar, dass ich den Blog sicher nicht aufgeben will, irgendwann wrd schon wieder die Zeit der dreistelligen Bücherzahl auf der jährliche Leseliste kommen. Aber ich würde einfach gern ein paar Sachen ändern, in gewisser Weise professioneller angehen oder auch ein wenig schöner betreiben. Und da sind mir dann doch zwei, drei Sachen eingefallen.

Schaut mal in mein Seitenverzeichnis ... nein, nicht da ... mehr links ... na, gefunden? Ich habe einen neuen Reiter, der eine Sache ankündigt, über die ich schon seit längerem nachdenke. Es dürfte inzwischen angekommen sein, dass ich im Ausland heimisch geworden bin. Und dadurch hat sich mein Leseverhalte auch ein wenig geändert, ich lande mehr und mehr bei Büchern, deren Originalsprache Englisch ist und die ich dann auch im Original lese. Nicht, weil ich mich so wahnsinnig toll dabei fühle, sondern weil die Bibliotheken hier mit deutschsprachiger Literatur eher mickrig bestückt sind. Allerdings dachte ich, ich kann das ja auch mal nutzen, um meinen Blog ein wenig internationaler zu machen. Also jetzt nicht so wahnsinnig international, aber zumindest werde ich ab jetzt die Bücher, die ich auf Englisch gelesen habe, auch auf Englisch zu rezensieren.Die erste geht dann auch gleich online, ich bin gespannt, ob es Anklang findet. Und vor allem, wie ich selbst mich dabei schlage :-D

Die nächste Ankündigung ist eher eine Reaktivierung. Jawohl, Ponines Bücher-ABC lebt wieder. Allerdings nicht jede Woche und nicht alphabetisch. Das Bücher-ABC ist eher meine kleine Spielwiese, in der ich schreiben kann, wenn ich will und worüber ich will, solange es buchrelevant ist. Ich stöbere wirklich gerne in anderen Blogs und finde es fantastisch, wie sich deren Autoren die Zeit nehmen, wirkliche Artikel zu verfassen. Und daran will ich mich mehr und mehr versuchen. Nicht, dass meine Reichweite dafür ausreichen würde, wirklich weltbewegend zu werden, aber hey, Versuch macht klug und so.

Und drittens und letzten werde ich im Laufe der nächsten Wochen dann doch mal versuchen, einen echten Instagram-Account für den Blog zu erschaffen, sodass ich ein wenig mehr Werbung für meine Beiträge machen kann. Oder für anderes. Keine Ahnung. Aber da mein dereitiger Account in erster Linie ein privater ist, der auch privat gestellt ist, ist es vielleicht doch ganz gut, noch ein kleines Standbein zu haben. Und vielleicht auch fremdsprachige Leser gelegentlich hierher zu bringen. Wer weiß das schon ;-) Das Ganze möchte ich auch koppeln an mehr Arbei mit anderen Bloggern und Lesern, also deutlich mehr Kommentare zurückschreiben, versuchen, das ein oder andere Stöckchen anzunehmen und am ein oder anderern Blogroll teilzunehmen, um auch mri selber wieder das Gefühl zu geben, dass das hier nicht nur ein mäßig spannendes Tagebuch meiner Lesefortschritte wird ;-)

Also, um es kurz zu machen: alles bleibt beim Alten und auch irgendwie nicht. Ich freu mich drauf!

Mittwoch, 5. Juli 2017

[Rezensionsexemplar] Monica Sweeney - Kannst du gähnen wie Hyänen

Es ist Abend geworden und die kleinen Tierkinder überall auf der Welt werden langsam müde. Die Augen werden schwer, die Mäuler öffnen sich und es wird tief und herzhaft gegähnt. Kannst du das auch?

Mit diesem Rezensionsexemplar habe ich in die Zukunft invesitert. Im Moment ist das Baby an Büchern nur dahingehend interessiert, wenn sie kaubar sind. Ein paar Monate noch, und unser abendliches Einschlafritual soll aber nicht nur Fühlbücher beinhalten, sondern richtige Bücher zum Vorlesen. Und da ist dieses hier ein echter Schatz.

Das Buch ist entwickelt worden zusammen mit Lauren Yelvinton, einer Schlafberaterin. Wer hier jetzt ein Werk des Ferberschen Schlaftrainings vermutet, kann aber beruhigt sein, damit hat es nichts zu tun. Stattdessen nutzt es Erkenntnisse darüber, wie Kinder sanft in den Schlaf begleitet werden können und stellt am Anfang eine kleine Anleitung zur Verfügung, wie abendliches Vorlesen als Einschlafritual genutzt werden kann.
Als ich das Buch für diese Rezension für mich selbst gelesen habe, habe ich bereits gemerkt, wie es wirkt. Tatsächlich ist das ritualisierte "Kannst du gähnen wie ..." am Ende jeder Doppelseite sehr verleitend und man merkt gradezu, wie man müde wird. Für ungeübte Vorleser ist es vielleicht auch hilfreich, dass die Kernwörter "gähnen" und "gähnt" immer fett gedruckt sind, sodass man sie bewusst betonen kann. Jedes Tierkind hat ein ihm eigenes Gähnen und das Kind wird am Ende der Seite eingeladen, es zu wiederholen und sich zu strecken und zu räkeln. Zur Wohlfühatmosphäre tragen auch die Illustratonen von Laura Watkins bei, die zwar detailliert sind, aber nicht zu aufgeregt. Sie laden zum Träumen und Schauen ein und so wie ich das Baby kenne, wird ihm das später am besten gefallen.

Also ja, ich bin wieder einmal begeistert vom Kösel-Verlag und freue mich richtig drauf, dieses Buch später vorlesen zu dürfen.

[Rezensionsexemplar] Jean-Christophe Rufin - Pilgern für Skeptiker

„Als ich nach Santiago de Compostela aufbrach, habe ich nichts gesucht – und ich habe es gefunden.“ – Eigentlich wollte der Arzt und Goncourt-Preisträger Jean-Christophe Rufin „nur“ wandern auf diesem seit Jahrhunderten bedeutenden Weg und sieht ihn anfangs eher als sportliche Herausforderung. Doch unterwegs auf den 900 Kilometern des Camino del Norte kann sich auch der Skeptiker der Alchemie des „ewigen Weges“ nicht entziehen ...

Ich hatte ja wirklich Lust auf dieses Buch, nachdem mein Vater ähnlich wie Rufin letztes Jahr "einfach mal so" den Jakobsweg gelaufen ist. Gerade die Aussicht, es beim Autor nicht mit einem Pilger oder einem Selbsterfahrungs-Verfechter zu tun zu haben, versprach mir einen guten Blickwinkel und ich bin sicher, den könnte dieses Buch auch einem Leser vermitteln, wenn da nicht dieserfurchtbare Stil wäre. Ist es die Übersetzung? Ist es Rufins ihm eigner Erzählstil (über den ich bislang nichts weiß und über den ich nach dieser Lektüre auch erst einmal nicht geneigt bin, etwas herauszufinden)? Wora auch immer es lag, aber ich hatte bei dem Buch das Gefühl, die Qual eines jeden Schrittes dadurch nachvollziehen zu müssen, dass der Autor gewollt kluge Bonmots der Philosophie aneinander reiht. Die Lektüre ist so ein bisschen, wie sich mit Intellektuelle zu unterhalten, die bei einem Witz die Augen schließen und sagen "wie köstlich" dieser doch gewesen sei. Es kommt kein wirkliches Feeling auf, keine Herzlichkeit, kein Mitnehmen des Lesers. Man merkt ein wenig, dass Rufin während des Weges keine Notizen gemacht hat, sodass statt anekdotischer Betrachtungen einzig und allein die philosophische Auseinandersetzung mit de Weg an und in sich stattfindet. Dafür muss man als Leser geschaffen sein und ich bin ehrlich, ich bin es nicht. Was mich bei der Stange gehalten hat, war einzig, dass es relativ kurz war und ich es so auf mehreren Zugfahrten lesen konnte, aber wirklich gefallen hat es mir nicht.

[Rezensionsexemplar] Meike Dannenberg - Blumenkinder

In Lüneburg wird die Leiche eines 12-jährigen Mädchens gefunden: wie aufgebahrt liegt sie da, scheinbar friedlich, mit Blumen umkränzt. BKA-Sonderermittlerin Nora Klerner und Profiler Johan Helms unterstützen die Kripo vor Ort bei den Ermittlungen, denn es gibt Parallelen zu einem Mordfall in Tschechien. Auch die Aktivitäten einer obskuren Hippie-Gruppe haben Nora und Johan im Visier. Nora ist sich sicher, dass der Täter aus dem Umfeld des dubiosen Kollektivs stammt. Als ein weiteres Mädchen verschwindet, wird Nora wegen eigenmächtiger Aktionen vom Fall abgezogen. Doch sie ermittelt auf eigene Faust weiter. Denn sie weiß, wenn sie nicht schnell handelt, wird wieder ein »Blumenkind« sterben ...

Dass ich dieses Rezensionsexemplar bekommen habe, fand ich wirklich toll, weil mir der Klappentext sehr gefallen hat. Als ich dann noch herausgefunden habe, dass es zur Abwechslung mal wirklich der erste Band einer Serie ist, den ich als erstes lesen werde, war ich natürlich noch gespannter. Und gleich vorneweg: die absolut große Stärke dieses Buchs liegt darin, dass die Figuren sich nicht wie in einem Erstling verhalten. Ich habe ein paarmal nachgeschaut, ob das wirklich Band 1 ist, weil sie sich so eingespielt verhalten und man nicht jedes sie bewegende Detail auf dem Silbertablett serviert bekommt. Stattdessen gibt es Gedanken und Andeutungen zur Vergangenheit, die neugierig machen, eine frühere Zusmmenarbeit wird erwähnt, aber nicht weiter aufgegriffen - der Leser wird also reingeschmssen in einen neuen Kosmo, statt vorsichtig an der Hand genommen zu werden. Das gefällt mir total, endlich mal eine Neuerung zu den üblichen Schritten.

Überhaupt ist die Figurenzeichnung sehr gelungen. Auch wenn sie in gewisser Weise wieder die üblichen Klischees - der einsame Wolf, der nerdige Psychoheini - bedienen, wirken Nora und Johan glaubwürdig. Das sind Charaktere, vor allem Johan mag ich wirklich sehr und habe mit seiner Entschiedungsunfreudigkeit mitgelitten. Noras dunkles Geheimnis möchte ich unbedingt weiter erforschen, Band 2 hat also mit Sicherheit einen Leser allein dafür gewonnen. Auch die Dynamik zwischen den Hauptfiguren und den Polizisten vor Ort fand ich gut, das waren - mit einer Ausnahme, nmlich dem Chef der örtlichen Polizei - wirklich gut aufgebaute Spannungen und Enwicklungen, die sehr realitätsnah waren. Überhaupt war das Buch mehrheitlich sehr dicht am Polizeialltag dran und kein überkandidelter Thriller. Im Fokus steht viel, viel Ermittlngsarbeit mit Besuchen bei Leuten, denen man zuhören muss, und der Leser liest natürlich besonders aufmerksam, in der Hoffnung, einen Hinweis zusehen, der ihn bereits auf die Spur des Täters führt, sodass er am Ende sagen kann "Hab ich es doch gewusst!"

Ja, das Ende. Das ist es dann, was meine Begeisterung eher abbremst. Da wird urplötzlich ein Täter und ein Motiv aus dem Hut gezaubert und ähnlich wie bei Agatha Christie hatte ich als Leser keine einzige Chance, auf diese Idee zu kommen, weil mir die Informationen dazu schlicht vorenthalten werden. Dass dann natürlich noch der obligatorische Alleingang im obligatorischen Show-down enden muss, war mir leider zu durchschnittlich für das, was die Autorin in ihrem Erstling versprochen hat. Es war ein bisschen, als hätte ihr der Mut gefehlt, weiter in der Schiene zu bleiben, mal über den üblichen Krimitellerrand hinaus zu schauen, stattdessen muss dann etwas Spektakuläres kommen. Diese Auflösung hat mich wirklich ein wenig geärgert, aber nicht so sehr, dass ich nicht sagen könnte, dass hier ein wirklich guter Erstling vorliegt, der Lust auf mehr macht.

Freitag, 23. Juni 2017

[Blogparade] #Geheimtipps


Schon vor einiger Zeit bin ich bei Weltenwanderer auf die Aufforderung zu dieser Blogparade gestoßen und endlich, endlich komme ich dazu, einen Beitrag zu verfassen. Wer sich auf ihrem Blog noch nciht umgeschaut hat, sollte das auf jeden Fall tun, denn ihre Liste mit Geheimtipps hat meine Leseliste schon um einiger verlängert. Und jetzt liegt es an mir, euch ein paar Bücher ans Herz zu legen. Bücher, die irgendwie untergehen, weil es viel zu viele in den Buchhandlungen gibt. Bücher, die man manches Mal sogar kauft und dann völlig vergisst, weil sie eben nicht "Hallo, ich bin ein Bestseller, lies mich, los, mach schon" schreien.

Also bin ich in mich gegangen, habe meine Leselisten durchsucht, meine Erinnerungen vom Staub befreit, und bin bei einigen Highlights gelandet, die ich zum Teil noch nicht einmal rezensiert habe bisher. Um die Liste nicht vllig ausufern zu lassen, beschränke ich mich mal auf jeweils ein Highlight aus verschiedenen Genres.

1. "Baba Dunjas letzte Liebe" von Alina Bronsky (Gegenwartsliteratur)

Baba Dunja ist eine Tschernobyl-Heimkehrerin. Wo der Rest der Welt nach dem Reaktorunglück die strahlenden Waldfrüchte fürchtet, baut sie sich mit Gleichgesinnten ein neues Leben auf. Mitten im Niemandsland, wo die Vögel so laut rufen wie nirgends sonst und manchmal ein Toter auf einen Plausch vorbeikommt. Während der sterbenskranke Petrov in der Hängematte Liebesgedichte liest und die Melkerin Marja mit dem fast hundertjährigen Sidorow anbandelt, schreibt Baba Dunja Briefe nach Deutschland, an ihre Tochter. Doch dann kommen Fremde ins Dorf – und die Gemeinschaft steht erneut vor der Auflösung..

Warum ich es jedem ans Herz lege? Weil es eine wunderbare kleine Geschichte ist, die so alltägliche Menschen schildert, auch wenn ihre Lebensumstände gar nicht alltäglich sind. Es geht um die Suche nach Liebe, umd die Hoffnung auf ein bessres Leben, und den Umgang mit Enttäuschungen auf dieser Lebensspur. Und immer wieder einfach nur um Heimat, was auch immer das für den einzelen bedeutet. Ich habe mich beim Lesen letztes Jahr sofort verloren in dieser Geschichte und Bronsky ist eine gute Erzählerin, deren Figuren immer glaubhaft bleiben.


2. "Potilla" von Cornelia Funke (Kinder- und Jugendbuch)

 Arthur traut seinen Augen nicht! In dem schmutzigen Bündel, das er im Wald gefunden hat, steckt eine kleine Feenkönigin! Sie heißt Potilla und ist in großen Schwierigkeiten: Ein grausiges Wesen hat das Feenvolk überfallen und die wichtigen Feenmützen geraubt, nun ist Potillas Rückkehr in ihr Reich gefährdet. Arthur und seine Freundin Esther wollen helfen, doch die fiesen Zwillinge "B&B" durchkreuzen ihre Pläne. Eine fantastische Reise in die "Anderswelt" zu einem magischen Turm beginnt. Die Kinder begegnen sprechenden Tieren, einem zappeligen Finsterling, sehen in den Schlund der Ewigkeit und treffen den unheimlichen Mützendieb ...

Funke kennt man ja nun wirklich. Aber irgendwie geht "Potilla" in ihrem Gesamtwerk immer unter, was wahnsinnig schade ist. Dieses Buch at nicht nur eine spannende Geschichte und tolle Illustrationen, sondern ist einfach nur irrsinnig witzig. Was vor allem daran liegt, dass Potilla alles andere als eine liebenswerte Märchenfee ist. Sie ist besserwisserisch, hochnäsig und irgendwie wird man das Gefühl nicht los, dass diese Socke, in die sie gesteckt wurde, ein klein wenig verdient ist. Der arme Arthur hat unter ihr ganz schön zu leiden anfangs, und auch das fnde ich gut: endlich mal ein männlicher Protagonist im Kinderbuch, der nicht der Held ist, sondern auf die Hilfe seiner Feundin angewiesen ist. Aber für mich als Kind war vor allem wichtig, dass ich bei diesem Buch immer wieder herzhaft lachen konnte.

 3. "Aya" von Marguerite Abouet und Clément Ouberie (Comic und Graphic Novel)

Ende der 1970er-Jahre: In der ivorischen Metropole Abidjan leben Aya und ihre zwei Freundinnen Adjoua und Bintou. Aya ist 19 Jahre alt, das Alter, in dem alles erreichbar scheint – vielleicht sogar ein Medizinstudium gegen den Willen des Vaters, der seine Tochter lieber heute als morgen verheiratet sähe. Während Aya von einer Zukunft als Ärztin träumt, schlagen sich Adjoua und Bintou die Nächte in den örtlichen Tanzbars um die Ohren und rauben ihrer Freundin mit ihren chaotischen Liebschaften den letzten Nerv…

Ich bin nur zufällig über dieses Buch gestolpert letztes Jahr und war wirklich begeistert. as Buch ist weit entfernt von Afrika-Klischees, sondern zeichnet ein sehr realistisches Bild der Elfenbeinküste. Es werden einige heiße Eisen angepackt, andererseits aber auch mit Humor die Unterschiede zwischen Elfenbeinküste und Frankreich aufgezeigt. Immer wieder gibt es großflächige Panels, in denen wie bei Wimmelbildern so viel zu entdecken ist, dass man die Bilder nach dem Lesen noch einmal aufsucht. Und was mir gefallen hat, ist die Detailgenauigkeit, die zum Teil in den Bildern herrscht!

4) "Witwe im Wahn" von Oliver Hilmes (Biographie)

Die Reihe ihrer Liebhaber liest sich wie ein „Who is who“ der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts. Wer war die Frau, die mit Gustav Mahler, mit Walter Gropius und Franz Werfel verheiratet war, die eine wilde Liebesaffäre mit Oskar Kokoschka hatte und der Gerhart Hauptmann zu Füßen lag? Oliver Hilmes zeichnet in seiner umfassenden Biografie, die sich auf bisher noch nicht ausgewertete Briefe und Tagebücher stützt, das facettenreiche Bild einer Frau, die hysterisch, antisemitisch, herrschsüchtig war – aber auch inspirierend, klug und leidenschaftlich ...

Oliver Hilmes schreibt großartige Bioraphien. Das hier war die erste, die er veröffentlicht hat, und sie beinhaltet alles, was man als Leser will: Liebe, Lust und Leidenschaft. Alma MahlerWerfel war eine völlig verrückte Frau, die sich zur Aufgabe gemacht hat, die Muse ihrer Männer zu sein, ob sie wollen oder nicht. Ich bin immer noch völlig gefesselt von den vielen Facetten dieser Frau und emfehle diese Biographie immer uneingeschränkt jedem Leser :-)

Soweit also von mir. Ich geh dann am Wochenende mal stöbern, was ich bei den anderen Teilnehmern dieser Blogparade so finde. Falls ihr hier Lust auf eins der Bücher bekommen habt, freue ich mich riesig :-)





[Rezensionsexemplar] Kristina Ohlsson - Schwesterherz

Staatsanwalt Martin Benner will Bobby Tell eigentlich schnellstmöglich wieder loswerden: Dieser ungepflegte, nach Zigaretten stinkende Kerl wirkt erst mal wenig vertrauenswürdig. Sein Anliegen ist nicht weniger prekär: Tells Schwester Sara – eine geständige fünffache Mörderin, die sich noch vor der Verfahrenseröffnung das Leben nahm – soll unschuldig gewesen sein, und Benner soll nun posthum einen Freispruch erwirken. Vor Gericht hätte die Beweislage damals nicht mal ausgereicht, um Sara zu verurteilen, doch unbegreiflicherweise legte sie ein umfassendes Geständnis ab und konnte sogar die Verstecke der Tatwaffen präzise benennen. Benners Neugier ist geweckt, und er nimmt das Mandat an …

Mal wieder habe ich geräubert beim bloggerportal und bin fündig geworden bei Kristina Ohlsson. Ich wollte einen schwedischen Krimi, der aber nicht so fürchterlich dramatisierend ist, also dachte ich, ich schau mal in ihre neue Serie rein (also um genau zu sein, es sind nur zwei Teile ;-) ) und lasse mich unterhalten. Und ich muss sagen: Ich habe schon lange kein Buch mehr gelesen, das mich tatsächlich so zwiespältige Gefühle beim Lesen hat erleben lassen.

Erst einmal zur Story. Die Handlung ist gut, reißt mich mit und es gibt schöne falsche Fährten. Von Anfang an will man wissen, was es mit dieser seltsamen Geschichte auf sich hat. Das liegt mit Sicehrheit auch an der eher unkonventionellen Weise, mit der Ohlsson zum Teil erzählt. Das Buch beginnt erst einmal mit einem Dialog wie im Drehbuch, bevor es in Martins Ich-Perspektive wechselt. Spannend, weil man auf diese Weise direkt reingeworfen wird in eine Handlung, die man nicht vorhersehen kann. Allerdings muss ich auch sagen, dass die Handlung an sich schon extrem an den Haaren herbeigezogen ist, das ganze hat eher was von USA als Schweden, wenn ihr wisst, was ich meine. Aber dennoch unterhält die Idee und macht Spaß beim Lesen, man sollte nur nicht unebdingt alles hinterfragen. Klassische "Kopf aus, Unterhaltung an"-Lektüre eben.

Ebenso unkonventionell finde ich Ohlssons Entscheidung für den Protagonisten. Und der hat es mir im Laufe des Buchs echt nicht leicht gemacht.

Martin Brenner ist ein arroganter, selbstverliebter Oberarsch. Anders kann man es nicht sagen. Der Kerl steht in so einem Widerspruch zu allem, was man eigentlich erwartet von der Hauptfigur eines "finde den wahren Täter und stochere im Trüben"-Krimis. Und gleichzeitig ein liebevoller Vater. Einerseits will man ihm ständig eine runterhauen für seine Oberflächlichkeit, andererseits schafft man es aber nicht, von ihm loszukommen. Er hat was, und ich muss gestehen ich finde ihn als Figur deutlich interessanter als die Charaktere in Ohlssons anderer Serie um Friederike Bermann. Brenner ist ein echter Typ, jemand, den ich zwar nicht mag, dem ich aber trotzdem Begleiter sein will. Das muss man als Autor wirklich erst einmal schaffen.

Kann ich das Buch empfehlen? Mit Abstrichen ja. Es ist keine High-Class-Literatur und auch nicht der hochspannendste Krimi aller Zeiten. Aber er ist unkonventionell und macht dadurch sehr viel Vergnügen im Einheitsbrei aus Schweden. Ich will auf jeden Fall den zweiten Teil lesen, weil sie leider mit einem Cliffhanger endet, den man zu Ende gebracht wissen will :-D

Sonntag, 11. Juni 2017

[Rezensionsexemplar] Benjamin Bidder - Generation Putin

Als sie auf die Welt kamen, war die Sowjetunion bereits Geschichte. Lena aus Smolensk zum Beispiel, die Putin verehrt und von einer Karriere in der Politik träumt. Die Kreml-kritische Journalistin Wera, die sich nach mehr Demokratie sehnt. Alexander, der im Rollstuhl sitzt und darauf hofft, irgendwann ein selbständiges Leben führen zu können. Sie alle eint, dass sie zur »Generation Putin« gehören, dass sie Kinder des derzeitigen Systems sind.

Diese Generation der nach 1991 Geborenen wuchs in politisch wie ökonomisch turbulente Zeiten hinein. Viele junge Russen sind heute hin- und hergerissen zwischen Ost und West, der Sehnsucht nach einem starken Führer und dem Traum von einem anderen, freieren Leben. In ihren Geschichten spiegelt sich die dramatische Entwicklung Russlands in den letzten 25 Jahren, vom Ende der sowjetischen Weltmacht bis zum Wiedererstarken unter Wladimir Putin.

Ich hatte mir das Buch als Rezensionsexmplar über das Bloggerportal ausgesucht, weil ich, je länger ich mich mt Politik beschäftige, immer faszinierter von Russland bin. Gerade auch deshalb, weil die Berichte darüber so wahnsinnig unterschiedlich sind. "Das neue Russland verstehen" klingt nach einer guten Voraussetzung für dieses Buch, dachte ich mir, und tatsächlich war die Lektüre sehr interessant.
Anhand vieler verschiedener Perspektiven versucht Benjamin Bidder, das Leben im heutigen Russland zu erklären. Dabei führt er die Interviews über einen längeren Zeitraum, der Leser kann so Entwicklungen und Veränderungen innerhalb der Biographien miterleben. Mir geht er dabei allerdings zum Teil ein bisschen zu schnell vor, denn manchmal sind die Situationen, in denen sich seine Gesprächspartner bei der Wiederaufnahme finden, doch sehr anders und ich komme nicht mehr ganz mit. Positiv fällt mir aber auf, dass Bidder selbst keine Stellung bezieht, also nicht die Putinverehrerin Lena demonteren will oder Systemkritiker überhöht. Außerdem versucht er, Personen aus allen Teilen Russlands zu verstehen und bringt dadurch noch ein wenig mehr Multidimensionalität ins Bild. Mir als Leser hilft das wirklich weiter, ich kann mir zumindest in Teilen ein sehr gutes Bild von den Beweggründen der Einzelnen machen und veruschen, ihre Perspektiven nachzuvollziehen. Allerdings hätte ich mir hier und da einen weiger salbungsvollen Erzählstil gewünscht, der immer ein bisschen sehr väterlich daherkommt. Aber vielleicht ist das der Situation der Interviewpartner geschuldet.

Ein Kritikpunkt war für mich die Integration der Bilder. Vielleicht liegt es am ebook-Format, vielleich ist es tatsächlich so - jedenfalls sind die Bilder der Interviewpartner zum Teil erst am Ende des jeweiligen Kapitels zu finden. Ich persönlich fand das sehr schade, denn ich mache mir gerne ein Bild von den Personen, wenn sie zu Wort kommen, und hier wirkte das etwas lieblos zusammengewürfelt.

Insgesamt war ich mit der Lektüre durchaus zufrieden. Nein, wirklich verstehen gelernt habe ich diese neue Generation Russlands immer noch nicht, aber zumindest einen kleinen Einstieg bekommen in die Empfindungen, die hinter diesen verschiedenen Entwicklungen stecken. Das ist ja auf jeden Fall schon etwas und deshalb lege ich das Buch jedem Interessierten als Eiführung ans Herz.

Sonntag, 30. April 2017

[Gewinnspiel] Herzlichen Glückwunsch an ....


Unter Wahrung aller Ziehungsgeheimnisse und mit sehr viel Spaß bei der Sache hat das Baby, aka blogeigene Glücksfee, heute kurz vor dem Schlafengehen zugeschlagen und aus seinen mit euren Namen gefüllten Stapeltürmchen einen Zettel gezogen. Also um genau zu sein sechs und fünf davon dann langsam auf der Couch verteilt, nur einen wollte er nicht mehr hergeben. Und dieser glpckliche Jemand war Lisa Koala, die sich ein Buch für ihren kranken Sohn wünscht. Na, wenn das nicht den richtigen getroffen hat ;-)

Email ist raus und ich hoffe, sie meldet sich. Ich wünsche euch allen einen schönen Feiertag und hoffe, ihr hattet beim Welttag des Buches wieder so viel Spaß wie ich. Ich freu mich schon auf nächstes Jahr :-)

[Rezensionsexemplar] Stefan Brijs - Taxi Curaçao

Curaçao, 1961. An einem Septembermorgen bringt der Taxifahrer Roy Tromp seinen zwölfjährigen Sohn Max zum ersten Mal in die weiterführende Schule zu Bruder Daniel. Max ist der erste in seiner Familie, der sie besuchen kann, und erweist sich als talentierter Junge, der davon träumt, Lehrer zu werden und den gesellschaftlichen Aufstieg aus der Armut zu schaffen. Bruder Daniel, der selbst von der Insel stammt, will ihm dabei helfen. Denn so prächtig der azurblaue Dodge Matador ist, mit dem Roy seinen Sohn zur Schule bringt, so bettelarm ist die Familie des Trinkers und Spielers. Vierzig Jahre später ist der Traum geplatzt und Max, der längst selbst Vater eines erwachsenen Sohnes ist, verschwindet aus heiterem Himmel in die Niederlande, womöglich für immer ...

Ahhh, die Karibik. Mal ehrlich, wenn man das Wort hört, hat man doch sofort weiße Sandstrände vor Augen, schmeckt förmlich den Cocktail und hört liebliche Musik - Zeit, sich entführen zu lassen auf die Niederländischen Antillen. Und festzustellen, dass das Leben dort eben auch nicht nur ein Dauerurlaub ist, sondern ebenso seine Schattenseiten aufweist. Über 40 Jahre lang verfolgt man an der Seite Bruder Daniels das Leben der Männer der Familie Tromp und damit auch das Leben der Arbeiterklasse und die politische Entwicklung der Insel. Das wird mit genug Lokalkolorit durch die landeseigene Sprache, durch Gepflogenheiten und Erklärungen geliefert, dass ich als Leser mich freue, gleichzeitig etwas zu lernen und unterhalten zu werden. Was mir dabei jedoch nicht ganz so gefällt, ist die Erzählperspektive durch Bruder Daniel, der zwar alle Beteiligten seit Jahrzehnten kennt, aber eben nicht in ihrer Haut steckt. So schleichen sich gelgentlich Längen ein, wenn er klarmachen will, wie eine Person ich fühlt, statt dass ich als Leser den direkten Weg gehen kann und deren Perspektive einnehme. Andererseits beobachte ich dadurch die Personen sehr viel besser und hinterfrage ihre Handlungen auch durchaus mehr als in anderen Romanen, es kann also durchaus hilfreich sein.

Ich finde das Buch insgesamt aber durchaus gelungen. Vor allem, wie gesagt, weil es einen Einblick in eine doch eher fremde Welt bietet und mit einigen Klischeevorstellunge bezüglich der Karibik aufräumt. Die Personen sind lebensecht und wachsen einem auch ans Herz, je länger man ihnen folgt, und besonders Roy ist mit Ecken und Kanten ausgestattet, aber auch trotzdem jemand, den man nicht missen will. Ja doch, das Buch ist gut, man sollte sich aber ein wenig Zeit nehmen für die Lektüre, statt sie einfach nur schnell zu verschlingen und sofort zum nächsten Buch zu schreiten.

[Rezensionsexemplar] Edney Silvestre - Der stumme Zeuge

São Paulo, Brasilien: Ein kleiner blonder Junge wird mit einer Luxuslimousine von der Schule abgeholt. Minuten später ist der Fahrer des Wagens tot, das Kind in der Gewalt einer Söldnertruppe. Mit der Entführung soll der Vater des Kindes, der mächtige Medienmogul Olavo Bettencourt, zur Aufdeckung eines Korruptionsskandals der brasilianischen Politikelite gezwungen werden. Doch Bettencourt reagiert nicht auf die Forderungen und den Entführern läuft die Zeit davon. Sie bekommen Zweifel: Haben sie den richtigen Jungen in ihrer Gewalt?

 Ein weiteres Mal habe ich mich für die Weltenbummlerchallenge mit einem Rezensionsexemplar eingedeckt, das ich nur wegen des Schauplatzes gewählt habe. Und schon wieder bin ich dabei in den Besitz eines Buches gelangt, das ich ohne diesen Anlass nie gelesen hätte und das ich nicht bereue, gelesen zu haben.

Vorneweg sei gesagt, dass s sich hier nicht um einen klassischen Kriminalroman handelt. Die Geschichte der Entführung ist so etwas wie Aufhänger und Nebenhandlung. Vielmehr ist es ein Psychogramm einer Gesellschaft und ein sehr bedrückender Blick in das Leben in Brasilien. Die Olympischen Spiele letztes Jahre haben es ja immer mal wieder anklingen lassen, dass Brasilien ein Land ist, in dem die Schere zwischen Arm und Reich extrem auseinanderklafft, so sehr, dass man es sich hier in Europa eigentlich gar nicht wirklich vorstellen kann. Olavo und seine Frau gehören dieser Oberschicht an, die sich angenehm zurücklehnt in ihren bewachten Villen, deren Wohlstand in vielen Fällen aber nicht nur harter Arbeit sondern auch einem gehörigen Maß an Korruption und Verbrechen zuzuschreiben ist. Und wenn sich dann herausstellt, dass es sich bei dem entführten Kind eben nicht um den Spössling aus gutem Hause, sondern um den taubstummen Sohn der Putzfrau handelt, ist man schnell in der Überlegung, ob man sich dann für "so einen" vor den Karren der entführer spannen lässt oder nicht ... Olavos Ehefrau Mara stammt aus einem ganz anderen Hintergrund, der im Laufe der Handlung immer deutlicher wird.

Silvestre arbeitet mit sehr gelungenen Erzählpassagen, in denen viele verschiedene Blickwinkel aufgegriffen werden. Beim Lesen muss man in der Hinsicht aber sehr am Ball bleiben, die Perspektivwechsel geschehen absatzweise und sind nicht immer direkt erkennbar. Das Buch ist allerdings kurz genug, um trotz dieser Erzählweise nicht die Lust zu verlieren, sondern sich immer mehr einzulassen auf die Figuren, ihren Hintergrund, ihre Motive und auch Silvestre sehr gelungene Schilderungen. Alles in allem also ein tolles Buch für dieses Jahr.

[Rezensionsexemplar] Gavin Extence - Das unerhörte Leben des Alex Woods

Alex Woods ist zehn Jahre alt, als das Universum es auf ihn absieht - im wahrsten Sinne des Wortes, denn ein Meteorit stürzt genau ins Kinderzimmer und auf seinen Kopf. Nach zwei Monaten Koma und verschiedenen Operationen ist klar, dass Alex weiteres Leben nicht den konventionellsten Weg gehen wird. Gesegnet mit Epilepsie, einer hellseherisch begabten Mutter und dem Wissen, dass selbst die unwahrscheinlichsten Dinge eintreten können, ist er nicht unbedingt der beliebteste Klassenkamerad. Als er dann durch Zufall den zurückgezogenen und sehr misslaunigen Mr. Peterson kennen lernt, schließen aber genau die beiden eine Freundschaft, die dazu führen wird, dass Alex sieben Jahre später mit 113 Gramm Marihuana und einer Urne voller Asche an der Grenze in Dover gestoppt wird ...

Manchmal finde ich deutsche Titel echt doof. Dieser sehr sperrige, wenn  auch witzig gemeinte Titel hier zum Beispiel wird dem Buch eigentlich nicht gerecht. "The Universe vs Alex Woods", wie das Original heißt, hat etwas viel schmissigeres und trifft den Erzählton des Romans haargenau. Ich habe das Buch trotz zur Zeit sehr quengelig-anhänglichem Baby innerhlab von zwei Tagen verschlungen, weil einen Alex einfach sofort einfängt. Seine Erzählhaltung ist unprätentiös, selbstironisch und sehr, sehr detailverliebt. Mir hat vor allem auch gefallen, wie man direkt Lust gemacht bekommt, sich auch mal selbst durch das Werk Kurt Vonneguts zu lesen, der jetzt auch direkt auf meiner Leseliste nach vorne katapultiert wurde ;-)

Ich hätte bei dem Klappentext nicht direkt erwartet, dass es hier um Sterbehilfe und auch sehr ernste Töne geht, das hat mir extrem gut gefallen, denn Extence nähert sich dem nicht etwa durch einen moralischen Zeigefinger an, sondern gnaz im Stil des Buchs mit einem gewissen Hang zum Sarkasmus, zum Selbstzweifel und zur Tragikomik.

Alles in allem also ein richtig gutes Buch, das ich jedem empfehlen würde, der ein bisschen mehr Biss und Gedankenmaterial haben möchte als es andere aktuelle Romane hergeben.


[Rezensionsexemplar] Elisabeth Herrmann - Die Mühle

The Court – das waren die Coolen. Die Unerreichbaren. Die Helden von Lanas Schulzeit. Wie kann es sein, dass ausgerechnet Lana an eine Einladung zu einem Kurztrip mit der Überflieger-Clique kommt? Jahre, nachdem sie alle ihre alte Schule verlassen haben?

Die Kings und Queens der coolen Clique sind zwar wenig begeistert, als Lana statt ihres siebten Mitglieds bei ihrem Treffen auftaucht. Aber dann überschlagen sich die Ereignisse. Der Trip führt die Clique in eine alte abgelegene Mühle, umgeben von Wildnis. Alles hier scheint für sie vorbereitet zu sein. Nur wer hat eigentlich die Einladungen verschickt? Wer begrüßt sie mit schriftlichen Botschaften, hat seltsame Spiele für sie organisiert? Als der erste der Freunde verschwindet, bricht Panik in der Gruppe aus …

Dass Elisabeth Hermann neben Krimis, in denen sie die DDR-Geschichte mit aufarbeitet, auch Thriller für Jugendliche schreibt, ist bislang ein wenig an mir vorbeigegangen. Umso froher war ich, als dieses Buch als Rezensionsexemplar bei mir landete, denn im Moment steht mir der Sinn nach eher ein wenig leichter Lesekost. Beim Lesen habe ich mich sehr zurückversetzt gefühlt in meine Jugend, Ende der Neunziger, als die Kinos in der Folge von "Scream" überflutet wurden von Thrillern, in denen undurchsichtige Serienkiller junge Menschen aufgrund mehr oder weniger weit hergeholter Motive umbrachten. Genau diesem Prinzip folgt Herrmann in ihrem Roman und bietet dabei nicht gerade sehr viel Überraschendes.

Die Figuren wirken schon sehr klischeehaft. Sowohl Lana, der die Rolle der überraschten Außenseiterin, als auch die Mitglieder des Court, die natürlich alle schön, reich, mächtig und geheimnisvoll sind. Gut, ich bin ungerecht, als Teenager hätte ich diese Figuren alle total logisch gefunden und mich mit Lana identifiziert, aber jetzt, mit einer Generation Abstand ist das alles so unglaubwürdig und klischeehaft. Auch die Dialoge sind für meinen Geschmack sehr von der Stange, so wie ma sich halt vorstellt, dass diese Figuren sprechen würden. Ja, ich glaube, das ist das, was mir am meisten aufgefallen ist, dass es hier Figuren sind, die nicht wirklich lebendig werden, sondern alle schön an der Oberfläche der Lektüre bleiben und ihren Zweck erfüllen. Wirksam erfüllen, aber eben nicht großartig darüber hinaus Wirkung entfalten. Insgesamt gibt es nicht viel überraschendes, sondern man merkt dem Buch an, dass hier alles auf eine jüngere Zielgruppe gerichtet wurde, die unterhalten werden soll. Besonders am Ende wurde das für mich deutlich, da wird gewaltsam ein Happy End rangeklatscht, ganz so, wie es das Publikum mag. Wenn man aber Lust hat, auf ei simples Buch, mit dem man sich das Hirn freiblasen kann und sich zurückversetzen lassen will in seine Jugend damals beim Schauen von "Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast", dann ist das ein durchaus gelungenes Buch. Es tut nicht weh, es ist durchaus spannend, und man klappt es am Ende zu, ohne sich davor zu fürchten, dass der nächste Mörder unterm eigenen Bett lauert ;-)

Montag, 24. April 2017

[Hörbuch] T.R. Richmond - Wer war Alice

Alice Salmon ist erst fünfundzwanzig Jahre alt, als sie eines Morgens leblos in einem Fluss in Southhampton gefunden wird. Eigentlich wollte sie am Abend zuvor nur Freunde treffen – sie ahnte nicht, dass dies die letzten Stunden ihres Lebens sein würden. Aber was ist passiert? Ist sie wirklich ins Wasser gestürzt, weil sie zu viel getrunken hat? War es ein tragischer Unfall? Die Nachricht ihres Todes verbreitet sich wie ein Lauffeuer, auch über Facebook und Twitter. Gleich werden Vermutungen angestellt: über sie, ihr Leben und ihren Tod. Auch ihr ehemaliger Professor Jeremy Cooke ist erschüttert. Wie ein Besessener versucht er herauszufinden, was in jener Nacht tatsächlich geschah. Jeder kleinsten Spur geht er nach und sammelt alles über Alice, was er finden kann ...

Ich habe ewig und drei Tage an diesem Hörbuch gehört. Das lag erstens, klar, an dem kleinen Minibündel, das mich einfach echt fordert, aber zu einem nicht unerheblichen Teil an der Struktur des Hörbuchs. Wie der Roman auch, ist es hier nicht etwa eine lineare Geschichte, die erzählt wird, sondern eine Anhäufung von SMS, Emails, Einträgen in sozialen Netzwerken und dergleichen mehr, anhand deren sich Jeremy Cooke Alices Leben erschließt. Das klingt natürlich wahnsinnig spannend, ist aber eben auch ein Problem, weil man sehr gut zuhören muss, um den Logikschlüssen selbst folgen zu können. Hilfreich dabei ist, dass die einzelnen Personen in der Geschichte individuelle Sprecher haben, sodass man einigermaßen am Ball bleiben kann, und die machen ihre Sache in der Hinsicht wirklich gut. Nicht zu übertrieben, immer erkennbar, und für mich sehr gelungen. Aber, und da sind wir eben beim negativen Punkt angelangt, die Geschichte zieht einfach nicht richtig. Sie ist streckenweise sehr zäh, die Figuren sind sehr wenig entwickelt, sondern bleiben auf ein oder zwei Charakterzüge beschränkt, und das ganze gipfelt in einem doch recht vorhersehbaren Ende. Für mich nicht unbedingt das Highlight, das ich nach dem Klappentext erwartet hatte. :(

Sonntag, 23. April 2017

[Welttag des Buches] Blogger schenken Lesefreude - Das Gewinnspiel

Guten Morgen zusammen.

Ist noch jemand so gut gelaunt wie ich heute? Ich freue mich wie wahnsinnig auf diesen Welttag des Buches und geh gleich mal ein bisschen bei Blogs stöbern.

Lustigerweise war der National Bookday in England schon im Februar, und der wird vor allem an den Grundschulen ganz groß gefeiert. An dem Tag nämlich war keine Schuluniformpflicht, sondern die Kinder kamen verkleidet als ihre Lieblingsfiguren. Die Lehrer übrigens auch. Beim Spaziergang am Morgen kamen mir kleine Hexen und Zauberer entgegen, aber auch Füchse, Matildas, Bären, Coraline und so viele andere. Es war wirklich toll! Ich hab mir an dem Tag dann endlich mal eine neue Kaffeetasse gegönnt, nämlich die Penguin-Verlag-Tassen mit klassichen Bookcovern. Seitdem trinke ich meinen Tee stilecht aus "Wuthering Heights".

Aber ich weiß schon, warum ihr hier seid ;-)



Ja, auch bei mir gibt es etwas zu gewinnen. Und zwar *trommelwirbel* ein Wunschbuch im Wert von 15,-€. Ihr dürft euch also alles aussuchen, was ihr gerne lesen möchtet, allerdings müsst ihr damit einverstanden sein, dass das Ganze per amazon (oder einem anderen online-Händler) an euch verschickt wird. Warum? naja, weil es ein wenig umständlich ist, das Buch nach England zu schicken, um es dann wieder nach Deutschland zu verschicken :-D

Was müsst ihr dafür tun?
Ich mache es euch leicht - hinterlasst mir einen Kommentar unter diesem Post in dem ihr mir mitteilt, welches Buch ihr gerne hättet. Gerne könnt ihr euch auch noch zu viel mehr äußern, mir etwas erzählen oder euer Lieblingsbuch vorstellen oder erklären, warum mein Blog so schlecht ist, dass ihr gar nichts gewinnen wollt - wichtig ist nur eins: gebt bitte eine Kontaktmöglichkeit an.
Das kann ein Link zu eurem Blog sein oder eine verschlüsselte Mailadresse, aber irgendwie müsst ihr ja erfahren,ob ih gewonnen habt.
Solltet ihr unter 18 Jahre alt sein, bräuchte ich eine Einverständniserklärung eurer Eltern.

Die Auslosung findet am 30. April durch meine persönliche blogeigene Glücksfee statt. Daraufhin melde ich mich beim Gewinner und gebe ihn hier auf dem Blog bekannt. Wenn er sich bis 3.Mai immer noch nicht gemeldet hat, wird eine neue Auslosung stattfinden.

Rechtsweg ist natürlich ausgeschlossen, genauso wie ein Umtausch gegen Geld - aber auf die Idee kämt ihr ja sowieso nicht als Buchliebhaber. :-)


Montag, 20. März 2017

[Ankündigung] Blogger schenken Lesefreude

Hurra!!! Es ist wieder so weit - der Welttag des Buches steht an.Und genau deshalb schon einmal die Ankündigung: auch dieses Jahr bin ich wieder dabei. Und da es bei Blogger schenken Lesefreude wieder zurück zu den Wurzeln geht, habt ihr dann auch bei mir die Gelegenheit, etwas zu gewinnen. Freut euch mit mir und zählt die Tage, am 23.April erfahrt ihr mehr.

Werbung machen dürft ihr jederzeit, vielleicht beteiligt sich ja der ein oder andere von euch selbst aktiv ;-)

Mittwoch, 15. März 2017

[Rezensionsexemplar] A.F. Harrold - Amandas unsichtbarer Freund

Als Amanda Rudger in ihrem Kleiderschrank entdeckt, ist ihr sofort klar: Das ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft! Anders als Amandas Schulfreunde, die nie draußen spielen, um ihre ordentlichen Kleider nicht schmutzig zu machen, weicht Rudger fortan nicht von Amandas Seite. Einen herrlichen Sommer lang bauen sie ein Lager im Garten, jagen die Katze und erleben die wildesten Abenteuer. Rudger ist einfach perfekt – und dass nur Amanda ihn sehen kann, ist erst recht ein Vorteil, findet sie. Bis der geheimnisvolle Mr. Bunting auftaucht: Auch er kann Rugder offenbar sehen – und er führt irgendetwas Schreckliches im Schilde. Rudger hat furchtbare Angst vor ihm. Amanda ahnt, dass sie schnell herausfinden müssen, was Mr. Bunting verbirgt – und dass ihnen nur wenig Zeit dazu bleibt …

Ich hatte mir das Buch mit ein bisschen Hintergedanken vom bloggerportal geholt, denn meine Schwester beschwert sich gerne darüber, dass meine Nichte einfach ungern liest. Also habe ich diesmal nicht nur selbst eine Meinung, sondern lasse mal jemand anderen zu Wort kommen.

Also, liebe Nichte, wie hat dir denn das Buch gefallen?
Es ist ganz okay. Ich lese nicht gern, deswegen war es toll, dass viele Bilder mit dabei waren. Das war wirklich schön. Und es war spannend und gruselig. Manchmal ein bisschen sehr gruselig, vor allem das Mädchen bei Mr. Bunting.
Anmerkung der Blog-Tante: Stimmt. In dem Buch war dicht gepackt alles, was an Grusel fürZehnjährige angemessen ist, plus sehr viel Spannung und Fantasie. Alles in allem fand ich, dass es eine bezaubernd-gruselige Geschichte ist, die sogar Lesemuffeln zusagen wird.

Würdest du das Buch weiterempfehlen? Warum oder warum nicht?
Vielleicht. Das Buch gefällt bestimmt manchen Kindern nicht, weil es so viele Seiten hat. Aber man kann es schnell lesen und es kennt nicht jeder.
Anmerkung der Blogtante: Dem pflichte ich bei, diese 300 Seiten lassen sich weglesen wie nichts. Das liegt bestimmt auch an den Cliffhängern, mit denen jedes Kapitel aufhört, die haben es mir echt nicht leicht gemacht, eine Zwangspause beim Lesen einlegen zu müssen, wenn doch mal nach mir verlangt wurde. Ich finde das Buch wirklich gelungen und es war mal wieder schöne Kinderliteratur, die ich gerne weiterempfehlen würde!

[Buchgedanken] Jussi Adler Olsen - Selfies

Im Sonderdezernat Q stehen Probleme ins Haus: wegen angeblich zu niedrigen Aufklärungsquoten droht die Schließung. Schuld daran ist Rose, denn die scheint die mehrheitlich gelösten Fälle nicht ordentlich zu melden. Bevor Carl sie sich vornehmen kann, hat Rose aber einen ihrer psychischen Zusammenbrüche.  Und gleichzeitig macht ein Autofahrer Jagd auf junge Sozialhilfeempfängerinnen, das Sonderdezernat muss ein nerviges Kameratem für eine TrueCrime-Serie beschäftigt halten und Carls ehemaligem Chef kommt durch die Ermordung einer alten Frau im Park ein alter ungelöster Fall ins Gedächtnis. Alles in allem ganz schön viel Trubel für das Sonderdezernat Q ...

Nachdem ich vom letzten Band nicht mehr ganz so sehr begeistert war, muss ich sagen, dass mir der Band jetzt zwar nicht hervorragend gefällt, aber zumindest finde ich ihn besser als den Vorgänger. Mir hat vor allem die Geschichte rund um Anneli gefallen - so viel, oder eher so wenig Spoiler sei gegeben, der Leser erfährt von Anfang an, um wen es sich bei dem Autofahrer handelt - und ich fand sie extrem gut entwickelt. Und irgendwe konnte ich mitfühlen mit ihr und ihren Gefühlen, mit ihrer Frustration, ihrer Angst und auch ihrer Selbstüberschätzung und Überheblichkeit.

Was ich jedoch am Buch echt auszusetzen habe, ist die diesmal extrem schwache Verbindung der einzelnen Handlungsstränge. Irgendwie ist da zuviel Zufall dabei, oder nein, nicht Zufall, eher Willkür des Autors. "X ist die Nachbarin von Y und deswegen haben wir eine Brücke zwischen den beiden Fällen" ist mir persönlich zu sehr konsturiert und zu wenig überzeugend. Ja, man braucht alle diese Handlungen, um das Gesamtbild zu sehen und nachvollziehen zu können, aber beim Lesen selbst wirkte es immer eher wie eine Nummernrevue. Der Fall an sich ist einfach zu konstruiert und verschachtelt, um wirklich Lesevergnügen herzustellen. Und auch von dem Strang um Rose hätte ich gerne mehr Hintergrund gehabt, mehr Schilderung und weniger Nacherzählung durch andere Personen. Vielleicht hätte es geholfen, wenigstens diese Handlung anders einzubetten, nicht so auf Teufel komm raus hier mit in den siebten Band einzufügen.

Ach ja - den Titel finde ich dieses Mal vollkommen bescheuert. Er passt weder in die bisherige Reihe, noch wirklich zum Buch an sich. Aber das nur nebenbei ...

[Buchgedanken] Jeffery Deaver - The Steel Kiss

Amelia Sachs ist gerade unterwegs, als sie den Funkspruch hört: der Verdächtige in zwei Mordfällen ist in einem Einkaufszentrum gesehen worden. Zwar kann sie ihn verfolgen, doch bevor sie ihn auch festnehmen kann, geschieht nur wenige Meter entfernt ein furchtbares Unglück: die Falltür in den Motorraum der Rolltreppe gibt nach und ein Mann stürzt hinein. Amelia entscheidet sich, ihm zu helfen, der Verdächtige kann entkommen - und dann stellen Lincoln Rhyme und Mel Cooper fest, dass der Unfall gar kein Unfall war. Die Rolltreppe wurde manipuliert und Hauptverdächtiger ist ausgerechnet der Verschwundene. Ein Täter, der mit Hilfe von der Technik tötet, die uns inzwischen nahezu überall umgibt ...

Erstmal vorneweg ein großes Hurra: Deaver ist endlich wieder abgerückt von seinem Dauerthema des "homemade terrorism". Wir haben einen ganz simplen Mörder, der allerdings nach seinen Taten an die Medien Auszüge aus seinem Manifest liefert, in denen er einen Grund für seine Taten erläutert. Manchmal wünscht man sich die klassischen Serienmörder schon fast zurück, aber so viel ist verraten: natürlich ist beim Meister des Twist wieder einmal nichts so, wie es scheint, und am Ende dreht sich dann doch wieder alles in eine Richtugn, mit der man vorher nicht gerechnet hat. Insofern: alles gut, bei Mister Deaver.

Allerdings hat sich bei den Figuren einiges getan. Lincoln hat der Polizei enttäuscht den Rücken gekehrt und ist inzwischen Dozent an der Universität. Amelia Sachs is endlich mal ihre Knieschmerzen los und steht plötzlich vor ihrem aus dem Knast entlassenen Exfreund. Und plötzlich rollt neben Lincoln auch noch eine Praktikantin im Rollstuhl durch das Labor. Nach elf Bänden war dahingehend ja auch mal endlich eine Entwicklung notwendig, die aber von Deaver ebenfalls mit seiner üblichen "Überraschung!"-Methode serviert wird, was leider nicht ganz so brillant wird, wie er sich das vermutlich vorgestellt wird. Viele der Twists wirken serh konsturiert, weil Deaver einen diesmal sehr viel mehr im Dunkeln tappen lässt, Lincolns üblicheTatoranalysen sind sehr zurückhaltend und ich hatte das Gefühl, Deaver selbst war nicht immer ganz wohl bei den Schlussfolgerungen, die gezogen werden müssen und den dafür zur Verfügung stehenden Beweisen. Er ist auf einem guten Weg zurück zu überraschenden Thrillern mit dem gewissen Etwas, der nächste Band dürfte - wenn er so weiter macht - schon wieder besser werden. Hurra!

[Buchgedanken] Victoria Twead - Two old Fools on a Camel

Eigentlich sind Victoria und ihr Mann Joe ganz zufrieden. Daas pensionierte Lehrerehepaar ist von England nach Spanien ausgewandert und lebt friedlich mit seinen Hühnern in einem kleinen beschaulichen Dorf. Aber dann treibt es Joe doch wieder ans Unterrichten, denn im Internet findet er das Angebot, für ein Jahr und sehr gutes Geld im Nahen Osten zu unterrichten. Genauer gesagt in Bahrain, und die beiden packen nach erfolgreicher Bewerbung kurzerhand die Koffer. So schwer kann es ja nicht sein, an einer Privatschule dem hoffnungsvollen Nachwuchs die Feinheiten der englischen Sprache und der Mathematik beizubringen ...

Ich habe das Buch über ein Gratisangebot bei amazon zusammen mit zwei anderen der Autorin als ebook bekommen und dachte mir "och wie cool, Bahrain, das interessiert mich jetzt". Auch der dezente Hinweis auf dem Titelbild, es hier mit einem Bestseller der New York Times zu tun zu haben, hat mich ein wenig beeinfflusst bei der Auswahl. Aber irgendwie ... ich weiß auch nicht.

Bei dem Buch handelt es sich ganz klar um einen netten autobiographischen Text. Ein wenig fühlt man sich wie bei Tante Trudi, die das Fotoalbum zückt und erzählt - der Eindruck wird verstärkt durch die in den text eingefügten privaten Schnappschüsse von Victoria, Joe und ihren Freunden. Das ist nett und gibt so ein bisschen Lokalkolorit, außerdem hat man so natürlich sofort die Leute richtig vor Augen, die von Victoria geschildert werden. Leider finde ich ihre schriftstellerischen Fähigkeiten aber ein wenig begrenzt, änlich wie Tante Trudi ergeht sie sich im Widerholen und reitet Anekdoten tot, die schon beim ersten Mal eher für die lusitg sind, die dabei waren, als für jemand Fremden. Keine dieser Erinnerungen wird dabei mal literarisch verarbeitet, sondern sie sind halt ohne Höhepunkt einfach da. Was hätte man satirisches aus dieser etwa überengagierten Mutter machen können, die Victoria von Tag 1 an mit Emails bombardiert, wie sie die Lernerfolge ihrer Tochter noch mehr stärken kann ("die andere Klasse hat drei Vokabeln mehr eingetragen ...").

Besonders absurd wird das dann, als die Ereignisse des Arabischen Frühling, den die Tweads direkt miterleben, in der Geschichte auftauchen und man sich des Eindrucks nicht erwehren kann, dass das für Victoria auch nicht mehr ist als beschauliche Kulisse. Spätestens da hatte mich das Buch als Leser wirklich verloren, mir war das zu oberflächlich und zu banal alles. Mal schauen, ob ich die anderen Teile überhaupt noch lese, wirklich Lust habe ich nicht drauf :-(

Mittwoch, 8. März 2017

[Rezensionsexemplar] Catherine Simon - Bitterer Calvados

Deauville im Frühling. Bereits zum fünften Mal lockt der Ort mit seinem Krimi-Festival "Mord am Meer" die Besucher an. Und diesmal ist es den Organisatoren sogar gelungen, den berühmten Bestsellerautor Jean-Paul Picard für eine Lesung zu engagieren. Der Autorenabend ist ein voller Erfolg. Doch am nächsten Morgen liegt Picard tot in seiner Hotelsuite. Das Letzte, was er zu sich genommen hatte, war ein Calvados – und der hatte es in sich: Picard wurde vergiftet ...

Hach ja, ich hatte das Bedürfnis nach einem netten Krimi, den man beim Stillen nebenbei lesen kann und der nicht allzu sehr wehtut. Da habe ich beim bloggerportal einen Glücksgriff getan, denn diesen Anspruch erfüllt "Bitterer Calvados" hervorragend. Dass es sich hier um den dritten Band handelt, macht dem Lesevergnügen nichts aus, denn man wird schnell mit den Figuren vertraut und erhält genügen Informationen, sich zurechtzufinden in der beschaulichen normannischen Provinz. Hübsch ist es da ja schon, ich habe mich ganz wohl gefühlt beim Lesen, wäre gerne gemeinsam mit Leblanc zum Essen gegangen oder hätte das Krimifestival besuchen wollen. Die Figuren sind mit genügend Wiedererkennungswert ausgestattet, dass man sie ins Herz schließen kann, und der Fall wird nett erzählt.

Allerdings bin ich nicht ganz zufrieden mit dem Buch. Das liegt an zwei Gründen, die ein wenig ineinander greifen. Ich hatte beim Lesene infach ein bisschen zu sehr das Gefühl, eine Folge "Derrick" zu genießen. Relativ schnörkellos geht der Fall voran und man kann sich als Leser fast sicher sein, dass die Figur oder der Hinweis, die jetzt neu eingeführt werden, dem Verlauf der Geschichte dient und keinen Nebenschauplatz eröffnet. Ich schreite einen gut ausgebauten Wanderweg entland und genieße die Aussicht, eine Abwechslung zu dem Unterholz, durch das man sich bei anderen Krimis schlagen muss Aber eben auch irgendwie ... nciht direkt langweilig, aber halt wenig spannend. Wie "Derrick" eben. Parallel will die Autorin aber zumindest ein wenig mehr "Mensch" in den Kriminalkommissar bringen als es im ZDF der Fall war, und das bedeutet, dass etliche Seiten (und gegen Ende, für meinen Geschmack zumindest, viel zu viele davon) dem doch recht belanglosen Herzschmerz von Leblanc gewidmet werden, der grade ine Midlifecrisis durchmacht und sich in die sympathsiche junge Nachbarin verknallt. Naja, muss man mögen, ich fand es eher ein wenig lächerlich und habe innerlich die Augen verdreht bei seinen inneren Monologen. Gerade dadurch hatte ich dann am Ende des Buchs das Gefühl, zwar ein ganz kay-es Buch gelesen zu haben, aber mehr auch nicht. Der Wunsch, wieder zurcük ans Meer zu kehren und weitere Bände zu lesen, ist bei mir jedenfalls nur bedingt eingetreten. Schade eigentlich :-(

Donnerstag, 23. Februar 2017

[Fastnachtslesen_2017] Mögen die Spiele beginnen

Hach ja, Fasching ... Ich vermisse es hier auf der Insel kein bisschen. Meine Schwiegermutter-in-spe und ich haben vorhin mein Fotoalbum durchgeschaut und sie war wiklich schwer begeistert von den Faschingskostümen meiner Kindheit. Ich weiß noch nicht genau, ob ich es schade finde, dass das Babymonster das nicht erleben wird, aber zur Zeit bin ich wirklich froh, zum ersten Mal den Fernseher einschalten zu können, ohne Karnevals-Tääätäää zu hören.

Ich mache es mir heute Abend definitiv auf der Couch gemütlich und werde den Abend weniger zum Lesen nutzen, sondern eine Bestnadsaufnahme für den Blog machen: wie groß ist mein SUB jetzt eigentlich? Danach werde ich versuchen, meinen fire zu updaten und wenn das gelugen ist, mache ich mich buchtechnisch auf nach Baraihn. Ein update gibt es später am Abend :-)

Update, 20:58 Greenwich Time:

Wow. 73 Bücher. Das ist dann doch weniger, als ich gedacht habe. Ich habe den Umzug genutzt und doch einige Bücher aussortiert, von denen ich denke, dass ich sie nie gelesen hätte, selbst wenn sie im Regal standen. Die, die jetzt da sind, sind eine bunte Mischung aus aktuellen Büchern, Klassikern und Spontankäufen, denen ich nicht aus dem Weg gehen kann.

Ans Lesen mache ich mich aber jetzt definitiv am fire und es wird "Two old Fools on a Camel" von Victoria Twead, über ihr Leben als Austauschlehrer in Barain. Na dann mal los, auf geht's :-)

Montag, 20. Februar 2017

[Rezensionsexemplar] James Oswald - Die Gräber der Vergessenen

In einer tiefen Schlucht nahe Edinburgh wird die Leiche eines Mannes gefunden, fürchterlich zugerichtet und über und über mit Tattoos bedeckt. Kaum hat Inspector Tony McLean den Tatort besichtigt, versetzt ein weiteres schockierendes Verbrechen die schottischen Behörden und Medien in Aufruhr: Der Politiker Andrew Weatherly hat zuerst seine Frau und seine beiden kleinen Töchter erschossen, dann sich selbst. Warum lief der angesehene Mann plötzlich Amok? McLean soll für rasche Aufklärung des Falls sorgen. Doch als er einen Zusammenhang zwischen dem tätowierten Toten, der Familientragödie und den einflussreichen Kreisen Edinburghs entdeckt, begibt er sich auf gefährliches Terrain ...

Ach du liebe Güte. Das war mein Gedanke, der beim Lesen dieses Buchs immer mehr in den Vordergrund trat. Was klang, wie ein fast schon vom Schwedenkrimi infiltrierter Ausflug nach Schottland, entpuppte isch als ein handfester Mystery-Krimi, bei dem eine übernatürliche Lösung angeboten wird, die man erstmal schlucken können muss. Darauf war ich wirklich nicht vorbereitet und irgendwie vergisst das der Goldmann-Verlag in der Beschreibung dieser Serie auch ein wenig (genuso, wie die Tatsache, dass es eine Serie ist, das hier ist Band 4, was aber nicht so richtig aus dem Klappentext deutlich wird).Deshalb bin ich, ehrlich gesagt, nicht wirklich begeistert vom Buch, das in anderer Hinsicht wirklich gut zu lesen war.

Auf der Positivseite stehen vor allem die Atmosphäre Schottlands im Winter, die Oswald hervorragend einfängt, und eine Hauptfigur, die ein wenig wie der sympathischere Cousin von Wallander wirkt. McLean ist knorrig und knurrig, er ist misstrauisch gegenüber "denen da oben", aber das Ganze ist nicht so extrem gekoppelt an diese Weltuntergangsstimmung aus Schweden, sondern es besteht durchaus Hoffnung, dass der mürrische Haudegen etwas ändern könnte. Das hat mir gut gefallen und war es vielleicht auch, was mich mit dem Buch doch noch einigermaén versöhnt.

[Rezensionsexemplar] Simone van der Vlugt - Tiefe Stiche

Die erste Frau wird auf dem Parkplatz eines Supermarkts niedergestochen. Die zweite in einem Wohngebiet. Kurz darauf wird eine Schwerverletzte auf einem Radweg mit knapper Not gerettet. Ganz Alkmaar steht unter Hochspannung: Wen wird es als Nächstes treffen? Kommissarin Lois Elzinga hat weder eine brauchbare Spur noch ein hilfreiches Täterprofil. Jemand scheint wahllos Frauen anzugreifen. Erst als der Täter wieder zuschlägt, begreift Lois, wie viel dieser Fall mit ihr selbst zu tun hat – und wie wenig Zeit ihr bleibt …

Eins vorneweg: Lieber Diana-Verlag, könnt ihr aufhören, alles, was einen Serientäter beinhaltet, automatisch als Thriller anzupreisen und stattdessen ma sagen, was das Buch ist: ein verdammt guter Kriminalroman, in dessen Mittelpunkt nicht etwa der Thrill steht, sondern ganz solide Polizeiarbeit? Das würde dem Buch nämlich so viel gerechter werden!

Ich war, das kann man merken, anfangs auf etwas anderes eingestellt und hätte das Buch dann fast zu betulich gefunden. Dass dem nicht so war, liegt vor allem an der Fähigkeit der Autorin, einen solcehn Lesefluss zu entwickeln, dass ich einfach weiterlesen musste. Das Buch wird in zwei Handlungsebnen erzählt, man erfährt immer mehr über die geschichte der Kommissarin, die ich persönlich wirklich gut gezeichnet finde. Dass es sich hier um den dritten Teil einer Reihe handelt, wusste ich nicht, aber das hat für mich nicht wirklich einen Unterschied gemacht, van der Vlugt geht nicht den Weg, die Hauptfigur immer mehr zum dramaturgischen Mittelpunkt werden zu lassen. Stattdessen werde ich als Leser Teil der Ermittlungsakte, ich verfolge Spuren, laufe ins Leere und verusche, eine Verbindung zwischen meinen (im Gegensatz zur Polizei ein wenig weiterreichenden) Informationen zu sehen. Gefoppelt ist das ganze dann an eine schöen Figurenzeichnung, bei der mir die Hauptfigur immer sympathsciher wird, obwohl sie mit Ecken und Kanten ausgestattet ist. Für mich ist das der klare Pluspunkt dieses Krimis und genau der Grund, warum ich ihn weiterempfehle.

[Rezensionsexemplar] Wiebcke Gericke - BabySignal. Mit den Händen sprechen

Das Angenehme in einer deutsch-englischen Beziehung ist, dass das Baby gezwungenermaßen zwei Sprachen lernt. Das Problem dabei: es wird vermutlich erst einmal extrem verwirrt sein, was die beiden Sprachen betrifft. Um dem Abhilfe zu schaffen, wollte ich mich mal etwas genauer einlesen in Babyzeichensprache, mit deren Hilfe Kinder schon vor dem Spracherwerb kommunizieren können.

In ihrem Buch zeigt die Autorin zunächst einmal in einem Theorieteil, was Babyzeichensprache eigentlich ist, woher sie kommt und welche Möglichkeiten sie bietet. Man sollte nicht erwarten, dass man zweimal ein Zeichen macht und das Neugeborene antwortet. Meist wird so ab etwa acht Monaten ein erstes Imitieren der Gesten stattfinden, die dann mit zehn Monaten auch durchaus bewusst eingesetzt werden. Es ist also, wie das normale Sprechen mit dem Baby, erstmal eine sehr einseitige Angelegenheit. Und genau hier liegt meiner Meinung nach das Problem des Buches.

Angeschlossen an den Theorieteil folgt dann nämlich eine vielzahl nach Altersttufen sortierter Babyzeichen in sehr schönen Fotos, bei denen die Erklärungen manchmal aber für mich sehr kompliziert gehalten waren. Das heißt, dass ich mir die Gebärden erst einmal selbst erarbeiten muss und mich dann daran erinnern muss, was ich eignetlich gemacht habe, sollte ich das beim Kind anwenden wollen. Ansonsten sind im Buch aber, zumindest für mich, viel zu wenig Tipps für die konkrete Umsetzung von Babyzeichen - und genau das hätte ich mir aber gewünscht. Es ist eher eine Art Lexikon mit Theorieteil, das macht es aber für mich extrem schwer, mit dem Buch wirklich einzusteigen. Ohne einen Kurs, den ich parallel zum Lesen zufällig begonnen habe, hätte ich nicht wirklich Ideen, wie ich die Signale einem Baby spielerisch vermittele und ind en Alltag einbauen kann.Das wäre vielleicht eine Idee bei der nächsten Überarbeitung, dass man ein paar Ideen einfügt, statt noch mehr Anwenderinnen zu Wort kommen zu lassen, die immer wieder erzählen, welche Erfahrungen mit Babyzeichen sie gemacht haben.

{Rezensionseemplar] Mein Babyalbum

Wie lange war ich eigentlich auf der Suche nach einem Babyalbum, in dem ich alles, aber auch alles festhalten kann? Mindestens seit der Geburt. Und fündig wurde ich dann per Zufall beim bloggerportal - ich dachte mir, ich kann nichts falsch machen mit einem Rezensionsexemplar und habe jetzt allen Erstes zwei weitere Exemplare davon schon verschenkt.

Für mich ist das Buch hier rundum gelungen. Das fängt bei der Aufmachung an, die zwar kindgerecht und niedlich ist, aber nicht dieses überbordend-kitschige oder extrem-betuliche Element hat, das so viele Babyalben besizten. Diese frische Aufmachung merkt man beispielsweise bei den Erinnerungsfragen in den Kapiteln, bei denen nicht nur das klasssiche "Was hast du gedacht, als du dein Baby zum ersten Mal gesehen hast"-Heititei beantwortet, sondern auch mal Raum für Anekdoten hat. Der sehr ausführliche Teil zu den Meilensteinen hat es mir aber besonders angetan, das ist einfach schön gemacht und man schwelgt quasi beim Durchblättern schon in der Vorfreude. Dass man dann auch noch richtig viel Platz für Fotos hat, ist ein weitere Pluspunkt.

Die Verantwortlichn für dieses Buch haben sich wirklich Gedanken gemacht, das merkt man. ja, ich gestehe, ich bin ziemlich begeistert und ich freue mich ehrlich schon aufs Ausfüllen (wann werde ich nur je dazu kommen?) und auf das Erinnern. Das Buch ist nicht nur nett für die Kinder später, sondern auch schon für die Eltern während man die babyzeit erlebt. :-) 

{Rezensionsexemplar] Marianne Austermann/Gesa Wohlleben - Zehn kleine Krabbelfinger

Die ersten Wochen mit einem Baby sind super-easy: sie schlafen fast nur, essen dazwischen, und man selbst könnte den ganzen Tag nur auf dieses quietschige Windelbündel starren und es anhimmeln. Spätestens nach acht Wochen aber kommt dann doch die Frage auf, ob das reicht. Ich bn immer halb wahnsinnig vor Selbstzweifeln, ob ich nicht mehr fördern müsste oder sich das Kind hier vielleicht langweilt. Da war es ganz gut, dass mir dieses Buch beim Bloggerportal vorgeschlagen wurde.

Nach einer kurzen theoretischen Einführung geht es kapitelweise rein in die Vollen der pädagogischen Babyunterhaltung. Fingerspiele, Gesang (einfach nur neue Texte uf bekannte Lieder, was ich so oder so schon die ganze Zeit mache), Bastelanleitungen aus Haushaltsmaterialien, und alles, was Babys Sinne so ansprechen könnte. Vor allem die Schaukelspiele haben es meinem ja angetan, aus irgendwelchen Gründen findet er es super, zu kippen oder zu springen und zu schaukeln. Da bietet das Buch für mich wirklich eine reiche Auswahl, denn bisher beschränkte sch das Repertoire hier auf "Hoppe hoppe Reier".

Mir gefällt vor allem die sehr fröhliche Aufmachung des Buches. Bilder, schöne Formatierung und extrem hilfreiche Anleitungen, was man mit Fingern, Händen oder anderen Körperteilen anfängt während der Spiele, führen mich gut durch und ich kann die Sachen sofort umsetzen. Die zwischengeschalteten Basteleinheiten sorgen dann auch beim Blättern für Abwechslung. Mit dem Buch erhält man wahnsinnig viel und guten Input und kann es mit Sicherheit die gesamte Babyzeit über nutzen. Ich werde es jedenfalls ;-)

[Zeit zum Lesen] Es ist Zeit zum #Fastnachtslesen






Kerstin von wörterkatze hat es letztes Jahr ins Leben gerufen und auch dieses Jahr ist es wieder so weit: für die Karnevalsmuffel und Nicht-ganz-so-Jecken gibt es zwischen Weiberfasching und Faschingsdienstag das Fastnachtslesen 2017. Und für mich findet es dieses Jahr auch statt :-)

Zwar habe ich den Großteil des Tages eine kleine milchfordernde Pupsmaschine bei mir, aber was macht das schon - die Abende gehören weiterhin den Büchern und ich würde mich freuen, wenn ich das mal ein bisschen ausweiten könnte. Vor allem wird es aber ganz spannend, euch mal direkt an meinem Lesen teilhaben zu lassen, von daher: helau! ;-)