Donnerstag, 5. Oktober 2017

[Rezensionsexemplar] Virginia Baily - Im ersten Licht des Morgens

Bevor an einem Morgen im Jahr 1943 die Sonne aufgeht, tritt Chiara im besetzten Rom auf die Straße. Noch ahnt sie nicht, dass sie an diesem Tag einem kleinen Jungen das Leben retten wird. Doch als sie Daniele begegnet, verbinden sich ihre Schicksale unwiderruflich miteinander. Chiara nimmt ihn allen Widrigkeiten zum Trotz an wie einen Sohn. Aus Liebe tut sie fortan alles, um ihn zu schützen – und aus Liebe begeht sie nach Kriegsende einen folgenschweren Verrat …

Meine Liebe zu düsteren Familiengeheimissen hat mal wieder zugeschlagen, als ich mir dieses Rezensionsexemplar beim Bloggerportal ausgesucht habe. Allerdings muss ich gestehen, dass ich mich dann doch ein bisschen durch dieses Buch habe quälen müssen, statt es in einem Ruck lesen zu wollen. Das liegt vor allem an zwei großen Kritikpunkten.

Nummer eins ist, dass die Geschichte einfach nicht wirklich neu oder spannend ist, sondern so wahnsinnig belanglos runtererzählt wird. Keine der Figuren ist wirklich ausgearbeitet, Maria ist einfach nur ein klischeebehafteter Teenager (mti riesigen Brüsten, aha), die mir ehrlich gesagt meistens auf den Geist gegangen ist. Chiara war in ihrem Verhalten so uneindeutig, dass ich sie nicht lieb gewinnen konnte. Und die anderen Figuren waren alle so wenig relevant, dass sie mir wirklich egal waren.

Zweitens, und das hat mir das Lesen wirklich schwergemacht, werden viele Sachen einfach gar nicht erzählt. Das Buch plätschert unspektakulär dahin und wirklich spannende Stellen passieren in zwei Zeilen, die man fast schon überliest. Baily ist einfach keine Erzählerin, die mich als Autor bei der Stange halten kann, und die Lesezeit hat sich wirklich gezogen wie Kaugummi. Dabei wäre das ein solider Roman gewesen ...

Montag, 2. Oktober 2017

[Rezensionsexemplar] Peter Wensierski - Die unheimliche Leichtigkeit der Revolution

Sie sind jung, sie sind frech, sie verweigern sich dem System und fordern den Staat heraus. Sie wollen sich nicht mehr anpassen. Sie wohnen gemeinsam in Abrisshäusern, planen in langen Nächten am See ihre nächsten Aktionen, drucken heimlich Flugblätter, feiern in ihrer illegalen Nachtbar, bis der Morgen anbricht, und demonstrieren am Tag in der ersten Reihe. Sie werden verfolgt, aber mit jeder neuen Aktion verlieren sie ein Stückchen mehr Angst und die Diktatur an Kraft. Deutschland erlebt von Leipzig aus zum ersten Mal in der Geschichte eine gelungene Revolution. Die wahre Geschichte einer ungewöhnlichen Gruppe junger Leute, die einen Kampf führen, den andere für aussichtslos halten. Und die spannend zu lesende Nahaufnahme eines wichtigen Augenblicks der deutschen Geschichte ...

Ich hatte so Lust auf ein Sachbuch, dass ich beim Bewerben für dieses Rezensionsexemplar lauthals "Ja!" gerufen habe. Das Ende der DDR und die Revolution in Leipzig sind so völlig unterrepräsentiert im Geschichtsbewusstsein, dass ich daran auch bei mir was ändern wollte. Und tatsächlich habe ich ein verdammt gutes Buch bekommen, bei dem ich aber zunächst spürbar irritiert war.

Wensierski wählt für sein Buch nämlich einen ungewöhnlichen Stil. Statt ein reines Sachbuch zu schreiben und mit Fußnoten angereichert über die DDR zu berichten, erzählt er wie in einem Roman. Als Leser werden mir eine Vielzahl von Personen vorgeführt, bei denen ich gelegentlich den Überblick verliere. Da htte ich es wirklich hilfreich gefunden, wenn die Bildtafel, die sich beim Ebook im Anschluss an die Erzählung befindet, vielleicht aufgeteilt und beim ersten Auftreten er Personen auftauchen würde. Auch die anderen Bilder fand ich persönlich eher schlecht angebracht, warum nicht dann, wenn die Handlung stattfindet, statt gesammelt im Anschluss? Ich leide mit ihnen, freue mich mit ihnen, bewege mich zwischen diesen ganzen Leuten, da wäre ich gerne während des Lesens zumindest optisch mit ihnen und ihren Aktionen verbunden.

So nah ist mir im Buch die Revolution, dass ich mich immer wieder frage, ob das, was ich da lese, wirklich so passiert ist - es klingt so unglaublich easy, mal eben einen Staat zu Fall zu bringen. Andererseits, wir reden von einem Staat, dessen abgeschottete Grenze 1989 durch einen überforderten Mann bei einer Pressekonferenz in einem Nebensatz unbeabsichtigt geöffnet wurde, da ist es fast schon logisch, dass bereits im Vorfeld alles drunter und drüber gegangen sein kann. Durch die gewählte Erzählperspektive bleibt Wensierki es aber ein wenig schuldig, für mich interessante Hintergrundinformationen zu liefern, zum Beispiel, was die Rolle der Kirche in der DDR angeht. Das ist aber der einzige Kritikpunkt, denn insgesamt bin ich wirklich schwer begeistert von diesem Buch, das einen Blick bietet hinein in ein Land, das mir immer noch völlgi femd ist.

[Rezensionsexemplar] Alex Beer - Der zweite Reiter

Wien, kurz nach dem Ende des Ersten Weltkriegs: Der Glanz der ehemaligen Weltmetropole ist Vergangenheit, die Stadt versinkt in Hunger und Elend. Polizeiagent August Emmerich, den ein Granatsplitter zum Invaliden gemacht hat, entdeckt die Leiche eines angeblichen Selbstmörders. Als erfahrener Ermittler traut er der Sache nicht über den Weg. Da er keine Beweise vorlegen kann und sein Vorgesetzter nicht an einen Mord glaubt, stellen er und sein junger Assistent selbst Nachforschungen an. Eine packende Jagd durch ein düsteres, von Nachkriegswehen geplagtes Wien beginnt, und bald schwebt Emmerich selbst in tödlicher Gefahr...

 Ich finde es ja toll, in meinen Büchern immer mal neuen Input zu bekommen. Und Österreich nach dem ersten Weltkrieg ist in meiner Literaturliste bislang eher selten vorgekommen, deshalb war ich froh und glücklich, dieses Rezensionsexemplar vom bloggerportal zu bekommen. Und tatsächlich bin ich mit einem ziemlich rasanten Kriminalstück belohnt worden, das mich ein wenig zu sehr durch Wien gehetzt hat. Leider, muss ich sagen, denn dadurch bleibt immer ein bisschen was auf der Strecke. In diesem Fall ist es die Konzentration auf die Krimihandlung, die einfach nicht ausgefeilt genug ist. Immer wieder werde ich als Leser von einem Ort zum nächsten gebeamt, werde mit Fakten überrascht, die nicht ermittelt, sondern eher "in den Weg geschmissen" werden, alles bloß, damit mir zum drölfzigsten Mal erklärt wird, dass Emmerichs Bein schmerzt. Und dann wird mir am Ende ein Mörer präsentiert, den ich nicht erwischen konnte, weil die Info, wer er ist, nur von Emmerich gelesen, vom Autor aber verschwiegen wird. Ich als Leser finde sowas immer ein wenig unfair und hab mich wirklich geärgert, vor allem, weil auch das Motiv schon so nebenbei erläutert wurde. Was mir auf jeden Fall zugesagt hat, waren August Emmerich, ein sehr kantiger Charakter, und dessen Interaktion mit seiner Umwelt. Insbesondere die Beziehung zu seinem Assistenten wandelt sich im Lauf des Buchs und man bekommt ein wenig mehr Variation als das, was man anfangs vermutet.

Auch der historische Hintergrund wird so abgehandelt, das ist so ein bisschen Highlight-Aneinanderreihung, die man ja sowieso kennt, aber so wirklich Atmosphäre tanken konnte ich nicht. Da finde ich die Bücher von Volker Kutscher gelungener, der sich aber eben auch hundert Seiten mehr Zeit nimmt. Und die hätten diesem Buch hier sehr gut getan. Es ist kein schlechter Krimi, absolut nicht, aber für mich fehlen hier die schriftstellerische Feinarbeit. Okay, aber kein wirkliches Highlight.

Montag, 11. September 2017

[Rezensionsexemplar] Carla Berling - Mordkapelle

Ein malerischer Sommerabend auf dem Land. Als die Lokalreporterin Ira Wittekind zur brennenden Friedhofskapelle in Rehme gerufen wird, findet sie ein schauriges Szenario vor: In der Ruine steht ein Rollstuhl vor dem Altar, der Mann darin ist tot. Es handelt sich um den angesehenen Apotheker Ludwig Hahnwald, allen bekannt als der schöne Ludwig. Ira Wittekind beginnt zu recherchieren. Dabei stößt sie auf ein dichtes Geflecht aus Lügen, Intrigen und verratener Liebe. Und auf ein grauenhaftes Unrecht, das vor vielen Jahren begangen und nie gerächt wurde ...

Es tut mir richtig Leid, die folgende Rezension zu schreiben, weil ich so furchtbar undankbar wirken muss. Da kriege ich schon gratis vom Bloggerportal ein Buch, und dann schlittert es haarscharf an einem Cody vorbei - der einzige Grund, warum ich das dch nicht gemacht habe, war, dass ich mich über das Buch nicht genug geärgert habe.

Zuerst einmal sollte man festhalten, dass das Buch eigentlich Band 4 einer Serie ist, aber die ersten drei Bände von der Autorin noch im Selbstverlag herausgebracht wurden, bevor sie von Heyne unter Vertrag genommen wurde. Und ehrlich gesagt, habe ich mich gefragt, wie sie das geschafft hat - hat sich da Heyne einfach nur von den Verkauszahlen blenden lassen? Der gesamte Schreibstil wirkte auf mich sehr unbeholfen und konstruiert, gerade bei den Zeitungsberichten, die klangen, als würde da ein Sechstklässler um jeden Preis Wortwiederholungen vermeiden wollen. Aber auch sonst war der Stil sehr simpel und las sich ein wenig wie ein Schüleraufsatz. Ein guter Aufsatz, natürlich, aber halt nicht wie ein richtig gutes Buch.Der gesamte Plot wirkt überkonsturiert und hat mich sehr an einen Krimi erinnert, den ich mit 15 geschrieben habe - nicht inhaltlich, sondern vom Aufbau her. Möglihst viel, möglichst spekatkulär, und dann ist am Ende der böse Schurke, der aus dem Hut gezaubert wird und sein Motiv beschaulich erklärt.

Als ich anfing zu lesen und feststellt, dass Pia eine knapp 50 Jahre alte Frau ist, war ich erst ein wenig irritert, dann dachte ich, dass das mal was anderes ist. Allerdings hat mich Pia als Figur einfach nicht überzeugt. Sie verhält sich eher wie das Mitglied einer Schülerzeitung als wie eine altgediente Reporterin, dieser Kleinkrieg mit einem gemeinem Online-Boulevardjournalisten leist sich schon ser klischeebehaftet, um Pia als den Engel der Gerechtigkeit aufzubauen. Mein Gott, diese Fragen, die sie stellt und die so offensichtlich ihr Ziel verraten, aber bei jedem direkt eine Laberstunde auslösen ... Ihr Privatleben hat mich ziemlich kalt gelassen und ehrlich gesagt, nehme ich diese Entwicklung am Schluss nicht wirklich ab, weil das so diametral zu dem ist, was sie bslang gepredigt hat. Auch die anderen Figuren überzeugen mich wirklich kein Stück. Sei es die Tatsache, dass alle Männer ihr Haar "eine Spur zu lang" zu tragen scheinen (ehrlch, die Beschreibung ist bei mir so hängen geblieben!) oder die beiden Tantchen im Nebenhaus, die den ganzen Tag über Schnaps zu saufen scheinen. Insbesondere der hier versuchte Dialekt wirkte sowas von extrem nervig beim Lesen, dass ich das gerne überblättert hätte, aber die Autorin hat die Angewohnheit, genau hier irgendwelche Informationen einzustreuen, die man benötigt, um in der Geschichte voranzukommen.

Nein, ehrlich, Carla Berling kann ich nicht empfehlen :-(

[Rezensionsexemplar] Kristina Ohlsson - Bruderlüge

Martin Benner befindet sich in der Hand von Unterweltboss Lucifer, der ihm den Auftrag erteilt, Mio zu finden – den Sohn der Serienmörderin Sara Texas. Wohl fühlt sich Benner damit nicht, schließlich arbeitet er nun für denjenigen, der Sara solche Angst einjagte, dass sie von einer Brücke gesprungen ist. Doch damit nicht genug: Jemand ist dabei, Benner zwei Morde anzuhängen, und er hat keine Ahnung, wer das ist. Als Benner von seiner eigenen Vergangenheit eingeholt wird, begreift er, dass er nicht durch Zufall in die ganze Geschichte geraten ist, sondern dabei eine wichtige Rolle spielt ...

Ich war ja einerseits nicht ganz begeistert von "Schwesterherz", dem ersten Band dieses Doppelthrillers, wollte aber um jeden Preis wissen, wie es weitergeht. Also habe ich das Buch dann doch als Rezensionsexemplar erhalten, und mich erneut erst einmal sehr an Martin Brenner gewöhnen müssen. Der Typ geht mir einfach so gepflegt auf den Senkel, wie ich es selten bei einer Figur erlebt habe. Auch Lucy, seine Freundin, habe ich nicht mehr wirklich glaubhaft gefunden - entweder ist sie völlig hohl oder sowas von Verlassensängsten geplagt, dass sie ihm alles durchgehen lässt. Nee, nicht mein Fall, wirklich nicht.

Rasant führt Ohlsson ihre Leser durch eine Geschichte, die klar spannend ist, aber eben auch in diesem Band spürbar mehr holpert und immer unglaubwürdiger wird bis zu einer, meiner Meinung nach, wirklich völlig verhunzten Auflösung, bei der ein Täter mit einem Motiv präsentiert wird, das diesen gesamten Aufwand vorher völlig unlogisch erscheinen lässt. Klar, mit ihm werden wirklich alle Fäden, die bis dahin gespannt wurden, miteinander verknotet und alle Fragen beantwortet, aber mich lässt das alles mit einem großen Fragezeichen zurück, das den Satz "Dafür das alles" abschließt.

Alles in allem, ist das Buch natürlich wieder temporeich, aber ich würde es jetzt nicht sofort empfehlen, wenn jemand sagt, er hätte gerne einen spannenden Thriller.

[Rezensionsexemplar] Jeremy Massey - DIe letzten vier Tage des Paddy Buckley

Seit dem Tod seiner Frau vor zwei Jahren arbeitet Paddy Buckley in seinem Beruf noch mehr als früher schon. Er ist mit Leib und Seele Bestatter und versucht, den Hinterbliebenen zur Seite zu stehen. Doch an einem Montag beginnen die Probleme. Erst stirbt eine Witwe, die Paddy zwecks Gestaltung der Trauerfeier ihres Gatten besucht, mitten in einem ungeplanten Sexakt, und dann überfährt er auch noch versehentlich den Bruder von Dublins Gangsterboss. Der schwört dem anonymen Fahrerflüchtigen Rache und holt ausgerechnet Paddy als Bestatter zu sich - und damit beginnen die vier letzten Tage des Paddy Buckley ...

Das Buch klang im Klappentext extrem vielversprechend, muss ich sagen, und deshalb habe ich beim Bloggerportal zugeschlagen. Tatsächlich hat mir das Buch anfangs dieabendliche Stillrunde sehr versüßt, denn Massey schreibt sehr frisch drauf los und hat eine Hand für absurde Komik und das richtige Gespür für das Tempo in Komödien. Alleine schon die Schilderung von Paddys Besuch bei der Witwe nebst aller Ereignisse war wirklich großartig und hat sehr viel Spaß gemacht. Dementprechend machte ich mich gefasst auf eine schwarz angehauchte Komödie, alleine schon durch das Bestatterumfeld. Allerdings wechselte das dann im Laufe der nächsten Seiten sehr drastisch, denn sobald Paddy Fahrerflucht begeht, besteht das Buch effektiv nur noch aus Flucht und einer Anerinanderreihung von sehr klischeehaften Gangsterfiguren. Diesen Dreht von der schwarzen Komödie zu einem vergnüglichen Thriller habe ich Massey einfach nicht abgenommen, und je mehr Zeit verging, desto mehr hat mich eigentlich alles genervt, was das Buch vorher wirklich gut gemacht hat. Die Figuren wurden und agierten immer unglaubwürdiger, das Ende vor allem war sehr an den Haaren herbeigezogen und für meinen Geschmack zu friedfertig. Insgesamt hat mich das Buch also ... nein, nicht direkt enttäuscht, aber es hat es nicht geschafft, die anfangs gesetzten Erwartungen wirklich zu erfüllen. Schade eigentlich :-(

Donnerstag, 24. August 2017

[Rezensionsexemplar] Roope Lipasti - Sauna mit Nachbar

Er lebt auf einem alten Bauernhof im ländlichen Finnland und hat nichts zu tun – für einen alleinstehenden Geschichtslehrer um die fünfzig können die Sommerferien sehr lang sein. Da bietet der chaotische Nachbar ein dankbares Forschungsobjekt. Er ist begeisterter Heimwerker, bringt jedoch keines seiner ambitionierten Projekte zu Ende. Gerade hat er ein neues angefangen, eine Sauna. Der Geschichtslehrer bemerkt, dass seine schöne Nachbarin das Projekt ihres Mannes nicht unterstützt, und beginnt, es ebenfalls zu sabotieren. Als sich der Nachbar versehentlich mit einer Nagelpistole in den Bauch schießt und ins Krankenhaus muss, sieht der Geschichtslehrer seine Chance gekommen, das Herz der Nachbarin zu erobern ...

Wow, selten sind meine eigene Einschätzung und die aller anderen Leser bei einem Buch so weit voneinander entfernt. Ich hatte mir diesen Roman auch aufgrund der sehr begeisterten anderen Rezensenten als Rezensionexemplar ausgesucht. Darüber hinaus habe ich noch nie bewusst einen finnischen Autor gelesen, und dann gleich einen finnischen Satiriker, das klang doch gut. Allerdings musste ich schon nach ungefähr zehn Seiten erkennen, dass finnischer Humor und ich nicht kompaktibel zu sein scheinen.

Ehrlich, ich fand das Buch überhaupt nicht erheiternd oder lustig oder was auch immer. Die Hauptfigur, der Ich-Erzähler, ist unsympathisch und ich finde ihn als Satire auch nicht sonderlich überzeugend, dazu ist er nämlich nicht überzeucnet genug. Er ist ein arrigantes Arschloch und selbst die Tatsache, dass er Witwer ist, löst bei mir keine Sympathie aus. Der übereifrige Nachbar wirkt genauso wenig glaubwürdig oder übertrieben, sondern stolpert halt so vor sich hin, die Kinder und die Frau sind blasse Stichwortgeber. Je länger ich gelesen habe, desto  mehr habe ich mich gefragt, wer für dieses Buch wohl die Zielgruppe ist, und ich glaube, das sind Leute, deren Lachen immer eher so ein "hö hö hö" ist, die Witze gerne "köstlich" finden und die sich, auch wenn sie es nie zugeben würden, gerne für ein wenig klüger als ihre Umgebung halten. Also genau solche Leute wie die Hauptfigur.

[Rezensionsexemplar] Vegetarisch mit Liebe

Seit ich Rezensonsexemplare annehme und mir die Mühe mache, sie zu lesen und zu bewerten, liegt mir meine Mutter in den Ohren, dass ich doch eindlich mal ein Kochbuch nehmen soll. Wahrscheinlich ist es die Hoffnung, dass ich doch noch Leidenschaft fürs Kochen entwickele, und da ich im Moment mit meinem Freund eine vegetarische Episode durchlebe, habe ich beim südwest-Verlag spontan ja gesagt.

Ein Kochbuch also. Was kann man darüber sagen? Ich mag die Aufmachung. Statt die Rezepte zu sortieren nach "Suppe", "Beilage", "Nudeln", und Co. wird hier streng alphabetisch nach der Hauptzutat vorgegangen. Ich finde das gut, denn wenn ich koche, dann eher nach dem Motto "kreative Resteverwertung" und mit diesem Prizip kann ich schauen, was ich im Kühlschrank habe und mich für eine Sache entscheiden, der ich folgen will. Die Anleitungen sind logisch, keine komplizierten oder von Fremdwörtern getränkten Bschreibungen, und die Rezepte an sich sind sehr unkompliziert, machen aber trotzdem etwas her. Es sind nicht die immer wieder gleichen Sachen, die man aus vielen andere Büchern kennt, sondern es ist so viel Variation drin, dass man das Gefühl hat, wirklich mal was Neues zu kochen. Besonders toll sind auch die am Ende des Rezepts immer gegebenen Varianten. Ich bauche etwas ohne gluten oder vegan? Dann weiß ich, was ich ändern kann und muss, kann mich drauf verlassen, dass es ebenso lecker schmeckt.

Neben vielen verschiedenen Rezepten gibt es auch noch etliche Basic-Anleitungen für Saucen und Dips, die in vielen Variationen geboten werden. Auch hier sind die Bilder schön dazu präsentiert und man bekommt wirklich Lust es auszuprobieren.

Insgesamt: doch, das ist ein echt schönes Kochbuch. Es macht mir immer noch keinen großen Spaß, Zutaten zu schnippeln und zu würzen, aber zumindest gibt es Abwechslung auf dem Teller :-)

[Rezensionsexemplar] Erika Fatland - Ort der Engel. Die Tragödie von Beslan und ihre Folgen

Ort der Engel nennen die Bewohner des ossetischen Beslan ihren neuen Friedhof, der an eines der blutigsten Attentate der letzten Jahrzehnte erinnert: 2004 besetzte ein Terrorkommando die Schule von Beslan und nahm über 1100 Schüler und Lehrer als Geiseln. Nach drei Tagen wurde das Gebäude gestürmt – ein langer Kampf und 333 Tote waren die Folge. Erika Fatland ist nach Beslan gereist und hat mit Überlebenden wie Hinterbliebenen gesprochen. Sie erzählt von den dramatischen drei Tagen, ihren undurchsichtigen politischen Hintergründen, vom Kaukasus als »Pulverfass Europas« und davon, wie der Terror unser Leben verändert – auch lange nachdem die letzten Kamerateams abgezogen sind

Es gibt Konflikte in dieser Welt, die kommen dir so weit weg vor, dabei sind sie rein kilometertechnisch näher an dir als die, die du sofort kennst. Der Tschetschenienkonflikt ist für viele Europäer eine dieser gefühlten Entfernungen. Irgendwas ist da irgendwie mit Unabhängigkeit von Russland, aber so richtig beschäftigt hat man sich damit eigentlich nie. Warum eigentlich? Vielleicht, weil Russland irgendwie nicht attraktiv genug ist, selbst dreißig Jahre nach dem Ende des Kalten Kriegs irgendwie so vollständig fremd und abstrakt wirkt für viele Westeuropäer. Eben aus diesem Grund habe ich mir dieses Buch als Rezensionsexemplar schicken lassen. Erika Fatland wählt darin einer eher ungewöhnlichen Blickwinkel. Sie ist weder Historikerin noch Politikwissenschaftlerin, sondern Sozialanthropologin, deren Masterarbeit sich mit der Frage beschäftigt, wie Menschen nach Terroranschlägen leben.

Durch ihre eigene eher unverstellte Sichtweise nimmt sie den uninformierten Leser an der Hand. Sie liefert vor allem über die Hinergründe des Konflikts die Informationen, die man als Einsteiger braucht, um zumindest einen Überblick zu gewinnen. Auch die zunöchst einmal wichtigsten Stichpunkte über die Abläufe in der Schule sind kurz und prägnant formuliert, hier geht es nicht darum, irgendwelche Fragen aufzuwerfen oder Zweifel zu sähen. Erst im letzten Kapitel wird sie noch einmal darlegen, welche Probleme es zwischen den Aussagen der Geisel und der offiziellen Darstellung gibt, aber auch hier ergreift sie wenig Partei, sondern belegt ihre Aussagen und überlässt dem Leser, sich zu positionieren. Das fand ich für das gesamte Buch wirklich gelungen, dass hier kein "Gut" und "Böse" gezeichnet wird, sondern die furchtbaren Geschehnisse von 2004 ansatzweise aufgearbeitet werden.

Gleichzeitig sind die Interviewauszüge sehr intensiv und eindrücklich, da sie vor allem natürlich die anthropologische Sichtweise interessiert. Es kommen viele Menschen zu Wort, die sich heute zu Teil nicht mehr grün sind, auh hier werden beide Seiten einfach nur dargestellt. Wem glaube ich als Leser mehr? Darauf gibt es keine zufriedentellende Antwort, jeder muss selbst entscheiden. Für mich sehr grausam zu lesen waren immer wieder die Beschreibungen von Müttern, die vor die Wahl gestellt waren, ihre Kinder in der Turnhalle zurückzulassen, um ihr Baby zu retten - dabei muss man wirklich schlucken und durch die immer und immer wieder gleichen Szenen, die Fatland schildert, wird dies Auswegslosigkeit von drei Tagen Geiselhaft sehr deutlich.

Das Buch nimmt nicht in Anspruch eine vollständige Aufarbeitung von Beslan zu sein. Es ist eine Momentaufnahme von Trauer und dem Umgang mit ihr, und hier liegen seine absoluten Stärken. Wer tiefer in die Geschichte des Tschetenienkonflikts eintreten will, sollte sich noch andere Bücher suchen, aber zumindest erhält man ein wenig Hintergrundinformation, die einem dann helfen, tiefer zu graben.

Mittwoch, 2. August 2017

[Thoughts on books] Christina Henry - Lost Boy

There is one version of my story that everyone knows. And then there is the truth. Once I loved a boy called Peter Pan. Peter brought me to his island because there were no rules and no grownups to make us mind. He brought boys from the Other Place to join in the fun, but Peter's idea of fun is sharper than a pirate's sword. He wants always to be that shining sun that we all revolve around. He'll do anything to be that sun. Peter promised we would all be young and happy forever. Peter will say I'm a villain, that I wronged him, that I never was his friend. Peter Lies ...

As a child I never really was affeted by Peter Pan. I knew the Disney movie thanks to a "book to the film", I watched and loved very much Steven Spielberg's "Hook" and Iwas familiar with the key points of the story. When I was older I learned about the story behind "Peter Pan" and was interested in that psychological Peter Pan phenomen, but I was about 26 when I read the real "Peter Pan" by J.M.Barrie for the first time. Or rather, I read a "children version" shortening out a few things from the original volume. And I have to confess: I did not really like it. I didn't get that Peter, he was no hero for me but a very annoying and rather stupid boy of whom I often silently thought: "Oh come on, grow up!" Ummm, yes, point taken ...A few years ago I bought in a bargain store "The Child Thief" because it looked interesting and I was fascinated when I read in the foreword that it was a variation of "Peter Pan" based on the few sentences that would be most often cut of the children volumes. The sentences dealing ith the fact that Peter, the cutie, would find ways to get rid of Lost Boys now and then. Since then I became more and more fascinated by that fact and I have to say, if there is a fantasy genre I really enjoy it is what I call "dark Peter stories". And so it was not a big surprise that I bought this book when I found it at the local bookstore :-)

The story is told from the view of Jamie, one of Peters oldest and best friends in Neverland. It is a very easy read, Jamie is not a friend of huge words or long sentences but a rather straight forward character. I was a bit irritated in the beginning by the flashbacks coming up now and then because here the narrator's voice all of a sudden and unexpectadly changes. But more than the general story I really loved how he and Peter - actually the only really developed characters in the novel - are presented.

Jamie had been so long on the island that he hardly remembers how much time has passed and he just sees it in the number of boys being replaced now and then, and the amount of pirates he has killed over the years. But all of a sudden this idyllic life changes when Jamie develops a feeling of responsibility towards the Lost Boys, especialle five year old Charlie who was among the last boys jining Peter on his life of adventures. And Peter doesn't like that at all, you can say. The more Jamie finds himself in the role of a parent, the more Peter becomes cruel. A very subtle cruelity in the beginning, and believe me, as a mother it was very hard reading the first chapters while your own baby sleeps right next to you. It is obvious that there is more behind Peter than he shows the Lost Boys, and Jamie who starts also grow up physically and not just emotionally seems to be the only one who is able to see that. But, and here I am quite happy, Christina Henry doesn't portray Peter just as the cruel child thief as Brom in his really great novel does. This Peter here is actually suffering from the fact that he never can do what Jamie is doing: growing up. Peter tries everything to make things stay as they are, he is desperate about not losing his best friend who bit by bit grows out of this whole "eternal adventure and fun" thing. This cruelity is based on the desperation of a five year old, and even when my baby is still too young I am already aware of the time he will also show from time to time this behaviour when he finds out that there are things in life he can't change or he has to accept. That growing age gap between Peter and Jamie is the base in the book and the main reason why I woudl recommend it. Besides, it is really, really good ;-)

[Rezensionsexemplar] Ingar Johnsrud - Der Hirte

Die Tochter der einflussreichen Politikerin Kari Lise Wetre wird vermisst – ein Routinefall für Hauptkommissar Fredrik Beier. Doch kurz darauf wird Beier nach Solro beordert, einem alten Hof vor den Toren Oslos. Fünf Männer wurden auf dem Sitz der christlichen Sekte »Gottes Licht« grausam abgeschlachtet. Das Gelände des Hofs ist ausgestattet wie ein Hochsicherheitstrakt, und im Keller des Gebäudes stoßen die Ermittler auf ein Labor, das auf monströse Experimente hinweist. Von den restlichen Mitgliedern der Sekte fehlt jede Spur, unter ihnen die vermisste Annette Wetre ...

Hach, das klang doh mal nach einem ganz spannenden Fall, den ich mir das als Rezensionsexemplar geholt habe. Und ich gestehe, ich werde mir die zwei geplanten Folgebände auch noch holen. Allerdings nur aus dem Grund, dass ich wissen will, wer tatsächlich hinter diesem ganzen Chaos steckt, denn so wirklich gepackt hat mich dieses Buch nicht. Dass dem so war, liegt an einer ganzen Reihe von Gründen.

Zuerst einmal ist auch Johnsrud einzureihen in die Reihe der skandinavischen Autoren, die alles daran setzen, einen Kurt Wallander wie den farbenfrohen Einhornkönig der Glückseligkeit wirken zu lassen. So hinkt Fredrik Beier heldenhaft durch sein trostloses Leben, in dem er gelegentlich die Exfrau vögelt, und die Karriere auf einem Abstellgleis festhängt. Darüber hinaus ist Beier ein echter Übermensch, der effektiv alles überlebt. Schüsse, Explosionen, erneute Schüsse - Beier ist quasi ein Dauerinvalider, der  sich allein in diesem Buch zweimal im Krankenhaus wiederfindet, um seine Verletzungen auszukurieren, und dort aber natürlich auch nur ermittelt. Und bereits ohne sämtliche Verstrickungen zu kennen, kann man schließen, dass die norwegische Politik vermutlich noch korrupter und verlogener ist, als es ein Stig Larsson hätte zeigen können. Keine der Figuren ist mir wirklich sympathisch, sie sind viel zu sehr Schablonen, mit denen die Schlechtigkeit Norwegens dargestellt wir, und das ging mir beim Lesen manchmal schon sehr auf den Senkel, weil ich sehr genau hätte sagen können, was die Person gleich tun wird oder nicht tun wird.

Der zweite große Kritikpunkt ist, dass Johnsrud in dieses Buch einfach alles an Problemen und Konfliktstoff bastelt, was der Thrillermarkt nur hergibt. Eigentlich würden die Sektenmitglieder doch schon reichen, aber damit man drei Bände füllen kann, braucht man anscheinend a) eine düstere Vergangenheitsgeschichte, in dem Fall nationalsozialistische Experimente zur Rasseforschung, und b) eine Verbindung dieser Vergangenheit mit der Politik der Gegenwart, was in ständigen düsteren Andeutung gipfelt, die für mich als Leser allerdings glasklar sind, weil ich durch die Rückblenden bereits mehr weiß als der Kommissar.

Ebenfalls in wenig angenervt war ich von der Komposition des Buches, dessen Kapitellängen so extrem wechseln. Eine Seite, dann wieder fünf, dann zehn, dann knapp eine, dazu wird immer so abrupt gewechselt zwischen den Szenerien und nur ganz am Ende gelang es mal, eine Art Überblendung herzustellen, die mich als Leser in der Geschichte mitträgt.

Insgesamt kann ich also sagen: hmmmm. Es ist temporeich und man will wissen, wer jetzt die dreckigsten Finger hat im Spiel, aber die Machart hat mich nicht wirklich bei der Stange gehalten und ich habe es abends immer nur zur Hand genommen, wenn ich gestillt habe und Ablenkung brauchte, bis das Baby eingeschlafen war. Wenn das für einen Bestseller reicht, dann okay, aber ich würde jetzt nicht jedem sofort das Buch in die Hand drücken.

Sonntag, 16. Juli 2017

[Rezensionsexemplar] Jens Andersen - Astrid Lindgren. Ihr Leben

Vor siebzig Jahren begann Astrid Lindgrens außerordentliche Karriere als Schriftstellerin. Auf Pippi Langstrumpf folgten Bücher, die die Kinderliteratur revolutionierten – und ihre Autorin schon zu Lebzeiten zu einer Legende werden ließen. 2002 verstarb Lindgren 94-jährig; man kannte sie als engagierte Frau, die für Frieden, Gerechtigkeit und die Rechte von Kindern eintrat. Jens Andersen erzählt in seiner preisgekrönten Biografie „ihr Werk und Leben erschreckend neu“ (SZ) ...

Wenn ich einen Autor nennen müsste, der mich als Leser geprägt hat, dann würde ich unweigerlich bei Astrid Lindgren landen. Meine ersten Leseerinnerungen sind von ihren Büchern geprägt, bis heute weiß ich noch, wie ich mich mit sechs Jahren gefühlt habe, als wir im Urlaub tatsächlich Bullerbü besucht haben, und ich versuche gerade, mir die komplette Astrid-Lindgren-Edition zusammenzukaufen, weil ich sie gerne an meine Kinder weitergeben will. Und klar, irgendwie hatte ich im Hinterkopf, dass Astrid Lindgren nicht nur als Autorin ziemlich wichtig war, aber ich habe mich nie wirklich mit ihrem Leben beschäftigt.Das sollte dank des bloggerportals anders werden, als ich mir diese Biographie als Rezensionsexemplar habe schicken lassne.

Zuerst einmal war ich ein wenig enttäuscht, denn wer erwartet, hier einen chronologischen Text beginnend bei der Geburt und endend beim Tod vorzufinden, wird immer wieder ein wenig enttäuscht. Klar, im groben hangelt sich Andersen an Astrid Lindgrens Lebensweg entlang, aber er lässt auch immer wieder sehr viele Jahre aus, springt gelegentlich nach vorne und hinten, aber je länger ich gelesen habe, desto weniger wichtig wurde das für mich. Das liegt daran, dass Astrid Lindgren an sich schon ein sehr spannendes Leben hat, es Andersen aber gelingt, den Leser mit sehr vielen Quellen in dieses Leben zu werfen und auch unbekannte Seiten der Autorin zu zeigen.

Die erste, für mich eher unbekannte Seite, ist die des Arbeitstiers. Astrid Lindgren hat mich hier sehr stark an Enid Blyton erinnert, die Königin des disziplinierten Serienschreibens, aber bei Lindgren ist es eher die unendliche Vielfalt an verschiedenen Berufen, die sie gleichzeitig managt. Vormittags am Roman arbeiten, dann in den Verlag, wo sie bis zu ihrer Pensionierung als Lektorin arbeitet, zwischendrin noch Briefe beantworten und Auftragsarbeiten für Zeitschriften oder Rundfunk erledigen - diese Frau war bewundernswert diszipliniert, glaube ich. Dass sie nach ihrer Pensionierung nicht ruhen konnte, sondern sich mehr und mehr politisch engagierte und sehr engagiert für Kinderrechte und Tierschutz eintrat, überrascht da eigentlich nicht.
Sehr viel mehr Raum nimmt im Buch aber die Schilderung einer Seite von Astrid Lindgren ein, die man so gar nicht kennt: die der einsamen Astrid Lindgren. Wobei "einsam" nicht "allein und verlassen" bedeutet, sondern eher ein selbstgewähltes Refugium, einen Rückzugsort, den sie braucht, um für sich selbst mit vielen Dingen abschließen zu können. Zeit ihres Lebens ist sie, die so vehement für Kinder spricht, von dm schlechten Gewissen geplagt, die ersten fünf Lebensjahre ihres Sohns Lasse nicht erlebt zu haben, ihn fünf Jahre gefühlt im Stich gelassen zu haben. Denn als Lasse zur Welt kommt, ist Astrid 19, unverheiratet und der Vater deutlich älter und immer noch mit seiner zweiten Frau verheiratet. Deshalb lebt Lasse fünf Jahre lang erst bei Pflegeeltern in Dänemark, dann schließlich bei Astrid Eltern auf Näs, dem Hof von Astrids Kindheit. Wenn man diese Kapitel liest und dabei grade den eigenen kleinen Wurm stillt, wird einem wirklich anders, und ich kann sie nur bewundern für die Stärke, die sie hatte, diese Zeit durchgehalten zu haben. Ich hätte es ganz gut gefunden, wenn man auch ein wenig Lasses Sicht auf diesen Lebensbeginn erfahren hätte, aber der hat sich zeit seines Lebens sehr zurückgehalten und ist leider auch relativ jung verstorben. Astrid Lindgren hält ihr Leben lang an einigen wenigen wichtigen Freunden fest, mit denen sie rege Briefwechsel führt, und ihre Tagebücher geben immer wieder auch Hinweis darauf, dass sich in ihr ein sehr melancholischer Mensch versteckt, für den Einsamkeit und Alleine-Sein keine Strafe ist, sondern das Ziel, das es zu erreichen gilt. Dieser sehr andere Blick auf eine Frau, die immer in der Öffentlichkeit stand, war wahnsinnig faszinierend.

Das Buch ist angereichert mit vielen sehr genau eingeordneten Bildern, am Ende dann noch einmal eine detaillierte Liste von Astrid Lindgrens deutschen Veröffentlichungen. Für mich eine sehr gelunge Biographie, die Spaß macht zu lesen. Eine absolute Empfehlung und ich muss nochmal danke sagen, dass ich das Buch bekommen habe ;-)

Montag, 10. Juli 2017

[Thoughts on books] Fiona Barton - The Child

When journalist Kate Waters finds the paragraph in an evening newspaper that the long buried body of a baby was discovered at a construction side it seems to be the story to get her career back on track. Quickly she finds some people who lived in those houses and also a hint who the baby could have been. Forty years ago, newborn Alice was kidnapped from the hospital and since then her mother Angela desperately wants to find her. But the story will uncover much more than it seems on the first look ...

I must admit that I am not a huge fan of the book, though I really enjoyed reading it. It is a nice psychological study rather than a thriller, and Fiona Barton has a very enjoyable style of writing. The words flow like a long, quiet river and I liked the three perspectives from which the story is being told. Kate is not a hard-boiled investigative reporter but nevertheless has her ways to find out things and clearly knows how to handle a situation to get what she wants. She is likeable and still sometimes you have to frown about her actions. Unfortunately the other two woman are not described with half as much detail. For Angela I would have wanted to read much more about her reactions on the discoveries. I also would have liked to look back on the happenings around Alice's kidnapping instead of being told about it from today's perspective. The same is true for Emma who I find not well characterized. Until the very end I had problems to imagine how old she actually was, somehow I couldn't follow up the timeline which is just shown in short mentions in an interview.

This was, in general, the weakest point of the book. Instead of really showing me incidents Barton just let people talk about them. To me as a reader it didn't help to find a real connection to the people, as I said especially Emma was even in the end a faint and distant character and I couldn't develop any image of her. This "keeping the reader in one time" is also the reason why I figured out the end-twist quite early. The book offers a few very nice plot twists, but since it is told in a rather straight forward manner it was easy to come up with the only possible solution, which I just couldn't believe to be true because, as I said, I had some problems to imagine the age of some of the people.

All in all, I would not tell you to leave the book on the shelf. You can read it an enjoy a few nice hours. But probably just wait for the paperback edition or until you find it in your local library. :-)

[In eigener Sache] Ein paar Neuerungen tun immer gut

Hach ja, da ist man mal ein paar Monate zwangsweise nicht wirklich in der Lage, zu lesen, und dann macht man sich eben seine Gedanken. Man ist ja in dem Alter, in dem ein Mädchen das macht. In dem man sich fragt, ob so ein Blog überhaupt noch eine Daseinsberechtigung hat, einen Sinn erfüllt oder ganz allgemein ob man selbst noch will und wenn ja, wie man das macht. Nach langem Überlegen war klar, dass ich den Blog sicher nicht aufgeben will, irgendwann wrd schon wieder die Zeit der dreistelligen Bücherzahl auf der jährliche Leseliste kommen. Aber ich würde einfach gern ein paar Sachen ändern, in gewisser Weise professioneller angehen oder auch ein wenig schöner betreiben. Und da sind mir dann doch zwei, drei Sachen eingefallen.

Schaut mal in mein Seitenverzeichnis ... nein, nicht da ... mehr links ... na, gefunden? Ich habe einen neuen Reiter, der eine Sache ankündigt, über die ich schon seit längerem nachdenke. Es dürfte inzwischen angekommen sein, dass ich im Ausland heimisch geworden bin. Und dadurch hat sich mein Leseverhalte auch ein wenig geändert, ich lande mehr und mehr bei Büchern, deren Originalsprache Englisch ist und die ich dann auch im Original lese. Nicht, weil ich mich so wahnsinnig toll dabei fühle, sondern weil die Bibliotheken hier mit deutschsprachiger Literatur eher mickrig bestückt sind. Allerdings dachte ich, ich kann das ja auch mal nutzen, um meinen Blog ein wenig internationaler zu machen. Also jetzt nicht so wahnsinnig international, aber zumindest werde ich ab jetzt die Bücher, die ich auf Englisch gelesen habe, auch auf Englisch zu rezensieren.Die erste geht dann auch gleich online, ich bin gespannt, ob es Anklang findet. Und vor allem, wie ich selbst mich dabei schlage :-D

Die nächste Ankündigung ist eher eine Reaktivierung. Jawohl, Ponines Bücher-ABC lebt wieder. Allerdings nicht jede Woche und nicht alphabetisch. Das Bücher-ABC ist eher meine kleine Spielwiese, in der ich schreiben kann, wenn ich will und worüber ich will, solange es buchrelevant ist. Ich stöbere wirklich gerne in anderen Blogs und finde es fantastisch, wie sich deren Autoren die Zeit nehmen, wirkliche Artikel zu verfassen. Und daran will ich mich mehr und mehr versuchen. Nicht, dass meine Reichweite dafür ausreichen würde, wirklich weltbewegend zu werden, aber hey, Versuch macht klug und so.

Und drittens und letzten werde ich im Laufe der nächsten Wochen dann doch mal versuchen, einen echten Instagram-Account für den Blog zu erschaffen, sodass ich ein wenig mehr Werbung für meine Beiträge machen kann. Oder für anderes. Keine Ahnung. Aber da mein dereitiger Account in erster Linie ein privater ist, der auch privat gestellt ist, ist es vielleicht doch ganz gut, noch ein kleines Standbein zu haben. Und vielleicht auch fremdsprachige Leser gelegentlich hierher zu bringen. Wer weiß das schon ;-) Das Ganze möchte ich auch koppeln an mehr Arbei mit anderen Bloggern und Lesern, also deutlich mehr Kommentare zurückschreiben, versuchen, das ein oder andere Stöckchen anzunehmen und am ein oder anderern Blogroll teilzunehmen, um auch mri selber wieder das Gefühl zu geben, dass das hier nicht nur ein mäßig spannendes Tagebuch meiner Lesefortschritte wird ;-)

Also, um es kurz zu machen: alles bleibt beim Alten und auch irgendwie nicht. Ich freu mich drauf!

Mittwoch, 5. Juli 2017

[Rezensionsexemplar] Monica Sweeney - Kannst du gähnen wie Hyänen

Es ist Abend geworden und die kleinen Tierkinder überall auf der Welt werden langsam müde. Die Augen werden schwer, die Mäuler öffnen sich und es wird tief und herzhaft gegähnt. Kannst du das auch?

Mit diesem Rezensionsexemplar habe ich in die Zukunft invesitert. Im Moment ist das Baby an Büchern nur dahingehend interessiert, wenn sie kaubar sind. Ein paar Monate noch, und unser abendliches Einschlafritual soll aber nicht nur Fühlbücher beinhalten, sondern richtige Bücher zum Vorlesen. Und da ist dieses hier ein echter Schatz.

Das Buch ist entwickelt worden zusammen mit Lauren Yelvinton, einer Schlafberaterin. Wer hier jetzt ein Werk des Ferberschen Schlaftrainings vermutet, kann aber beruhigt sein, damit hat es nichts zu tun. Stattdessen nutzt es Erkenntnisse darüber, wie Kinder sanft in den Schlaf begleitet werden können und stellt am Anfang eine kleine Anleitung zur Verfügung, wie abendliches Vorlesen als Einschlafritual genutzt werden kann.
Als ich das Buch für diese Rezension für mich selbst gelesen habe, habe ich bereits gemerkt, wie es wirkt. Tatsächlich ist das ritualisierte "Kannst du gähnen wie ..." am Ende jeder Doppelseite sehr verleitend und man merkt gradezu, wie man müde wird. Für ungeübte Vorleser ist es vielleicht auch hilfreich, dass die Kernwörter "gähnen" und "gähnt" immer fett gedruckt sind, sodass man sie bewusst betonen kann. Jedes Tierkind hat ein ihm eigenes Gähnen und das Kind wird am Ende der Seite eingeladen, es zu wiederholen und sich zu strecken und zu räkeln. Zur Wohlfühatmosphäre tragen auch die Illustratonen von Laura Watkins bei, die zwar detailliert sind, aber nicht zu aufgeregt. Sie laden zum Träumen und Schauen ein und so wie ich das Baby kenne, wird ihm das später am besten gefallen.

Also ja, ich bin wieder einmal begeistert vom Kösel-Verlag und freue mich richtig drauf, dieses Buch später vorlesen zu dürfen.

[Rezensionsexemplar] Jean-Christophe Rufin - Pilgern für Skeptiker

„Als ich nach Santiago de Compostela aufbrach, habe ich nichts gesucht – und ich habe es gefunden.“ – Eigentlich wollte der Arzt und Goncourt-Preisträger Jean-Christophe Rufin „nur“ wandern auf diesem seit Jahrhunderten bedeutenden Weg und sieht ihn anfangs eher als sportliche Herausforderung. Doch unterwegs auf den 900 Kilometern des Camino del Norte kann sich auch der Skeptiker der Alchemie des „ewigen Weges“ nicht entziehen ...

Ich hatte ja wirklich Lust auf dieses Buch, nachdem mein Vater ähnlich wie Rufin letztes Jahr "einfach mal so" den Jakobsweg gelaufen ist. Gerade die Aussicht, es beim Autor nicht mit einem Pilger oder einem Selbsterfahrungs-Verfechter zu tun zu haben, versprach mir einen guten Blickwinkel und ich bin sicher, den könnte dieses Buch auch einem Leser vermitteln, wenn da nicht dieserfurchtbare Stil wäre. Ist es die Übersetzung? Ist es Rufins ihm eigner Erzählstil (über den ich bislang nichts weiß und über den ich nach dieser Lektüre auch erst einmal nicht geneigt bin, etwas herauszufinden)? Wora auch immer es lag, aber ich hatte bei dem Buch das Gefühl, die Qual eines jeden Schrittes dadurch nachvollziehen zu müssen, dass der Autor gewollt kluge Bonmots der Philosophie aneinander reiht. Die Lektüre ist so ein bisschen, wie sich mit Intellektuelle zu unterhalten, die bei einem Witz die Augen schließen und sagen "wie köstlich" dieser doch gewesen sei. Es kommt kein wirkliches Feeling auf, keine Herzlichkeit, kein Mitnehmen des Lesers. Man merkt ein wenig, dass Rufin während des Weges keine Notizen gemacht hat, sodass statt anekdotischer Betrachtungen einzig und allein die philosophische Auseinandersetzung mit de Weg an und in sich stattfindet. Dafür muss man als Leser geschaffen sein und ich bin ehrlich, ich bin es nicht. Was mich bei der Stange gehalten hat, war einzig, dass es relativ kurz war und ich es so auf mehreren Zugfahrten lesen konnte, aber wirklich gefallen hat es mir nicht.

[Rezensionsexemplar] Meike Dannenberg - Blumenkinder

In Lüneburg wird die Leiche eines 12-jährigen Mädchens gefunden: wie aufgebahrt liegt sie da, scheinbar friedlich, mit Blumen umkränzt. BKA-Sonderermittlerin Nora Klerner und Profiler Johan Helms unterstützen die Kripo vor Ort bei den Ermittlungen, denn es gibt Parallelen zu einem Mordfall in Tschechien. Auch die Aktivitäten einer obskuren Hippie-Gruppe haben Nora und Johan im Visier. Nora ist sich sicher, dass der Täter aus dem Umfeld des dubiosen Kollektivs stammt. Als ein weiteres Mädchen verschwindet, wird Nora wegen eigenmächtiger Aktionen vom Fall abgezogen. Doch sie ermittelt auf eigene Faust weiter. Denn sie weiß, wenn sie nicht schnell handelt, wird wieder ein »Blumenkind« sterben ...

Dass ich dieses Rezensionsexemplar bekommen habe, fand ich wirklich toll, weil mir der Klappentext sehr gefallen hat. Als ich dann noch herausgefunden habe, dass es zur Abwechslung mal wirklich der erste Band einer Serie ist, den ich als erstes lesen werde, war ich natürlich noch gespannter. Und gleich vorneweg: die absolut große Stärke dieses Buchs liegt darin, dass die Figuren sich nicht wie in einem Erstling verhalten. Ich habe ein paarmal nachgeschaut, ob das wirklich Band 1 ist, weil sie sich so eingespielt verhalten und man nicht jedes sie bewegende Detail auf dem Silbertablett serviert bekommt. Stattdessen gibt es Gedanken und Andeutungen zur Vergangenheit, die neugierig machen, eine frühere Zusmmenarbeit wird erwähnt, aber nicht weiter aufgegriffen - der Leser wird also reingeschmssen in einen neuen Kosmo, statt vorsichtig an der Hand genommen zu werden. Das gefällt mir total, endlich mal eine Neuerung zu den üblichen Schritten.

Überhaupt ist die Figurenzeichnung sehr gelungen. Auch wenn sie in gewisser Weise wieder die üblichen Klischees - der einsame Wolf, der nerdige Psychoheini - bedienen, wirken Nora und Johan glaubwürdig. Das sind Charaktere, vor allem Johan mag ich wirklich sehr und habe mit seiner Entschiedungsunfreudigkeit mitgelitten. Noras dunkles Geheimnis möchte ich unbedingt weiter erforschen, Band 2 hat also mit Sicherheit einen Leser allein dafür gewonnen. Auch die Dynamik zwischen den Hauptfiguren und den Polizisten vor Ort fand ich gut, das waren - mit einer Ausnahme, nmlich dem Chef der örtlichen Polizei - wirklich gut aufgebaute Spannungen und Enwicklungen, die sehr realitätsnah waren. Überhaupt war das Buch mehrheitlich sehr dicht am Polizeialltag dran und kein überkandidelter Thriller. Im Fokus steht viel, viel Ermittlngsarbeit mit Besuchen bei Leuten, denen man zuhören muss, und der Leser liest natürlich besonders aufmerksam, in der Hoffnung, einen Hinweis zusehen, der ihn bereits auf die Spur des Täters führt, sodass er am Ende sagen kann "Hab ich es doch gewusst!"

Ja, das Ende. Das ist es dann, was meine Begeisterung eher abbremst. Da wird urplötzlich ein Täter und ein Motiv aus dem Hut gezaubert und ähnlich wie bei Agatha Christie hatte ich als Leser keine einzige Chance, auf diese Idee zu kommen, weil mir die Informationen dazu schlicht vorenthalten werden. Dass dann natürlich noch der obligatorische Alleingang im obligatorischen Show-down enden muss, war mir leider zu durchschnittlich für das, was die Autorin in ihrem Erstling versprochen hat. Es war ein bisschen, als hätte ihr der Mut gefehlt, weiter in der Schiene zu bleiben, mal über den üblichen Krimitellerrand hinaus zu schauen, stattdessen muss dann etwas Spektakuläres kommen. Diese Auflösung hat mich wirklich ein wenig geärgert, aber nicht so sehr, dass ich nicht sagen könnte, dass hier ein wirklich guter Erstling vorliegt, der Lust auf mehr macht.

Freitag, 23. Juni 2017

[Blogparade] #Geheimtipps


Schon vor einiger Zeit bin ich bei Weltenwanderer auf die Aufforderung zu dieser Blogparade gestoßen und endlich, endlich komme ich dazu, einen Beitrag zu verfassen. Wer sich auf ihrem Blog noch nciht umgeschaut hat, sollte das auf jeden Fall tun, denn ihre Liste mit Geheimtipps hat meine Leseliste schon um einiger verlängert. Und jetzt liegt es an mir, euch ein paar Bücher ans Herz zu legen. Bücher, die irgendwie untergehen, weil es viel zu viele in den Buchhandlungen gibt. Bücher, die man manches Mal sogar kauft und dann völlig vergisst, weil sie eben nicht "Hallo, ich bin ein Bestseller, lies mich, los, mach schon" schreien.

Also bin ich in mich gegangen, habe meine Leselisten durchsucht, meine Erinnerungen vom Staub befreit, und bin bei einigen Highlights gelandet, die ich zum Teil noch nicht einmal rezensiert habe bisher. Um die Liste nicht vllig ausufern zu lassen, beschränke ich mich mal auf jeweils ein Highlight aus verschiedenen Genres.

1. "Baba Dunjas letzte Liebe" von Alina Bronsky (Gegenwartsliteratur)

Baba Dunja ist eine Tschernobyl-Heimkehrerin. Wo der Rest der Welt nach dem Reaktorunglück die strahlenden Waldfrüchte fürchtet, baut sie sich mit Gleichgesinnten ein neues Leben auf. Mitten im Niemandsland, wo die Vögel so laut rufen wie nirgends sonst und manchmal ein Toter auf einen Plausch vorbeikommt. Während der sterbenskranke Petrov in der Hängematte Liebesgedichte liest und die Melkerin Marja mit dem fast hundertjährigen Sidorow anbandelt, schreibt Baba Dunja Briefe nach Deutschland, an ihre Tochter. Doch dann kommen Fremde ins Dorf – und die Gemeinschaft steht erneut vor der Auflösung..

Warum ich es jedem ans Herz lege? Weil es eine wunderbare kleine Geschichte ist, die so alltägliche Menschen schildert, auch wenn ihre Lebensumstände gar nicht alltäglich sind. Es geht um die Suche nach Liebe, umd die Hoffnung auf ein bessres Leben, und den Umgang mit Enttäuschungen auf dieser Lebensspur. Und immer wieder einfach nur um Heimat, was auch immer das für den einzelen bedeutet. Ich habe mich beim Lesen letztes Jahr sofort verloren in dieser Geschichte und Bronsky ist eine gute Erzählerin, deren Figuren immer glaubhaft bleiben.


2. "Potilla" von Cornelia Funke (Kinder- und Jugendbuch)

 Arthur traut seinen Augen nicht! In dem schmutzigen Bündel, das er im Wald gefunden hat, steckt eine kleine Feenkönigin! Sie heißt Potilla und ist in großen Schwierigkeiten: Ein grausiges Wesen hat das Feenvolk überfallen und die wichtigen Feenmützen geraubt, nun ist Potillas Rückkehr in ihr Reich gefährdet. Arthur und seine Freundin Esther wollen helfen, doch die fiesen Zwillinge "B&B" durchkreuzen ihre Pläne. Eine fantastische Reise in die "Anderswelt" zu einem magischen Turm beginnt. Die Kinder begegnen sprechenden Tieren, einem zappeligen Finsterling, sehen in den Schlund der Ewigkeit und treffen den unheimlichen Mützendieb ...

Funke kennt man ja nun wirklich. Aber irgendwie geht "Potilla" in ihrem Gesamtwerk immer unter, was wahnsinnig schade ist. Dieses Buch at nicht nur eine spannende Geschichte und tolle Illustrationen, sondern ist einfach nur irrsinnig witzig. Was vor allem daran liegt, dass Potilla alles andere als eine liebenswerte Märchenfee ist. Sie ist besserwisserisch, hochnäsig und irgendwie wird man das Gefühl nicht los, dass diese Socke, in die sie gesteckt wurde, ein klein wenig verdient ist. Der arme Arthur hat unter ihr ganz schön zu leiden anfangs, und auch das fnde ich gut: endlich mal ein männlicher Protagonist im Kinderbuch, der nicht der Held ist, sondern auf die Hilfe seiner Feundin angewiesen ist. Aber für mich als Kind war vor allem wichtig, dass ich bei diesem Buch immer wieder herzhaft lachen konnte.

 3. "Aya" von Marguerite Abouet und Clément Ouberie (Comic und Graphic Novel)

Ende der 1970er-Jahre: In der ivorischen Metropole Abidjan leben Aya und ihre zwei Freundinnen Adjoua und Bintou. Aya ist 19 Jahre alt, das Alter, in dem alles erreichbar scheint – vielleicht sogar ein Medizinstudium gegen den Willen des Vaters, der seine Tochter lieber heute als morgen verheiratet sähe. Während Aya von einer Zukunft als Ärztin träumt, schlagen sich Adjoua und Bintou die Nächte in den örtlichen Tanzbars um die Ohren und rauben ihrer Freundin mit ihren chaotischen Liebschaften den letzten Nerv…

Ich bin nur zufällig über dieses Buch gestolpert letztes Jahr und war wirklich begeistert. as Buch ist weit entfernt von Afrika-Klischees, sondern zeichnet ein sehr realistisches Bild der Elfenbeinküste. Es werden einige heiße Eisen angepackt, andererseits aber auch mit Humor die Unterschiede zwischen Elfenbeinküste und Frankreich aufgezeigt. Immer wieder gibt es großflächige Panels, in denen wie bei Wimmelbildern so viel zu entdecken ist, dass man die Bilder nach dem Lesen noch einmal aufsucht. Und was mir gefallen hat, ist die Detailgenauigkeit, die zum Teil in den Bildern herrscht!

4) "Witwe im Wahn" von Oliver Hilmes (Biographie)

Die Reihe ihrer Liebhaber liest sich wie ein „Who is who“ der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts. Wer war die Frau, die mit Gustav Mahler, mit Walter Gropius und Franz Werfel verheiratet war, die eine wilde Liebesaffäre mit Oskar Kokoschka hatte und der Gerhart Hauptmann zu Füßen lag? Oliver Hilmes zeichnet in seiner umfassenden Biografie, die sich auf bisher noch nicht ausgewertete Briefe und Tagebücher stützt, das facettenreiche Bild einer Frau, die hysterisch, antisemitisch, herrschsüchtig war – aber auch inspirierend, klug und leidenschaftlich ...

Oliver Hilmes schreibt großartige Bioraphien. Das hier war die erste, die er veröffentlicht hat, und sie beinhaltet alles, was man als Leser will: Liebe, Lust und Leidenschaft. Alma MahlerWerfel war eine völlig verrückte Frau, die sich zur Aufgabe gemacht hat, die Muse ihrer Männer zu sein, ob sie wollen oder nicht. Ich bin immer noch völlig gefesselt von den vielen Facetten dieser Frau und emfehle diese Biographie immer uneingeschränkt jedem Leser :-)

Soweit also von mir. Ich geh dann am Wochenende mal stöbern, was ich bei den anderen Teilnehmern dieser Blogparade so finde. Falls ihr hier Lust auf eins der Bücher bekommen habt, freue ich mich riesig :-)





[Rezensionsexemplar] Kristina Ohlsson - Schwesterherz

Staatsanwalt Martin Benner will Bobby Tell eigentlich schnellstmöglich wieder loswerden: Dieser ungepflegte, nach Zigaretten stinkende Kerl wirkt erst mal wenig vertrauenswürdig. Sein Anliegen ist nicht weniger prekär: Tells Schwester Sara – eine geständige fünffache Mörderin, die sich noch vor der Verfahrenseröffnung das Leben nahm – soll unschuldig gewesen sein, und Benner soll nun posthum einen Freispruch erwirken. Vor Gericht hätte die Beweislage damals nicht mal ausgereicht, um Sara zu verurteilen, doch unbegreiflicherweise legte sie ein umfassendes Geständnis ab und konnte sogar die Verstecke der Tatwaffen präzise benennen. Benners Neugier ist geweckt, und er nimmt das Mandat an …

Mal wieder habe ich geräubert beim bloggerportal und bin fündig geworden bei Kristina Ohlsson. Ich wollte einen schwedischen Krimi, der aber nicht so fürchterlich dramatisierend ist, also dachte ich, ich schau mal in ihre neue Serie rein (also um genau zu sein, es sind nur zwei Teile ;-) ) und lasse mich unterhalten. Und ich muss sagen: Ich habe schon lange kein Buch mehr gelesen, das mich tatsächlich so zwiespältige Gefühle beim Lesen hat erleben lassen.

Erst einmal zur Story. Die Handlung ist gut, reißt mich mit und es gibt schöne falsche Fährten. Von Anfang an will man wissen, was es mit dieser seltsamen Geschichte auf sich hat. Das liegt mit Sicehrheit auch an der eher unkonventionellen Weise, mit der Ohlsson zum Teil erzählt. Das Buch beginnt erst einmal mit einem Dialog wie im Drehbuch, bevor es in Martins Ich-Perspektive wechselt. Spannend, weil man auf diese Weise direkt reingeworfen wird in eine Handlung, die man nicht vorhersehen kann. Allerdings muss ich auch sagen, dass die Handlung an sich schon extrem an den Haaren herbeigezogen ist, das ganze hat eher was von USA als Schweden, wenn ihr wisst, was ich meine. Aber dennoch unterhält die Idee und macht Spaß beim Lesen, man sollte nur nicht unebdingt alles hinterfragen. Klassische "Kopf aus, Unterhaltung an"-Lektüre eben.

Ebenso unkonventionell finde ich Ohlssons Entscheidung für den Protagonisten. Und der hat es mir im Laufe des Buchs echt nicht leicht gemacht.

Martin Brenner ist ein arroganter, selbstverliebter Oberarsch. Anders kann man es nicht sagen. Der Kerl steht in so einem Widerspruch zu allem, was man eigentlich erwartet von der Hauptfigur eines "finde den wahren Täter und stochere im Trüben"-Krimis. Und gleichzeitig ein liebevoller Vater. Einerseits will man ihm ständig eine runterhauen für seine Oberflächlichkeit, andererseits schafft man es aber nicht, von ihm loszukommen. Er hat was, und ich muss gestehen ich finde ihn als Figur deutlich interessanter als die Charaktere in Ohlssons anderer Serie um Friederike Bermann. Brenner ist ein echter Typ, jemand, den ich zwar nicht mag, dem ich aber trotzdem Begleiter sein will. Das muss man als Autor wirklich erst einmal schaffen.

Kann ich das Buch empfehlen? Mit Abstrichen ja. Es ist keine High-Class-Literatur und auch nicht der hochspannendste Krimi aller Zeiten. Aber er ist unkonventionell und macht dadurch sehr viel Vergnügen im Einheitsbrei aus Schweden. Ich will auf jeden Fall den zweiten Teil lesen, weil sie leider mit einem Cliffhanger endet, den man zu Ende gebracht wissen will :-D

Sonntag, 11. Juni 2017

[Rezensionsexemplar] Benjamin Bidder - Generation Putin

Als sie auf die Welt kamen, war die Sowjetunion bereits Geschichte. Lena aus Smolensk zum Beispiel, die Putin verehrt und von einer Karriere in der Politik träumt. Die Kreml-kritische Journalistin Wera, die sich nach mehr Demokratie sehnt. Alexander, der im Rollstuhl sitzt und darauf hofft, irgendwann ein selbständiges Leben führen zu können. Sie alle eint, dass sie zur »Generation Putin« gehören, dass sie Kinder des derzeitigen Systems sind.

Diese Generation der nach 1991 Geborenen wuchs in politisch wie ökonomisch turbulente Zeiten hinein. Viele junge Russen sind heute hin- und hergerissen zwischen Ost und West, der Sehnsucht nach einem starken Führer und dem Traum von einem anderen, freieren Leben. In ihren Geschichten spiegelt sich die dramatische Entwicklung Russlands in den letzten 25 Jahren, vom Ende der sowjetischen Weltmacht bis zum Wiedererstarken unter Wladimir Putin.

Ich hatte mir das Buch als Rezensionsexmplar über das Bloggerportal ausgesucht, weil ich, je länger ich mich mt Politik beschäftige, immer faszinierter von Russland bin. Gerade auch deshalb, weil die Berichte darüber so wahnsinnig unterschiedlich sind. "Das neue Russland verstehen" klingt nach einer guten Voraussetzung für dieses Buch, dachte ich mir, und tatsächlich war die Lektüre sehr interessant.
Anhand vieler verschiedener Perspektiven versucht Benjamin Bidder, das Leben im heutigen Russland zu erklären. Dabei führt er die Interviews über einen längeren Zeitraum, der Leser kann so Entwicklungen und Veränderungen innerhalb der Biographien miterleben. Mir geht er dabei allerdings zum Teil ein bisschen zu schnell vor, denn manchmal sind die Situationen, in denen sich seine Gesprächspartner bei der Wiederaufnahme finden, doch sehr anders und ich komme nicht mehr ganz mit. Positiv fällt mir aber auf, dass Bidder selbst keine Stellung bezieht, also nicht die Putinverehrerin Lena demonteren will oder Systemkritiker überhöht. Außerdem versucht er, Personen aus allen Teilen Russlands zu verstehen und bringt dadurch noch ein wenig mehr Multidimensionalität ins Bild. Mir als Leser hilft das wirklich weiter, ich kann mir zumindest in Teilen ein sehr gutes Bild von den Beweggründen der Einzelnen machen und veruschen, ihre Perspektiven nachzuvollziehen. Allerdings hätte ich mir hier und da einen weiger salbungsvollen Erzählstil gewünscht, der immer ein bisschen sehr väterlich daherkommt. Aber vielleicht ist das der Situation der Interviewpartner geschuldet.

Ein Kritikpunkt war für mich die Integration der Bilder. Vielleicht liegt es am ebook-Format, vielleich ist es tatsächlich so - jedenfalls sind die Bilder der Interviewpartner zum Teil erst am Ende des jeweiligen Kapitels zu finden. Ich persönlich fand das sehr schade, denn ich mache mir gerne ein Bild von den Personen, wenn sie zu Wort kommen, und hier wirkte das etwas lieblos zusammengewürfelt.

Insgesamt war ich mit der Lektüre durchaus zufrieden. Nein, wirklich verstehen gelernt habe ich diese neue Generation Russlands immer noch nicht, aber zumindest einen kleinen Einstieg bekommen in die Empfindungen, die hinter diesen verschiedenen Entwicklungen stecken. Das ist ja auf jeden Fall schon etwas und deshalb lege ich das Buch jedem Interessierten als Eiführung ans Herz.

Sonntag, 30. April 2017

[Gewinnspiel] Herzlichen Glückwunsch an ....


Unter Wahrung aller Ziehungsgeheimnisse und mit sehr viel Spaß bei der Sache hat das Baby, aka blogeigene Glücksfee, heute kurz vor dem Schlafengehen zugeschlagen und aus seinen mit euren Namen gefüllten Stapeltürmchen einen Zettel gezogen. Also um genau zu sein sechs und fünf davon dann langsam auf der Couch verteilt, nur einen wollte er nicht mehr hergeben. Und dieser glpckliche Jemand war Lisa Koala, die sich ein Buch für ihren kranken Sohn wünscht. Na, wenn das nicht den richtigen getroffen hat ;-)

Email ist raus und ich hoffe, sie meldet sich. Ich wünsche euch allen einen schönen Feiertag und hoffe, ihr hattet beim Welttag des Buches wieder so viel Spaß wie ich. Ich freu mich schon auf nächstes Jahr :-)

[Rezensionsexemplar] Stefan Brijs - Taxi Curaçao

Curaçao, 1961. An einem Septembermorgen bringt der Taxifahrer Roy Tromp seinen zwölfjährigen Sohn Max zum ersten Mal in die weiterführende Schule zu Bruder Daniel. Max ist der erste in seiner Familie, der sie besuchen kann, und erweist sich als talentierter Junge, der davon träumt, Lehrer zu werden und den gesellschaftlichen Aufstieg aus der Armut zu schaffen. Bruder Daniel, der selbst von der Insel stammt, will ihm dabei helfen. Denn so prächtig der azurblaue Dodge Matador ist, mit dem Roy seinen Sohn zur Schule bringt, so bettelarm ist die Familie des Trinkers und Spielers. Vierzig Jahre später ist der Traum geplatzt und Max, der längst selbst Vater eines erwachsenen Sohnes ist, verschwindet aus heiterem Himmel in die Niederlande, womöglich für immer ...

Ahhh, die Karibik. Mal ehrlich, wenn man das Wort hört, hat man doch sofort weiße Sandstrände vor Augen, schmeckt förmlich den Cocktail und hört liebliche Musik - Zeit, sich entführen zu lassen auf die Niederländischen Antillen. Und festzustellen, dass das Leben dort eben auch nicht nur ein Dauerurlaub ist, sondern ebenso seine Schattenseiten aufweist. Über 40 Jahre lang verfolgt man an der Seite Bruder Daniels das Leben der Männer der Familie Tromp und damit auch das Leben der Arbeiterklasse und die politische Entwicklung der Insel. Das wird mit genug Lokalkolorit durch die landeseigene Sprache, durch Gepflogenheiten und Erklärungen geliefert, dass ich als Leser mich freue, gleichzeitig etwas zu lernen und unterhalten zu werden. Was mir dabei jedoch nicht ganz so gefällt, ist die Erzählperspektive durch Bruder Daniel, der zwar alle Beteiligten seit Jahrzehnten kennt, aber eben nicht in ihrer Haut steckt. So schleichen sich gelgentlich Längen ein, wenn er klarmachen will, wie eine Person ich fühlt, statt dass ich als Leser den direkten Weg gehen kann und deren Perspektive einnehme. Andererseits beobachte ich dadurch die Personen sehr viel besser und hinterfrage ihre Handlungen auch durchaus mehr als in anderen Romanen, es kann also durchaus hilfreich sein.

Ich finde das Buch insgesamt aber durchaus gelungen. Vor allem, wie gesagt, weil es einen Einblick in eine doch eher fremde Welt bietet und mit einigen Klischeevorstellunge bezüglich der Karibik aufräumt. Die Personen sind lebensecht und wachsen einem auch ans Herz, je länger man ihnen folgt, und besonders Roy ist mit Ecken und Kanten ausgestattet, aber auch trotzdem jemand, den man nicht missen will. Ja doch, das Buch ist gut, man sollte sich aber ein wenig Zeit nehmen für die Lektüre, statt sie einfach nur schnell zu verschlingen und sofort zum nächsten Buch zu schreiten.

[Rezensionsexemplar] Edney Silvestre - Der stumme Zeuge

São Paulo, Brasilien: Ein kleiner blonder Junge wird mit einer Luxuslimousine von der Schule abgeholt. Minuten später ist der Fahrer des Wagens tot, das Kind in der Gewalt einer Söldnertruppe. Mit der Entführung soll der Vater des Kindes, der mächtige Medienmogul Olavo Bettencourt, zur Aufdeckung eines Korruptionsskandals der brasilianischen Politikelite gezwungen werden. Doch Bettencourt reagiert nicht auf die Forderungen und den Entführern läuft die Zeit davon. Sie bekommen Zweifel: Haben sie den richtigen Jungen in ihrer Gewalt?

 Ein weiteres Mal habe ich mich für die Weltenbummlerchallenge mit einem Rezensionsexemplar eingedeckt, das ich nur wegen des Schauplatzes gewählt habe. Und schon wieder bin ich dabei in den Besitz eines Buches gelangt, das ich ohne diesen Anlass nie gelesen hätte und das ich nicht bereue, gelesen zu haben.

Vorneweg sei gesagt, dass s sich hier nicht um einen klassischen Kriminalroman handelt. Die Geschichte der Entführung ist so etwas wie Aufhänger und Nebenhandlung. Vielmehr ist es ein Psychogramm einer Gesellschaft und ein sehr bedrückender Blick in das Leben in Brasilien. Die Olympischen Spiele letztes Jahre haben es ja immer mal wieder anklingen lassen, dass Brasilien ein Land ist, in dem die Schere zwischen Arm und Reich extrem auseinanderklafft, so sehr, dass man es sich hier in Europa eigentlich gar nicht wirklich vorstellen kann. Olavo und seine Frau gehören dieser Oberschicht an, die sich angenehm zurücklehnt in ihren bewachten Villen, deren Wohlstand in vielen Fällen aber nicht nur harter Arbeit sondern auch einem gehörigen Maß an Korruption und Verbrechen zuzuschreiben ist. Und wenn sich dann herausstellt, dass es sich bei dem entführten Kind eben nicht um den Spössling aus gutem Hause, sondern um den taubstummen Sohn der Putzfrau handelt, ist man schnell in der Überlegung, ob man sich dann für "so einen" vor den Karren der entführer spannen lässt oder nicht ... Olavos Ehefrau Mara stammt aus einem ganz anderen Hintergrund, der im Laufe der Handlung immer deutlicher wird.

Silvestre arbeitet mit sehr gelungenen Erzählpassagen, in denen viele verschiedene Blickwinkel aufgegriffen werden. Beim Lesen muss man in der Hinsicht aber sehr am Ball bleiben, die Perspektivwechsel geschehen absatzweise und sind nicht immer direkt erkennbar. Das Buch ist allerdings kurz genug, um trotz dieser Erzählweise nicht die Lust zu verlieren, sondern sich immer mehr einzulassen auf die Figuren, ihren Hintergrund, ihre Motive und auch Silvestre sehr gelungene Schilderungen. Alles in allem also ein tolles Buch für dieses Jahr.

[Rezensionsexemplar] Gavin Extence - Das unerhörte Leben des Alex Woods

Alex Woods ist zehn Jahre alt, als das Universum es auf ihn absieht - im wahrsten Sinne des Wortes, denn ein Meteorit stürzt genau ins Kinderzimmer und auf seinen Kopf. Nach zwei Monaten Koma und verschiedenen Operationen ist klar, dass Alex weiteres Leben nicht den konventionellsten Weg gehen wird. Gesegnet mit Epilepsie, einer hellseherisch begabten Mutter und dem Wissen, dass selbst die unwahrscheinlichsten Dinge eintreten können, ist er nicht unbedingt der beliebteste Klassenkamerad. Als er dann durch Zufall den zurückgezogenen und sehr misslaunigen Mr. Peterson kennen lernt, schließen aber genau die beiden eine Freundschaft, die dazu führen wird, dass Alex sieben Jahre später mit 113 Gramm Marihuana und einer Urne voller Asche an der Grenze in Dover gestoppt wird ...

Manchmal finde ich deutsche Titel echt doof. Dieser sehr sperrige, wenn  auch witzig gemeinte Titel hier zum Beispiel wird dem Buch eigentlich nicht gerecht. "The Universe vs Alex Woods", wie das Original heißt, hat etwas viel schmissigeres und trifft den Erzählton des Romans haargenau. Ich habe das Buch trotz zur Zeit sehr quengelig-anhänglichem Baby innerhlab von zwei Tagen verschlungen, weil einen Alex einfach sofort einfängt. Seine Erzählhaltung ist unprätentiös, selbstironisch und sehr, sehr detailverliebt. Mir hat vor allem auch gefallen, wie man direkt Lust gemacht bekommt, sich auch mal selbst durch das Werk Kurt Vonneguts zu lesen, der jetzt auch direkt auf meiner Leseliste nach vorne katapultiert wurde ;-)

Ich hätte bei dem Klappentext nicht direkt erwartet, dass es hier um Sterbehilfe und auch sehr ernste Töne geht, das hat mir extrem gut gefallen, denn Extence nähert sich dem nicht etwa durch einen moralischen Zeigefinger an, sondern gnaz im Stil des Buchs mit einem gewissen Hang zum Sarkasmus, zum Selbstzweifel und zur Tragikomik.

Alles in allem also ein richtig gutes Buch, das ich jedem empfehlen würde, der ein bisschen mehr Biss und Gedankenmaterial haben möchte als es andere aktuelle Romane hergeben.


[Rezensionsexemplar] Elisabeth Herrmann - Die Mühle

The Court – das waren die Coolen. Die Unerreichbaren. Die Helden von Lanas Schulzeit. Wie kann es sein, dass ausgerechnet Lana an eine Einladung zu einem Kurztrip mit der Überflieger-Clique kommt? Jahre, nachdem sie alle ihre alte Schule verlassen haben?

Die Kings und Queens der coolen Clique sind zwar wenig begeistert, als Lana statt ihres siebten Mitglieds bei ihrem Treffen auftaucht. Aber dann überschlagen sich die Ereignisse. Der Trip führt die Clique in eine alte abgelegene Mühle, umgeben von Wildnis. Alles hier scheint für sie vorbereitet zu sein. Nur wer hat eigentlich die Einladungen verschickt? Wer begrüßt sie mit schriftlichen Botschaften, hat seltsame Spiele für sie organisiert? Als der erste der Freunde verschwindet, bricht Panik in der Gruppe aus …

Dass Elisabeth Hermann neben Krimis, in denen sie die DDR-Geschichte mit aufarbeitet, auch Thriller für Jugendliche schreibt, ist bislang ein wenig an mir vorbeigegangen. Umso froher war ich, als dieses Buch als Rezensionsexemplar bei mir landete, denn im Moment steht mir der Sinn nach eher ein wenig leichter Lesekost. Beim Lesen habe ich mich sehr zurückversetzt gefühlt in meine Jugend, Ende der Neunziger, als die Kinos in der Folge von "Scream" überflutet wurden von Thrillern, in denen undurchsichtige Serienkiller junge Menschen aufgrund mehr oder weniger weit hergeholter Motive umbrachten. Genau diesem Prinzip folgt Herrmann in ihrem Roman und bietet dabei nicht gerade sehr viel Überraschendes.

Die Figuren wirken schon sehr klischeehaft. Sowohl Lana, der die Rolle der überraschten Außenseiterin, als auch die Mitglieder des Court, die natürlich alle schön, reich, mächtig und geheimnisvoll sind. Gut, ich bin ungerecht, als Teenager hätte ich diese Figuren alle total logisch gefunden und mich mit Lana identifiziert, aber jetzt, mit einer Generation Abstand ist das alles so unglaubwürdig und klischeehaft. Auch die Dialoge sind für meinen Geschmack sehr von der Stange, so wie ma sich halt vorstellt, dass diese Figuren sprechen würden. Ja, ich glaube, das ist das, was mir am meisten aufgefallen ist, dass es hier Figuren sind, die nicht wirklich lebendig werden, sondern alle schön an der Oberfläche der Lektüre bleiben und ihren Zweck erfüllen. Wirksam erfüllen, aber eben nicht großartig darüber hinaus Wirkung entfalten. Insgesamt gibt es nicht viel überraschendes, sondern man merkt dem Buch an, dass hier alles auf eine jüngere Zielgruppe gerichtet wurde, die unterhalten werden soll. Besonders am Ende wurde das für mich deutlich, da wird gewaltsam ein Happy End rangeklatscht, ganz so, wie es das Publikum mag. Wenn man aber Lust hat, auf ei simples Buch, mit dem man sich das Hirn freiblasen kann und sich zurückversetzen lassen will in seine Jugend damals beim Schauen von "Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast", dann ist das ein durchaus gelungenes Buch. Es tut nicht weh, es ist durchaus spannend, und man klappt es am Ende zu, ohne sich davor zu fürchten, dass der nächste Mörder unterm eigenen Bett lauert ;-)

Montag, 24. April 2017

[Hörbuch] T.R. Richmond - Wer war Alice

Alice Salmon ist erst fünfundzwanzig Jahre alt, als sie eines Morgens leblos in einem Fluss in Southhampton gefunden wird. Eigentlich wollte sie am Abend zuvor nur Freunde treffen – sie ahnte nicht, dass dies die letzten Stunden ihres Lebens sein würden. Aber was ist passiert? Ist sie wirklich ins Wasser gestürzt, weil sie zu viel getrunken hat? War es ein tragischer Unfall? Die Nachricht ihres Todes verbreitet sich wie ein Lauffeuer, auch über Facebook und Twitter. Gleich werden Vermutungen angestellt: über sie, ihr Leben und ihren Tod. Auch ihr ehemaliger Professor Jeremy Cooke ist erschüttert. Wie ein Besessener versucht er herauszufinden, was in jener Nacht tatsächlich geschah. Jeder kleinsten Spur geht er nach und sammelt alles über Alice, was er finden kann ...

Ich habe ewig und drei Tage an diesem Hörbuch gehört. Das lag erstens, klar, an dem kleinen Minibündel, das mich einfach echt fordert, aber zu einem nicht unerheblichen Teil an der Struktur des Hörbuchs. Wie der Roman auch, ist es hier nicht etwa eine lineare Geschichte, die erzählt wird, sondern eine Anhäufung von SMS, Emails, Einträgen in sozialen Netzwerken und dergleichen mehr, anhand deren sich Jeremy Cooke Alices Leben erschließt. Das klingt natürlich wahnsinnig spannend, ist aber eben auch ein Problem, weil man sehr gut zuhören muss, um den Logikschlüssen selbst folgen zu können. Hilfreich dabei ist, dass die einzelnen Personen in der Geschichte individuelle Sprecher haben, sodass man einigermaßen am Ball bleiben kann, und die machen ihre Sache in der Hinsicht wirklich gut. Nicht zu übertrieben, immer erkennbar, und für mich sehr gelungen. Aber, und da sind wir eben beim negativen Punkt angelangt, die Geschichte zieht einfach nicht richtig. Sie ist streckenweise sehr zäh, die Figuren sind sehr wenig entwickelt, sondern bleiben auf ein oder zwei Charakterzüge beschränkt, und das ganze gipfelt in einem doch recht vorhersehbaren Ende. Für mich nicht unbedingt das Highlight, das ich nach dem Klappentext erwartet hatte. :(

Sonntag, 23. April 2017

[Welttag des Buches] Blogger schenken Lesefreude - Das Gewinnspiel

Guten Morgen zusammen.

Ist noch jemand so gut gelaunt wie ich heute? Ich freue mich wie wahnsinnig auf diesen Welttag des Buches und geh gleich mal ein bisschen bei Blogs stöbern.

Lustigerweise war der National Bookday in England schon im Februar, und der wird vor allem an den Grundschulen ganz groß gefeiert. An dem Tag nämlich war keine Schuluniformpflicht, sondern die Kinder kamen verkleidet als ihre Lieblingsfiguren. Die Lehrer übrigens auch. Beim Spaziergang am Morgen kamen mir kleine Hexen und Zauberer entgegen, aber auch Füchse, Matildas, Bären, Coraline und so viele andere. Es war wirklich toll! Ich hab mir an dem Tag dann endlich mal eine neue Kaffeetasse gegönnt, nämlich die Penguin-Verlag-Tassen mit klassichen Bookcovern. Seitdem trinke ich meinen Tee stilecht aus "Wuthering Heights".

Aber ich weiß schon, warum ihr hier seid ;-)



Ja, auch bei mir gibt es etwas zu gewinnen. Und zwar *trommelwirbel* ein Wunschbuch im Wert von 15,-€. Ihr dürft euch also alles aussuchen, was ihr gerne lesen möchtet, allerdings müsst ihr damit einverstanden sein, dass das Ganze per amazon (oder einem anderen online-Händler) an euch verschickt wird. Warum? naja, weil es ein wenig umständlich ist, das Buch nach England zu schicken, um es dann wieder nach Deutschland zu verschicken :-D

Was müsst ihr dafür tun?
Ich mache es euch leicht - hinterlasst mir einen Kommentar unter diesem Post in dem ihr mir mitteilt, welches Buch ihr gerne hättet. Gerne könnt ihr euch auch noch zu viel mehr äußern, mir etwas erzählen oder euer Lieblingsbuch vorstellen oder erklären, warum mein Blog so schlecht ist, dass ihr gar nichts gewinnen wollt - wichtig ist nur eins: gebt bitte eine Kontaktmöglichkeit an.
Das kann ein Link zu eurem Blog sein oder eine verschlüsselte Mailadresse, aber irgendwie müsst ihr ja erfahren,ob ih gewonnen habt.
Solltet ihr unter 18 Jahre alt sein, bräuchte ich eine Einverständniserklärung eurer Eltern.

Die Auslosung findet am 30. April durch meine persönliche blogeigene Glücksfee statt. Daraufhin melde ich mich beim Gewinner und gebe ihn hier auf dem Blog bekannt. Wenn er sich bis 3.Mai immer noch nicht gemeldet hat, wird eine neue Auslosung stattfinden.

Rechtsweg ist natürlich ausgeschlossen, genauso wie ein Umtausch gegen Geld - aber auf die Idee kämt ihr ja sowieso nicht als Buchliebhaber. :-)


Montag, 20. März 2017

[Ankündigung] Blogger schenken Lesefreude

Hurra!!! Es ist wieder so weit - der Welttag des Buches steht an.Und genau deshalb schon einmal die Ankündigung: auch dieses Jahr bin ich wieder dabei. Und da es bei Blogger schenken Lesefreude wieder zurück zu den Wurzeln geht, habt ihr dann auch bei mir die Gelegenheit, etwas zu gewinnen. Freut euch mit mir und zählt die Tage, am 23.April erfahrt ihr mehr.

Werbung machen dürft ihr jederzeit, vielleicht beteiligt sich ja der ein oder andere von euch selbst aktiv ;-)

Mittwoch, 15. März 2017

[Rezensionsexemplar] A.F. Harrold - Amandas unsichtbarer Freund

Als Amanda Rudger in ihrem Kleiderschrank entdeckt, ist ihr sofort klar: Das ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft! Anders als Amandas Schulfreunde, die nie draußen spielen, um ihre ordentlichen Kleider nicht schmutzig zu machen, weicht Rudger fortan nicht von Amandas Seite. Einen herrlichen Sommer lang bauen sie ein Lager im Garten, jagen die Katze und erleben die wildesten Abenteuer. Rudger ist einfach perfekt – und dass nur Amanda ihn sehen kann, ist erst recht ein Vorteil, findet sie. Bis der geheimnisvolle Mr. Bunting auftaucht: Auch er kann Rugder offenbar sehen – und er führt irgendetwas Schreckliches im Schilde. Rudger hat furchtbare Angst vor ihm. Amanda ahnt, dass sie schnell herausfinden müssen, was Mr. Bunting verbirgt – und dass ihnen nur wenig Zeit dazu bleibt …

Ich hatte mir das Buch mit ein bisschen Hintergedanken vom bloggerportal geholt, denn meine Schwester beschwert sich gerne darüber, dass meine Nichte einfach ungern liest. Also habe ich diesmal nicht nur selbst eine Meinung, sondern lasse mal jemand anderen zu Wort kommen.

Also, liebe Nichte, wie hat dir denn das Buch gefallen?
Es ist ganz okay. Ich lese nicht gern, deswegen war es toll, dass viele Bilder mit dabei waren. Das war wirklich schön. Und es war spannend und gruselig. Manchmal ein bisschen sehr gruselig, vor allem das Mädchen bei Mr. Bunting.
Anmerkung der Blog-Tante: Stimmt. In dem Buch war dicht gepackt alles, was an Grusel fürZehnjährige angemessen ist, plus sehr viel Spannung und Fantasie. Alles in allem fand ich, dass es eine bezaubernd-gruselige Geschichte ist, die sogar Lesemuffeln zusagen wird.

Würdest du das Buch weiterempfehlen? Warum oder warum nicht?
Vielleicht. Das Buch gefällt bestimmt manchen Kindern nicht, weil es so viele Seiten hat. Aber man kann es schnell lesen und es kennt nicht jeder.
Anmerkung der Blogtante: Dem pflichte ich bei, diese 300 Seiten lassen sich weglesen wie nichts. Das liegt bestimmt auch an den Cliffhängern, mit denen jedes Kapitel aufhört, die haben es mir echt nicht leicht gemacht, eine Zwangspause beim Lesen einlegen zu müssen, wenn doch mal nach mir verlangt wurde. Ich finde das Buch wirklich gelungen und es war mal wieder schöne Kinderliteratur, die ich gerne weiterempfehlen würde!

[Buchgedanken] Jussi Adler Olsen - Selfies

Im Sonderdezernat Q stehen Probleme ins Haus: wegen angeblich zu niedrigen Aufklärungsquoten droht die Schließung. Schuld daran ist Rose, denn die scheint die mehrheitlich gelösten Fälle nicht ordentlich zu melden. Bevor Carl sie sich vornehmen kann, hat Rose aber einen ihrer psychischen Zusammenbrüche.  Und gleichzeitig macht ein Autofahrer Jagd auf junge Sozialhilfeempfängerinnen, das Sonderdezernat muss ein nerviges Kameratem für eine TrueCrime-Serie beschäftigt halten und Carls ehemaligem Chef kommt durch die Ermordung einer alten Frau im Park ein alter ungelöster Fall ins Gedächtnis. Alles in allem ganz schön viel Trubel für das Sonderdezernat Q ...

Nachdem ich vom letzten Band nicht mehr ganz so sehr begeistert war, muss ich sagen, dass mir der Band jetzt zwar nicht hervorragend gefällt, aber zumindest finde ich ihn besser als den Vorgänger. Mir hat vor allem die Geschichte rund um Anneli gefallen - so viel, oder eher so wenig Spoiler sei gegeben, der Leser erfährt von Anfang an, um wen es sich bei dem Autofahrer handelt - und ich fand sie extrem gut entwickelt. Und irgendwe konnte ich mitfühlen mit ihr und ihren Gefühlen, mit ihrer Frustration, ihrer Angst und auch ihrer Selbstüberschätzung und Überheblichkeit.

Was ich jedoch am Buch echt auszusetzen habe, ist die diesmal extrem schwache Verbindung der einzelnen Handlungsstränge. Irgendwie ist da zuviel Zufall dabei, oder nein, nicht Zufall, eher Willkür des Autors. "X ist die Nachbarin von Y und deswegen haben wir eine Brücke zwischen den beiden Fällen" ist mir persönlich zu sehr konsturiert und zu wenig überzeugend. Ja, man braucht alle diese Handlungen, um das Gesamtbild zu sehen und nachvollziehen zu können, aber beim Lesen selbst wirkte es immer eher wie eine Nummernrevue. Der Fall an sich ist einfach zu konstruiert und verschachtelt, um wirklich Lesevergnügen herzustellen. Und auch von dem Strang um Rose hätte ich gerne mehr Hintergrund gehabt, mehr Schilderung und weniger Nacherzählung durch andere Personen. Vielleicht hätte es geholfen, wenigstens diese Handlung anders einzubetten, nicht so auf Teufel komm raus hier mit in den siebten Band einzufügen.

Ach ja - den Titel finde ich dieses Mal vollkommen bescheuert. Er passt weder in die bisherige Reihe, noch wirklich zum Buch an sich. Aber das nur nebenbei ...